BLKÖ:Ramberg, Arthur von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ramazotti, Angelo
Band: 24 (1872), ab Seite: 305. (Quelle)
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Ramberg, Arthur von (Maler, geb. zu Wien im Jahre 1815). Erhielt seine künstlerische Ausbildung in Wien, wo er bis 1850 lebte. In diesem Jahre begab er sich nach München, wo er an der dortigen Akademie seine Kunststudien fortsetzte und im Jahre 1858 Ehrenmitglied derselben wurde. Im Jahre 1860 erhielt er einen Ruf nach Weimar als Professor der großherzoglichen Kunstschule daselbst. Nach einigen Jahren kam er aber in gleicher Eigenschaft an die Münchener Kunstakademie, wo er zur Stunde noch thätig ist. Oesterreichische Blätter haben in ihren Kunstkritiken zu wiederholten Malen bedauert, daß Kräfte wie Ramberg und Moriz v. Schwind, der auch als Oesterreicher im Auslande arbeitete, dem Vaterlande entzogen blieben, [306] oder meinen sie, sollten sie von demselben mit größeren Arbeiten betraut werden. Ramberg’s Name hat sich zunächst durch seine meisterhaften Zeichnungen zu Schiller’s Gedichten und zu Goethe’s „Hermann und Dorothea“ in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Auch mehrere Staffeleibilder des Künstlers fanden vielfache Anerkennung, so vor Allem sein kolossales: „Empfang der Gesandten des Kalifen durch Kaiser Friedrich II. an seinem Hofe zu Palermo“, für das Münchener Maximilianeum gemalt, welches neben Matejko’s „Union von Lublin“ als das beste große Oelbild historischer Gattung auf der Pariser Ausstellung angesehen wurde. Von seinen anderen Oelbildern sind bekannt: „Der Spaziergang mit dem Hofmeister“, im Stahlstiche nachgebildet, ein Geschenk des Münchener Kunstvereins; dann – „Der blöde Bauernjunge“, ein Bauernbursch geht an drei sauberen Dirnen verlegen vorüber und blickt im Kornfeldweg sich nach ihnen um; – „Der Blumenstrauss“, – „Das Fensterln“, alle drei auf der allgemeinen deutschen Ausstellung zu München im Jahre 1858. Ramberg wird von der Kunstkritik zu den begabtesten Künstlern der Gegenwart gezählt. Er hat sich gleich seinem Oheim, dem berühmten Zeichner, Maler und Kupferstecher Johann Heinrich Ramberg, vornehmlich der Illustration und den kleinen Bildern zugewendet. Dabei verbindet er mit Eleganz und Schönheitsgefühl die feinste Beobachtungsgabe für das Individuelle und eine ungemein fruchtbare und schöpferische Phantasie, die es ihm möglich macht, mit gleich feinem Verständnisse, wie er die Gegenwart begreift, auch das Charakteristische in der Erscheinung früherer Jahrhunderte leicht zu erfassen oder nach Bedarf seine Menschenbeobachtung in sie zu übertragen. So sind von seinen Illustrationen zu Schiller’s Gedichten: „Laura am Clavier“, „Die Erwartung“, „Das Punschlied“, wahre Meisterstücke feiner, graziöser und wahrer Darstellung. Nicht minder gelungen sind und zu den reizendsten Arbeiten in dieser Richtung zählen seine Blätter zu „Hermann und Dorothea“, welche auf der dritten deutschen Kunstausstellung in Wien, sowohl was die Charakteristik der Figuren, sowie die landschaftliche Umgebung und die treffliche Wiedergabe von Tages- und Mondeslicht betrifft, als Leistungen ersten Ranges bezeichnet wurden. Von Ramberg sind auch einige Illustrationswerke im Druck erschienen, und zwar: „Wieland’s Oberon“, 36 Blätter Kupferstiche, nach Ramberg’s Zeichnungen (Leipzig, Georg Wigand, 4°., 25 Rthlr.); – „Oberbayerische Lieder“, von F. von Kobell. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen von Ramberg (München, Braun und Schneider) und in Gemeinschaft mit F. Pecht: die „Schiller-Gallerie. Charactere aus Schiller’s Werken. Gestochen von den vorzüglichsten Künstlern nach Zeichnungen von Arth. u. Ramberg und F. Pecht“, 50 Blätter in Groß-Quart mit 25 Bogen Text (Brockhaus in Leipzig, 12 Rthlr.). Die Kunstkritik liebt es, Ramberg und Schwind neben einander zu stellen, nur hat letzterer eine phantasiereichere Begabung, während Ramberg ein gründlicheres Naturstudium aufweist. Ist Schwind halb modern, so ist es Ramberg ganz, und mit dem feinen Stylgefühle Schwind’s verbindet er moderne Eleganz, schärfere Individualisirung und bessere Durchbildung der Form. Gleich Schwind aber leistet er das Beste in der Zeichnung und auch da wieder in der Regel in solchen Stoffen, in denen das Leichte, Anmuthige, Elegante, [307] Witzige, Heitere vorherrscht. Daß er aber auch im großen Oelbilde Bedeutendes zu leisten vermag, hat er eben in dem schon erwähnten Bilde: „Friedrich’s II. Hof zu Palermo“ bewiesen, welches als eine in lieblichster Weise ausgeführte, mit echtem Schönheitszauber und überraschender individueller Wahrheit getränkte Verlebendigung einer entfernten Geschichtsperiode bezeichnet wurde. Noch sei bemerkt, daß der älteste Sohn des Freiherrn und Maria Theresien-Ordensritters Georg Heinrich Freiherrn von Ramberg [s. d. Folgenden] auch Arthur heißt. Ist unser Maler Arthur von Ramberg, der jedoch nirgends als Freiherr aufgeführt erscheint, etwa dieser Sohn?

Zeitschrift für bildende Kunst (Leipzig, E. A. Seemann, 4°.) Bd. I, S. 58; Bd. IV, S. 61 u. 64; Beiblatt, Bd. I, S. 2, 5, 12, 46; 60; Bd. II, S. 3; Bd. IV, S. 72. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1860, S. 525, u. 3077. – National-Zeitung (Berliner polit. Blatt) 1858, Nr. 491, im Feuilleton: „Die allgemeine deutsche Kunstausstellung in München“. Von Ernst Förster. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1868, Nr. 1433, im Feuilleton: „Die Oesterreicher in München“. – Süddeutsche Zeitung (Frankfurt a. M.) 1862, Nr. 61, im Feuilleton: „Die bildende Kunst in Weimar und die Kunstschulen“.