BLKÖ:Gschwind Freiherr von Pockstein, Johann Martin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Gschwandl, Joseph
Nächster>>>
Gsellhofer, Karl
Band: 5 (1859), ab Seite: 402. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Johann Martin Gschwind von Pockstein in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Gschwind Freiherr von Pockstein, Johann Martin|5|402|}}

Gschwind Freiherr von Pockstein, Johann Martin (Feldmarschall, geb. zu Wasser-Leonberg in Kärnten 1. Mai 1645, gest. in Wien 1721). Entstammt einer altadeligen Familie, aus der sich bereits Einer im J. 1529 bei der ersten türkischen Belagerung auf das Rühmlichste hervorgethan hatte. Johann Martin verlor früh seine Eltern und erhielt von seinem Vormunde, dem Obersten Peverelli, seine militärische Ausbildung. Zuerst that er sich bei Wiens Belagerung 1683 hervor, er war damals Artillerie-Oberstlieutenant und wurde für sein wackeres Verhalten Oberst. In den Kriegen gegen Frankreich zeichnete er sich öfter aus, wurde 1693 Generalmajor und Inhaber des Inf.-Reg. Nr. 35 und blockirte 1694 Casale. Im spanischen Successionskriege war er gleichfalls, doch ohne besonderen Erfolg, thätig. Im J. 1703 wurde er mit der Landesvertheidigung Tyrols beauftragt. Den Befehl dazu erhielt G. nicht im Original, sondern in Abschrift. Dieser wie auch der folgende Umstand, das G. einen Angriff des Kurfürsten von Baiern nicht vermuthete, ließen ihn auf den Auftrag wenig Gewicht legen, und in Folge dieser Sorglosigkeit fielen das starke Kufstein und die Veste Ehrenberg in Feindesgewalt, worauf die baldige Besetzung eines Theiles von Tyrol durch die feindliche Macht erfolgte. Seit dieser Zeit wird in Tyrol ein unrühmliches Aufgeben des Landes à la Gschwind genannt. Nachdem G. im J. 1712 zum Feldmarschall ernannt wurde, zog er sich [403] nun in Ruhe zurück und lebte den Künsten und Wissenschaften, deren eifriger Beschützer er war. Er besaß ein für seine Zeit reiches physikalisches Cabinet und eine schöne Büchersammlung. In seinem Testamente ordnete er an, daß auf seine Kosten eine öffentliche Bibliothek errichtet werde, welche seit 1785 mit jener der Universität vereinigt wurde. G. war der letzte seines Stammes. Er starb im Alter von 76 Jahren und liegt in der Franciskanerkirche in Wien begraben.

Reilly (Franz Joh. Jos. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherrn Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, kl. 4°.) S. 239 [heißt daselbst irrig Martin Gschwind von Peckstain]. – Oestr. Militär-Konversat.-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 808.