BLKÖ:Liechtenstein, Moriz Joseph Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 168. (Quelle)
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Liechtenstein, Moriz Joseph Fürst (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien 21. Juli 1775, gest. 24. März, nach Anderen 24. Mai 1819). Ein Sohn des Fürsten Karl Borromäus [S. 165] aus dessen Ehe mit Maria Eleonora Fürstin Oettingen-Spielberg[WS 1] und Bruder der Fürsten Karl [S. 130, Nr. 41], Wenzel [S. 170], Franz Alois Crispin [S. 123, Nr. 16] und Alois Gonzaga [S. 109]. Trat jung, 1792, in die kaiserliche Armee als Unterlieutenant im damaligen ersten Carabinier-Regimente ein und war bereits im Juli 1796 – damals 21 Jahre alt – Major und Flügeladjutant des Erzherzogs Karl. Den am 17. October 1797 geschlossenen Friedensvertrag brachte er aus Rastatt nach Wien und wurde im folgenden Jahre Oberstlieutenant in dem aus einem Freicorps neu formirten Uhlanen-Regimente Fürst Schwarzenberg. Der Feldzug des Jahres 1799 gab dem Fürsten Gelegenheit, seine schon früher bewährte Tapferkeit auf das Glänzendste zu erproben. In der Schlacht bei Stockach (25. März) war der Feind bereits zwischen dem linken Flügel und der Mitte der vom Feldmarschall-Lieutenant Fürsten Schwarzenberg befehligten Avantgarde eingedrungen, machte alle Anstrengungen, den im Rücken derselben gelegenen Wald gegen Orsingen zu besetzen, von dort unaufgehalten die Straße zu gewinnen und unserer Infanterie den Rückzug abzuschneiden. Fürst Moriz, die Absicht des Feindes und die Gefahr der Unseren durchblickend, sammelte rasch einige Abtheilungen unserer fast gänzlich aufgeriebenen Cavallerie, und ohne Rücksicht auf das für die Reiterei höchst ungünstige Terrain, warf er sich im heftigsten Kartätschenfeuer[WS 2] zweier Batterien auf den Feind, trieb ihn zurück und verschaffte [169] nun unserer Infanterie Zeit, sich in die ihr angewiesene Stellung, wo ihre Ankunft schon dringend erwartet wurde, zurückzustellen. Noch tapferer hielt sich der Fürst bei der Brücke von Weinheim, als am 16. October 1799 der französische General Ney bei derselben den Uebergang über den Neckar erzwingen wollte. Der Fürst, damals Oberst, befehligte den rechten Flügel unserer zwischen Heidelberg und Mannheim aufgestellten Truppen. Rasch die Vorposten zur Haupttruppe zurückziehend, nahm der Fürst bei der Brücke feste Stellung. Neunmal wiederholte der General Ney mit immer frischen Colonnen den Angriff, neunmal schlug ihn der Fürst auf das Entschiedendste ab und erst die hereinbrechende Nacht machte dem Gemetzel ein Ende. Des Feindes Absicht aber, sich unserer Magazine und der bei Sitzendorf zurückgelassenen Artillerie-Reserve zu bemächtigen, ward vereitelt. In diesem hartnäckigen Kampfe wurde der Fürst verwundet. Bei Möskirch, am 5. Mai 1800, führte der Fürst die Vorhut, bestehend aus einem Bataillon Infanterie, 1 Bataillon Jäger, 2 Schwadronen Meszaros-Huszaren und 4 Schwadronen Uhlanen. Bei Lohdorf stieß man auf den weit überlegenen Gegner. Die Infanterie stürmte sofort Lohdorf, der Fürst aber hieb an der Spitze seiner sechs Schwadronen auf ein feindliches Chasseur- und Kürassier-Regiment mit so gutem Erfolge ein, daß viele auf dem Platze blieben, der Rest aber in ordnungsloser Flucht die Rettung suchte. Bald darauf wurde die Hauptarmee vor Möskirch in einen blutigen Kampf verwickelt und die Brigaden Rosenberg und Gyulay nach Wendorf detachirt. Der Fürst befehligte wieder die Avantgarde und hieb mit derselben auf den Gegner mit gewohnter Bravour ein, brachte ihm einen namhaften Verlust an Todten bei und machte mehrere hundert Gefangene. Im weiteren Verlauf des Feldzuges zeichnete sich der Fürst als Führer, bald der Avant-, bald der Arrieregarde, noch bei mehreren Gelegenheiten, und zwar bei Vilsbiburg, Landshut, Möskirch, Freisingen aus und machte 24 Officiere, 3 Grenadier-Compagnien und außerdem 347 Mann Gefangene. Bei Lambach, am 19. December 1800, hinderte er durch mehrere entschlossene Angriffe das Vordringen des Feindes, wodurch die Haupttruppe der Unseren mit der Artillerie über die Traun setzen und mit dem Gros des Heeres sich vereinigen konnte. In der 66. Promotion (vom 18. August 1801), in welcher sein Vetter Johann Joseph das Großkreuz des Maria Theresien-Ordens erhielt, wurde er und noch sein Bruder Alois mit dem Ritterkreuze, also drei Liechtensteine an einem Tage, mit dem höchsten Preise der Tapferkeit ausgezeichnet. Vor Beginn des Feldzuges vom Jahre 1805 wurde Fürst Moriz zum General-Major befördert und erhielt eine Brigade im Armeecorps, welches Fürst Schwarzenberg in Deutschland befehligte. Bei Ulm verhandelte der Fürst als Mack’s Abgesandter mit dem Kaiser Napoleon. Bei Austerlitz commandirte der 'Fürst unter Kienmayer die Szekler-Huszaren. Im Feldzuge des Jahres 1808 vollbrachte der Fürst eine schöne Waffenthat nach der andern und wurde in Anerkennung seiner Verdienste Inhaber des 6. Kürassier-Regiments und auf dem Schlachtfelde Feldmarschall-Lieutenant. Im Treffen bei Hausen, am 19. April 1809, zeichnete er sich zugleich mit seinem Bruder, dem Fürsten Alois [S. 110], aus. Als er sah, wie die Franzosen unseren linken Flügel angriffen und die [170] gegen den Feldmarschall-Lieutenant Vukassovich errungenen Vortheile zu benützen suchten, stürzte er sich an der Spitze des Regiments Kaunitz dem Feinde entgegen und jagte ihn in die Waldungen zurück. Gleich seinem Bruder wurde er an diesem Tage, nur minder schwer, verwundet, und mußte sich zur Heilung nach Wien begeben. In den Befreiungskriegen der Jahre 1813 und 1814 war der Fürst Commandant der ersten leichten Division. Mit dieser bestand er nach der Schlacht bei Dresden auf dem Rückzuge nach Böhmen, bei Pretschendorf (28. August), dann bei der Vorrückung auf Leipzig bei Pretsch (10. October) blutige, aber siegreiche Gefechte; im letzteren vereitelte er des Generals Augereau ungestümes Vordringen und brachte dem Feinde einen Verlust von 1500 Todten und Verwundeten bei, der Verlust der Division des Fürsten war nur halb so groß. Noch focht der Fürst bei Kösen (21. October), bei Hochheim (9. November), nahm Auxerre am 14. Februar 1814 ein und setzte dann seinen Marsch längs den Ufern der Rhone an die Seine fort und machte zuletzt die Einnahme von Paris mit. Nur wenige Jahre genoß der Fürst die Folgen des nach Bezwingung Napoleon’s beginnenden dauernden Friedens. Schon im Jahre 1819, erst 45 Jahre alt, starb er. Er war (seit 13. April 1806) mit Leopoldine Fürstin Eßterházy (geb. 31. Jänner 1788, †) vermält und stammen aus dieser Ehe vier Kinder, ein Sohn Nikolaus, der im Alter von einem Jahre (1808) starb, und drei Töchter, Fürstin Marie (geb. 31. December 1808), vermält (seit 9. September 1826) mit Ferdinand Fürsten von Lobkowitz, Fürstin Eleonora (geb. 25. December 1812), vermält (seit 23. Mai 1830) mit Johann Fürsten Schwarzenberg, und Fürstin Leopoldine (geb. 4. November 1815), vermält (seit 6. Mai 1837) mit Ludwig Prinzen Lobkowitz.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 686 u. 1744. – Porträt. Unterschrift: Moriz Fürst zu Liechtenstein, Kaiserl. königl. Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des milit. Maria-Theresien-, Grosskreuz des königl. preussischen rothen Adler-Ordens, Inhaber des Cürrassier-Regiments Nr. 6. Geb. 21. Juli 1775, gest. den 24. März 1819. J. Isabey pinx., Dav. Weiss sculp. (4°., Medaillonformat).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Oettingen-Wallerstein.
  2. Vorlage: Kärtätschenfeuer.