BLKÖ:Radl, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Radnitzky, Karl
Band: 24 (1872), ab Seite: 202. (Quelle)
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Radl, Anton (Landschaftmaler und Kupferstecher, geb. zu Wien 15. April 1774, gest. zu Frankfurt a. M. 4. März 1852). Sein Vater war Zimmermaler in Wien, und Anton von vier Geschwistern, nämlich drei Brüdern und einer Schwester, der jüngste. Als er erst sechs Jahre alt war, verlor er seinen Vater durch den Tod und er blieb nun der Sorgfalt der Mutter überlassen, die ihn mit Liebe und Umsicht erzog. Eine schöne Bilderbibel weckte zunächst in ihm das Talent für die Kunst. Die Bilder darin versuchte er fleißig nachzuzeichnen, dann führte ihn die Mutter öfter in die kaiserliche Bildergallerie im Belvedere, wo sich beim Betrachten der herrlichen Kunstwerke sein Kunsttalent immer mehr entfaltete. Später wurde er als Schüler in die Zeichenakademie aufgenommen und in derselben arbeitete er mit großem Fleiße, jedoch mußte er, um den Lebensunterhalt zu verdienen, das Gewerbe seines Vaters, Coloriren und Zimmermalen betreiben und in Folge dessen seine Studien beschränken. Die Kriegswirren des Jahres 1790 und die Besorgniß, unter die Soldaten genommen zu werden, trieben ihn aus dem Vaterlande. Bereits waren seine zwei Brüder unter Joseph II. im Türkenkriege bei der Belagerung von Belgrad gefallen, und „wenn schon zwei aus der Familie den Heldentod für das Vaterland gestorben, so war doch dieß“, wie er sich auszudrücken pflegte, „der Ehre genug“. Anton begab sich nun mit einer kleinen Baarschaft in die Fremde und zwar nach Brüssel, wo er bei dem Maler Korner, einem Freunde seines Vaters, gastliche Aufnahme fand. Dort setzte er seine Kunststudien fleißig fort, aber schon im nächsten Jahre, als die französisch-republikanische Armee herannahte, mußte er – wie alle anderen Ausländer – die Stadt verlassen und so begab er sich nach Deutschland zurück und zog am 1. Jänner 1794 in Frankfurt a. M. ein, wo er nun seine zweite Heimath fand und bis an sein Lebensende blieb. Im Hause des tüchtigen Künstlers Johann Gottlieb Prestel auf das Herzlichste aufgenommen, arbeitete er, sich der Kunst widmend, sieben Jahre. Auch besuchte er daselbst oft den Kirchenmaler J. C. Morgenstern, der sich ebenso liebevoll gegen den jungen strebsamen Künstler erwies. Im Jahre 1801 heirathete er Rosine Hochschütz, und lebte mit dieser ebenso gemüth- als talentvollen Frau über 42 Jahre in einer glücklichen, nur durch den Verlust aller sieben Kinder, die in früher Jugend starben, getrübten Ehe. Rosine besaß selbst eine nicht gemeine Geschicklichkeit im Drucken färbiger Aquatintablätter und verstand vortrefflich das Reinigen von Kupferstichen und das Aufziehen selbst der größten Zeichnungen. Leider war sie in ihren letzten acht Lebensjahren von schwerer Krankheit heimgesucht, welcher sie auch endlich im Jahre 1843 erlag. Ende dieses Jahres bereiteten ihm seine Kunstcollegen, bei denen sich R. seiner Gemüthlichkeit und seines edlen Charakters wegen ebenso wie ob seiner Tüchtigkeit als Künstler großer Beliebtheit erfreute, [203] ein Künstlerfest, welches am 17. December in herzlichster Weise und unter Theilnahme zahlreicher Künstler und Kunstfreunde gefeiert wurde. Bei dieser Gelegenheit überreichten ihm seine Schüler einen kunstvoll gearbeiteten silbernen Pokal, der von Blumen umkränzt und gefüllt von köstlichem Rheinwein, Gewächs aus dem Jahre seiner Geburt, noch mit einem sinnreichen heiteren Gedichte von Fräulein Rosa Gontard, seiner Schülerin, begleitet war. R. selbst hielt bei dieser Feier eine Ansprache an die Versammlung, in welcher er einen kurzen Abriß seines Lebens und mehrere launige Episoden aus seinen Künstlerfahrten zum Besten gab. Noch in seinen hohen Lebensjahren war es ihm gegönnt – zum ersten Mal – die Schweiz zu sehen, wo sich dem feinfühlenden Künstler, der selbst so herrliche Landschaften gemalt hatte, in der großartigen Alpennatur Genüsse seltenster Art darboten. Die letzten Lebensjahre verlebte R., geschwächt von den Leiden des Alters, in Zurückgezogenheit und starb an Altersschwäche im Alter von 78 Jahren. R.’s Künstlerthätigkeit war eine vielseitige; er leistete Vorzügliches im Stiche, wie im Gouache und in Oel, in der Landschaft wie im Genrebilde. Seine Arbeiten sind sehr zahlreich und kann nur der vorzüglichsten hier kurze Erwähnung geschehen. Zu seinen frühesten Stichen zählen zwei in Frankfurt gearbeitete colorirte Blätter: „Eine Scene des Empfanges der französischen Truppen vor dem Fürsteneck mit vielen humoristischen Episoden“ und „Das Gefecht beim Hockenheimer Thore im Jahr 1797 in dem Augenblicke als die Nachricht von dem Frieden am Campo formio eintraf und vor dessen Bekanntwerden die Franzosen sich noch der Stadt bemächtigen wollten.“ Mehrere seiner Bilder aus jener Zeit hat J. G. Reinheimer radírt, unter andern eine colorirte „Ansicht der Stadt Frankfurt“ von der Mainseite aus gesehen, dann zwei kleinere Aquatintablätter, „Scenen von französischen Militärs“ darstellend. Unter der Leitung und für Prestel führte R. Vieles in Aquatinta aus, so „Die Thore und Wartthürme der Stadt Frankfurt“ und andere „Alte Gebäude der Umgegend“. Nach Schütz vollendete er „Zwölf Rheinansichten“ und nach seinen eigenen Zeichnungen eine Folge von „Ansichten der alten Schlösser Hardenberg, Freudenberg, Hain, Rödelheim, Stauffen, Henneberg und Steinheim am Main“, die Originale wurden sämmtlich von dem verstorbenen Herzog von Weimar angekauft. Zu seinen schönsten Arbeiten aus jener Zeit zählen eine „Mondscheinlandschaft“ nach A. van der Neer, das unter dem Namen „des weissen Ochsen“ bekannte Thierstück nach Potter und eine „Bärenjagd“ nach F. Sneyers, alle drei in Aquatinta und colorirt gedruckt. Ferner sind von ihm viele Gouache-Bilder „Waldstudien aus der Umgebung von Frankfurt“ vorhanden. Ebenso glücklich wie in seinen landschaftlichen Darstellungen war er in Scenen aus dem Volksleben. So entwarf er, ohne andere Absicht, als nur um seinem künstlerischen Drange zu genügen, mit Kohle und colorirte flüchtig ein Paar große Blätter mit Kirchweihscenen, wie er sie im Leben beobachtet hatte. Diese Skizzen erfreuten sich solchen Beifalls, daß er dann auf Zureden seiner Freunde noch einige ausführte, die sich nun mit mehreren vorzüglichen Gouachebildern im Städel’schen Kunstinstitute in Frankfurt befinden. Auf einer Reise zu Besuch seiner Verwandten in seiner Vaterstadt Wien machte er längs der Donau verschiedene landschaftliche Studien und gab eine „Ansicht von Regensburg“ in colorirter Radirung heraus. Im [204] Jahre 1818 unternahm er im Auftrage des Buch- und Kunsthändlers Friedrich Wilmans eine Reise nach Norddeutschland, um mehrere Blätter für das von demselben herausgegebene Werk: „Die vier freien Städte Deutschlands“ auszuführen. Vier große, in Quer-Octav auf das zarteste in Tusch gearbeitete „Ansichten der Städte Lübeck, Hamburg, Bremen und Frankfurt“ kamen in Besitz des Senators Dr. Gwinner und des Rathes Georg Finger. Viele seiner vortrefflichen, in Oel gemalten Landschaften finden sich im Privatbesitze von Frankfurter Bürgern und eines seiner schönsten Gemälde besitzt die Darmstädter Gallerie, nämlich eine „Waldlandschaft mit breit einfallendem Sonnenschein“. Schließlich seien von Radl’s Werken noch angeführt: „Das italienische Magazin“, nach G. Fuentes (Royal-Qu. Fol.); – „Die durch die Schlacht von 1758 berühmten Ruinen einer Kirche bei Berghen“ (gr. Qu. Fol.); – „Das St. Galler Thor zu Frankfurt“ (gr. Fol.); – „Der Thurm zu Sachsenhausen“ (gr. Fol.); – „Ansichten von Sonnenberg“ bei Wiesbaden, „Schwalbach“ von Kemmel aus, „Adolphseck“ bei Schwalbach und „Lahnek“, alle vier Blätter in gr. Fol. und in Farben; und „Ansicht eines Waldes, wo man links eine, bei der Durchsicht zwei Kühe sieht“, schöne Radirung ohne Namen (kl. Fol.). Was den Kunstwerth von R.’s Arbeiten betrifft; so ist derselbe nicht unbedeutend. Im Stiche zeigt er sich als außerordentlich feinfühlender Charakteristiker, der die Natur mit inniger Liebe erfaßt und verstanden hat und mit Wahrheit und Schärfe wiederzugeben versteht. Im Genre gibt sich bei ihm der humoristische Beobachter kund, der das Leben von seiner heiteren Seite auffaßt und sich im fröhlichen Volksgewühle wohlfühlt. Seine Landschaftbilder werden selbst von der Höhe betrachtet, welche dieser Zweig der darstellenden Kunst in den letzten Jahrzehenden erklommen hat, durch ihre feine und wahre Zeichnung immer einen hohen Werth behalten und von den Künstlern anerkannt werden. Seine Arbeiten hatten und haben noch immer einen hohen Preis, seine „Bärenjagd“ nach Sneyers kostete im braunen Abdrucke 11, colorirt 22 Gulden; seine „12 Rheinlandschaften“ nach Schütz, à 24 Zoll hoch und 18 Zoll breit, schwarz 90, colorirt 162 Thaler. Der feine Kunstkenner und Kunstkritiker Passavant bemerkt von seinen Arbeiten nach alten Meistern, besonders nach Ruysdael, daß er in ihnen, indem er zugleich eifrig nach der Natur zeichnete, auch das Charakteristische der verschiedenartigen Bäume mit einer Wahrheit und Schärfe darzustellen vermochte, wie es zu seiner Zeit ganz ungekannt war und nie übertroffen worden ist. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß der berühmte Componist Mayseder sein Neffe, nämlich der Sohn seiner Schwester ist, den er als vierjährigen Knaben vom Tode errettet hatte, als er, in ein Wasserbehältniß gefallen, dem Ertrinken nahe war. An diesem hing R. mit väterlicher Zuneigung, stand mit ihm beständig im freundschaftlichen Briefwechsel und übersandte ihm noch bei Lebzeiten einige der ihm werthesten Gegenstände, unter anderen auch den ihm bei dem oberwähnten Feste im Jahre 1843 überreichten Pokal.

Frankfurter Konversationsblatt (4°.) 1853, Nr. 62 u. 63: „Anton Radl, der Landschaftmaler. Ein Gedenkblatt, mitgetheilt von J. D. Passavant; – dasselbe 1843, Nr. 356 u. 357: „Künstlerfest zu Ehren des Malers Anton Radl. Am 17. December 1843“. – Didaskalia, Blätter für Geist u. s. w. (Frankfurt a. M., 4°.) 1852, Nr. 67: „Der Landschaftmaler Anton Radl“. – [205] Goethe. Ueber Kunst und Alterthum, Bd. I, 1, 76. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar. B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XXX. Jahrg. (1852) S. 141. – Die Angabe des Jahres 1772 als seines Geburtsjahres, die sich hie und da findet, ist unrichtig.