BLKÖ:Ramberg, Georg Heinrich Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ramberg, Arthur von
Band: 24 (1872), ab Seite: 307. (Quelle)
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Ramberg, Georg Heinrich Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Hannover 25. Februar 1786, gest. zu Teplitz in Böhmen 2. September 1855). Bei seiner Vorliebe zum Soldatenstande las er im Elternhause vorzugsweise militärische Schriften und trat im Jahre 1805, damals 19 Jahre alt, als Europa gegen den corsischen Helden in Waffen stand, in die preußische Armee. Er wurde in derselben bald Officier in einem reitenden Jägercorps, machte die Feldzüge 1805 und 1807 gegen die Franzosen mit, focht bei Friedland, Eylau, Königsberg u. a. O., und hatte unter einem tüchtigen Kriegsmeister, dem General Scharnhorst, dem er zugetheilt war, Gelegenheit sich militärisch auszubilden. Nach dem Frieden von Tilsit im Jahre 1808 verließ er aber die preußische Armee, brachte einige Zeit in seiner Heimat zu, trat jedoch noch im nämlichen Jahre als Cadet bei Schwarzenberg-Uhlanen in die Dienste des österreichischen Heeres. Im folgenden Jahre wurde er Unterlieutenant im Regimente und bald darauf dem General-Quartiermeisterstabe zugetheilt. Im Hauptquartier des Erzherzog Karl machte er den Feldzug in Bayern mit und wurde für seine ausgezeichneten Leistungen in der Schlacht bei Regensburg zum Oberlieutenant im Generalstabe ernannt. Dem 2. Armeecorps des Feldzeugmeisters Prinz Hohenzollern zugetheilt, focht er bei Aspern, Wagram und Znaim. In der Schlacht bei Aspern verlor er zwei Pferde unter dem Leibe und als ein Bataillon Fröhlich von französischer Cavallerie bereits geworfen wurde, holte R. aus eigenem Antriebe Cavallerie herbei, wodurch das Bataillon seiner Vernichtung entging. Sein Name wurde in der Relation über die Schlacht bei Aspern rühmlichst genannt. Bei Wagram, als er gewahrte, wie die feindlichen Sturmcolonnen die Höhen von Baumersdorf bereits erstiegen hatten, warf er sich denselben mit 4 Escadronen Hessen-Homburg-Huszaren, die er, ohne Befehl dazu erhalten zu haben, herbeigeholt, entgegen und sie über den Rußbach wieder zurück. Nach dem Waffenstillstande arbeitete er an den Verschanzungen der Position von Ács bei Komorn, kam dann [308] zum General-Commando nach Brünn und von 1810 bis 1812 war er bei der Landesbeschreibung von Ungarn thätig. In der russischen Campagne nahm er an den meisten Gefechten derselben Theil und zeichnete sich besonders in der Schlacht bei Podubnie aus, während welcher er dem französischen Divisions-General Reynier zugetheilt war. Beweise glänzender Tapferkeit gab er in den Kämpfen der Jahre 1813 und 1814. In der Schlacht bei Dresden befand er sich als Generalstabs-Chef bei der Division Civalart; im August 1813 wurde er Hauptmann im Corps. In der Schlacht bei Leipzig kam er als Generalstabschef zur Grenadier-Division des Feldmarschall-Lieutenant Grafen Weißenwolf. In dieser dreitägigen Völkerschlacht nahm er mit den Grenadier-Bataillons Fischer und Call das Dorf Dölitz, aus welchem unsere Division Bianchi von der feindlichen Uebermacht bereits herausgedrängt worden, mit, wie es in der Schlachtrelation wörtlich heißt, „unwiderstehlicher Tapferkeit mit dem Bajonett“. Sechsmal wurde der Ort genommen und eben so oft wieder verloren, bis die Unseren den Sieg behaupteten. Nun kam er in das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg, nahm an der Schlacht bei Brienne und an anderen Gefechten theil, wurde dann der Division des Fürsten Moriz Liechtenstein zugetheilt, mit welcher er die Kämpfe bei Troyes und Viray mitmachte. Während des Congresses arbeitete R. im Bureau der Generale Radetzky und Langenau, kam dann, als der Feldzug im Jahre 1815 ausbrach, als Generalstabs-Chef zur Division Stutterhein, wurde darauf als österreichischer Commissär dem englischen Feldmarschall Herzog von Wellington zugetheilt, in welcher Anstellung er bis zum Aachener Congresse im Jahre 1818 blieb. Er wurde englischer Seits mit dem Bath-Orden, von Frankreich mit der Ehrenlegion ausgezeichnet, nachdem er früher schon für seine Leistungen in den Feldzügen der Jahre 1813 und 1814 von Rußland den Wladimir-Orden erhalten hatte. In den darauffolgenden Friedensjahren arbeitete er 1819 im statistischen Bureau in Wien, 1820 bei der Landesbeschreibung in Ungarn und im Jahre 1821, zum Major im Corps befördert, erhielt er die Bestimmung nach Mailand. Als bald darauf die italienischen Unruhen ausbrachen, nahm er an den Gefechten bei Novara und Borgo Vercelli als Generalstabs-Officier der Avantgarde des Generals Brettschneider Theil. Nun erhielt er eine diplomatische Mission nach Piemont und versah einige Zeit hindurch die Geschäfte der kaiserlichen Gesandtschaft zu Turin. Im Jahre 1821 wurde R. österreichischer Seits ausgewählt, um mit den Astronomen Carlini und Plana die schon unter Napoleon begonnene Triangulirung in den Savoyer Alpen behufs der Beweisstellung der Abplattung der Pole wieder aufzunehmen, bei welcher ebenso mühe- als gefahrvollen Arbeit er zwei Sommer zubrachte. Im Jahre 1824 kehrte er nach Wien zurück, wo er bis 1826 bei dem Generalstabe arbeitete. Im Jahre 1827 kam er als Director der Landesbeschreibung nach Siebenbürgen, rückte dort 1831 zum Oberstlieutenant im Corps vor und kam 1833 in gleicher Eigenschaft nach Graz. Im November 1838 wurde er zweiter Oberst im Infanterie-Regimente Nr. 27 und 1837 übernahm er zu Prag als erster Oberst das Commando des Infanterie-Regiments Nr. 36, wurde 1843 General-Major und Brigadier zu Budweis und 1848 Feldmarschall-Lieutenant. In Folge der [309] October-Ereignisse in Wien erbat sich R. von dem Fürsten Feldmarschall Windischgrätz die Erlaubniß, seine ehemalige Brigade über Linz nach Wien führen zu dürfen und traf auch am 21. October am Kahlenberge ein, wo er sofort die vor Nußdorf liegende Gegend besetzte. Am 24.–26. nahm er an den Gefechten in der Brigittenau, im Augarten und am Nordbahnhofe Theil, unternahm am 28. mit fünf Brigaden den Sturm auf die Leopoldstadt, nahm dieselbe nach achtstündigem blutigem Straßenkampfe und entsendete noch in derselben Nacht zwei Brigaden nach Schwechat, welches von den vorrückenden Ungarn bedroht wurde. In dem darauf beginnenden Feldzuge gegen die Ungarn befehligte er eine Division des zweiten Armee-Corps und leitete am 26. December 1848 das Gefecht auf der kleinen Schütt. Bald darauf erhielt er das Commando über das Observations-Corps von Komorn und im Februar 1849 verfolgte er mit zwei Brigaden das Görgey’sche Corps in Oberungarn. Nachdem er demselben über Kaschau bis an die Theiß gefolgt war, erkrankte er im April g. J. so schwer, daß er die Armee verlassen mußte. Wiederhergestellt übernahm er am 8. Juli unter Feldzeugmeister Haynau das Commando des 3. Armeecorps, mit welchem er schon am folgenden Tage nach Ofen und Pesth aufbrach und es am 12. besetzte. Bei der allgemeinen Vorrückung der kaiserlichen Armee gegen die Theiß führte er sein Corps über Theresianopel nach Kis-Kanizsa, erzwang dort am 5. August den Uebergang über die Theiß, lieferte vom 6. bis 8. dem Feinde mehrere siegreiche Gefechte bei Besenyö, Albrechtsflur, Czatad und Jeczö, eröffnete die Schlacht bei Temesvár und bildete während derselben mit der russischen Division Paniutin das Centrum der Schlachtlinie. Dann erhielt sein Corps mit dem 4. und der Cavallerie-Division Befehl zur Verfolgung des Feindes gegen Siebenbürgen, wo er bei Lugos mit seiner Avantgarde dem Gegner ein Gefecht lieferte, der darauf, von den Verfolgenden eingeengt, bei Déva am 19. August die Waffen streckte. Nach beendigtem Feldzuge wurde R. Commandant des 12. Corps in Siebenbürgen und im Banat und dann zweiter Inhaber des 1. Infanterie-Regiments Kaiser Franz Joseph. Bei der im Jahre 1850 vorgenommenen Concentrirung der Armee in Böhmen und Ungarn erhielt R. das Commando der Festung Theresienstadt. Im nämlichen Jahre wurde ihm auch für seine in den Jahren 1848 und 1849 ausgeführten Waffenthaten in der 157. Promotion (vom 26. März) das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt, nachdem er schon früher mit Allerh. Handbillet ddo. 22. November 1848 mit dem Commandeurkreuze des kais. österreichischen Leopold-Ordens ausgezeichnet und den Statuten desselben gemäß im Jahre 1850 in den österreichischen Freiherrnstand war erhoben worden. In Theresienstadt blieb R. bis zum Jahre 1854, in welchem er in den Ruhestand übertrat. Aber schon sechs Wochen später, als die neuen Rüstungen begannen, bat er um seine Wiederanstellung, die ihm auch zugesagt wurde. Indessen ereilte ihn im Bade Teplitz, wo er seiner Eintheilung entgegensah, im Alter von 69 Jahren der Tod. Feldmarschall-Lieutenant R. war seit dem Jahre 1817 mit Rosalie Freiin von Seydewitz (geb. 3. October 1796), einer Tochter des kön. sächsischen General-Majors Hans August Freiherrn von Seydewitz (gest. 1840) vermält. Aus dieser Ehe stammt das [310] jetzige Haupt der Familie: Arthur Freiherr von R. (geb. 4. September 1819) und (seit 27. November 1849) vermält mit Luise von Fleischer (geb. 3. December 1830, gest. 4. März 1855), welche ihm nebst zwei Töchtern, Irene (geb. 1853) und Marie (geb. 1855), einen Sohn Günther (geb. 17. August 1870) gebar. Noch sind zwei Brüder und eine Schwester des Freiherrn Arthur vorhanden. Letztere, Selma (geb. 1. Juli 1822) ist (seit 29. April 1844) mit Robert Grafen Pachta, k. k. Oberst in der Armee, vermält, die Brüder sind Freiherr Hermann (geb. 24. November 1820), k. k. Oberst, und Victor (geb. 18. Jänner 1828), k. k. Major in Pension.

Freiherrnstands-Diplom ddo. Wien 22. Jänner 1850. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 160 u. 1754. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, kl. 8°.) VIII. Jahrg. (1857), S. 226. – Porträt. Lithographie von Kriehuber (Wien, bei Neumann, Halbfol., auch colorirte Exemplare). – Wappen. Im silbernen Felde eine blaue, aufrecht gestellte Ramme mit querdurchgesteckter Handhabe. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher drei gekrönte Turnierhelme sich erheben. Auf der Krone des mittleren, in’s Visir gestellten Helms steht die im Schilde beschriebene blaue Ramme. Aus der Krone des rechten, nach innen gekehrten Helms ragt ein natürlicher Pfauenwedel empor; auf jener des linken, nach innen gekehrten erscheinen fünf Turnierlanzen mit rothen Schäften und Spitzen, jede derselben mit einem zweizipfeligen Fähnchen, und zwar zwei silbernen zwischen drei blauen, versehen, von denen das mittlere und die beiden zur Rechten gegen die rechte Seite, die beiden zur Linken gegen die linke Seite flattern. Die Helmdecken sind bei allen drei Helmen blau, mit Silber unterlegt. Schildhalter. Auf einer goldenen, unter dem Schilde sich verbreitenden Arabeskenverzierung zwei aufrecht stehende, auswärts sehende goldene Löwen, welche mit den vorderen Pranken den Schild anfassen.