BLKÖ:Radnótfay, Samuel von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Radnitzky, Karl
Band: 24 (1872), ab Seite: 207. (Quelle)
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Radnótfay, Samuel von (Intendant des ungarischen National-Theaters, geb. in Ungarn im Jahre 1803, gest. zu Pesth 9. October 1869). Entstammt einer ungarischen Adelsfamilie, über welche in Nagy’s Adelswerk: „Magyarország családai“ (Bd. IX, S. 557] nur sehr dürftige Nachrichten vorliegen, wie deren auch über R.’s Leben vermißt werden. Samuel R. war Deputirter des ungarischen Landtages 1867. Kakay nennt ihn: Hofrath, siebenbürgischer Regalist und Intendant des ungarischen National-Theaters in Pesth, in welch letzterer Eigenschaft er sich bleibende Verdienste um die Hebung der ungarischen Bühne als Kunstinstitut und des Wohles ihrer Mitglieder durch humanitäre Einrichtungen erworben hat. Seinen Bemühungen zunächst ist die vom Staate bewilligte erhöhte Dotation des Theaters zu verdanken. Das Personal des ungarischen Theaters erließ bei Gelegenheit seines Ablebens eine Todesanzeige, in welcher unter Anderen hervorgehoben wird, „daß er im Jahre 1862 unter den kritischesten Verhältnissen die Leitung des Instituts übernommen und mit voller Hingebung und unermüdlichem Eifer sich bemüht habe, dasselbe zur Blüthe zu bringen“. Auch den geistigen Interessen der Bühne wandte R. seine eifrige Wirksamkeit zu. denn er hat das Repertoir der ungarischen Bühne durch Uebersetzungen zahlreicher Stücke aus anderen Sprachen bereichert. Sein wesentlichstes[WS 1] Verdienst aber besteht in der Gründung einer Unterstützungscasse und eines Darlehensfondes, durch welche die Mitglieder des National-Theaters vor Wucherhänden bewahrt werden und die von vielen Seiten noch immer angezweifelte sittliche Seite des Schauspielerstandes gehoben wird. Im Uebrigen war R. ein komischer Kauz. Mit der Tagespresse, schreibt Kakay, stand er im beständigen Kampfe, deßhalb verspeiste er auch zum Frühstück einige Neuigkeitsschreiber; zu Mittag ein Dutzend Feuilletonisten und Theater-Referenten und zum Abendbrot eine Masse anderweitiger „Scribler“, wie er die Literaten im Allgemeinen zu nennen pflegte. Seine Silhouette zeichnet er wie folgt: Großer Kopf mit grauem Haar und weißem Schnurbart, ein gesundes gutes Gesicht, eine Erscheinung halb Táblabiró, halb pensionirter Huszaren-Obrist. Ein jugendlich alter Herr mit lebendiger Beweglichkeit und höflichen Manieren, nur nicht – den „Scriblern“ gegenüber. Die Theilnahme bei seinem Tode war eine allgemeine. Der Superintendent Paul Török hielt im Trauerhause eine ergreifende Leichenrede, und als der Sarg beim National-Theater, von welchem die Trauerfahne wehte, vorbeigetragen wurde und der ungeheuren Menschenmenge wegen der Zug stehen mußte, hielt der Schauspieler Feleki dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, in welchem er dessen Verdienste um die Bühne hervorhob.

Neue freie Presse 1869, Nr. 1842, in den „Theater- und Kunstnachrichten“. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1869, Nr. 283. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik und bildende Kunst (Wien, kl. Fol.) 1869, Nr. 83, S. 332. – Kakay (Aranyos), Licht- und Schattenbilder zur Charakteristik des ungarischen Landtages (Pest 1867, Lauffer, 8°.) S. 130. – Az ország tükre, d. i. Der Reichsspiegel (ungar. illustr. Blatt, 4°.) 1863, Nr. 18, S. 205. – Porträt. Lithographie von Marastoni ebenda.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: wesentlchstes.