BLKÖ:Poschinger, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 23 (1872), ab Seite: 137. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Poschinger, Franz|23|137|}}

Poschinger, Franz (Hofprediger zu Kaiser Joseph’s Zeit, Geburts- und Sterbeort und Jahr unbekannt). Das Andenken an diesen interessanten Mönch – denn er gehörte dem Dominikanerorden an und lebte im Kloster desselben zu Wien – verdanken wir einem schon selten gewordenen, in den Quellen genannten Büchlein, das seiner mit Wärme gedenkt. Die Nachrichten über sein Leben sind nur spärlich; so versah er durch vierzehn Jahre in der Gschwind’schen Bibliothek, deren Vorsteher altershalber seinen Dienst nicht mehr verrichten konnte, die Stelle des Bibliothekars und war bei den Benützern der Bibliothek ebenso durch seine Kenntnisse im Bücherwesen, wie durch die Bereitwilligkeit in der Dienstleistung besonders beliebt, plötzlich aber wurde er „ebenso hinterlistig als ungerecht“, wie unsere Quelle meldet, von diesem Posten verdrängt. Dann übte er einige Zeit das Amt eines Sonntagspredigers aus, wurde aber auch von diesem plötzlich entfernt, „vermuthlich aus der einzigen Ursache, weil seine Predigten fleißig und zahlreich von Wiener Bewohnern besucht wurden“. Als ihn dann seine Klosterbrüder zu ihrem Prior erwählten, wurde seine Wahl von seinen Kirchenoberen nicht bestätigt. Am meisten genannt wurde sein Name bei dem damals ausgebrochenen Rokettstreite, in welchem er eine hervorragende Rolle spielte. Kaiser Joseph II. aber machte allen diesen Neckereien und kleinlichen Unbilden mit einem Male ein Ende, indem er P., über dessen echt geistlichen Lebenswandel und tiefsittlichen Werth er genaue Kunde hatte, zu seinem Hofprediger ernannte. Weitere Nachrichten über P. und seine Schicksale liegen mir leider nicht vor.

Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger- Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, kl. 8°.) I. (und einziger) Theil, S. 135.