BLKÖ:Ramazotti, Angelo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ramberg, Arthur von
Band: 24 (1872), ab Seite: 304. (Quelle)
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Ramazotti, Angelo (Patriarch von Venedig, geb. zu Mailand 3. August 1800, gest. zu Gherla bei Bassano 24. September 1861). Entstammt einer wohlhabenden Mailänder Familie und wendete sich im Anbeginne dem Studium der Rechte zu, welche er auch an der Hochschule zu Pavia beendete, betrieb auch schon einige Zeit die Advocatur, verließ aber mit einem Male diese Laufbahn, um sich der priesterlichen zuzuwenden. Er trat in den Orden der Oblati di S. Carlo, vollendete in demselben die theologischen Studien, erlangte die h. Weihen und gründete mit seinem Vermögen das Waisenhaus in dem in der Nähe von Mailand gelegenen Saronno. Längere Zeit wirkte er in der oberwähnten Congregation des h. Karolus Boromäus, deren Aufgabe darin besteht, [305] Aushilfe in der Seelsorge zu leisten und in der Diöcese Missionen zu halten. In einiger Zeit stiftete er ein Missions-Seminar für Ozeanien. So waltete er unbeachtet seines priesterlichen Berufes, bis im Jahre 1848 seine humane Weise die Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Bei dem Ausbruche der Revolution in Mailand traf er nämlich auf der öffentlichen Straße weinende Knaben von deutschen Eltern. Er nahm sich sofort in Person derselben an, gewährte den Verlassenen Schutz und brachte sie in seinem Waisen-Seminar zu Saronno unter. Nachdem die Oesterreicher siegreich nach Mailand zurückgekehrt waren, stellte er die Kinder ihren Eltern zurück. Dieser edlen, eines Priesters des Herrn vollkommen würdigen Handlung blieb man hohen Ortes eingedenk und R. wurde nach Erledigung des Bisthums Pavia von Sr. Majestät zum Bischofe desselben ernannt. Auch in dieser neuen Würde zeichnete sich der Prälat ebenso durch seine große Klugheit, als seine Festigkeit aus und genoß im dortigen Kirchensprengel allseitige Verehrung. Namentlich bei Gelegenheit der großen Ueberschwemmung, von welcher die Stadt heimgesucht worden, bewies er wieder seinen edlen hochherzigen Sinn, eilte überall, wo die Wassergefahr drohend war, an Ort und Stelle und nahm die obdachlosen armen Leute zu Hunderten in seinen bischöflichen Palast auf, wo er ihnen Alles, dessen sie bedurften, Nahrung, Bekleidung und sonstige Pflege zu Theil werden ließ. Nach dem am 9. April 1857 erfolgten Tode des Patriarchen Peter Aurelius Mutti wurde Bischof Ramazotti zu seinem Nachfolger erwählt und hielt am 16. Mai 1858 seinen feierlichen Einzug. Auch in dieser Stellung bethätigte der Kirchenfürst öfter seinen humanen Sinn und werden mehrere derartige Züge aus dessen Leben erzählt. Leider war seine Wirksamkeit nur von kurzer Dauer, nach kaum dritthalb Jahren starb er im Alter von 61 Jahren. Als dem Papste Pius IX. die Nachricht von Ramazotti’s Ableben mitgetheilt wurde, äußerte er, daß sein Bedauern über dasselbe um so tiefer sei, als er ihn seiner vielseitigen Verdienste wegen für die Cardinalswürde in petto getragen habe.

Alla venerata Memoria di Sua Eccellenza Illma e Revma Monsignor Angelo Ramazotti Patriarca di Venezia articoli tre con lettera della Santità di N. S. Papa Pio IX.[WS 1] in morte di lui (Venezia 1861, Gius. Grimaldo, 8°.). – Salzburger Kirchenblatt (4°.) 1858, Nr. 1, Correspondenz ddo. Venedig 25. Februar. – Deutschland (polit. Journal zu Frankfurt a. M.), 17. März 1858: „Angelo Ramazotti, der neue Patriarch von Venedig“. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°. ) 1860, Nr. 39, S. 352. – Kleines biographisches Lexikon, enthaltend Lebensskizzen hervorragender, um die Kirche verdienter Männer (Znaim 1862, M. F. Lenck, kl. 8°.) S. 96 u. 194.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: IY.