BLKÖ:Langenau, Friedrich Karl Gustav Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Langenau, Alois
Band: 14 (1865), ab Seite: 101. (Quelle)
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Langenau, Friedrich Karl Gustav Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Dresden 7. November 1782, gest. zu Gratz 4. Juli 1840). Entstammt einer adeligen Familie der Rheinlande, sein Vater Gottlob Bernhard war königl. sächsischer General-Lieutenant und Inspector der Infanterie, die Mutter Alexandrine eine geborne von Pannewitz. Gleich seinem Bruder Wilhelm Eduard [102] Georg [s. d. Folgenden] erhielt er eine militärische Erziehung, und trat bereits im Alter von 13 Jahren in ein sächsisches Infanterie-Regiment, in welchem er im Jahre 1796 den Feldzug gegen Frankreich mitmachte und in der Schlacht bei Wetzlar mitfocht. Nun kämpfte er in den Reihen der sächsischen Armee in den Rheinfeldzügen, in der preußisch-französischen Campagne der Jahre 1807 und 1808, in jener des Jahres 1809 in Oesterreich, und in der Eigenschaft eines Chefs des Generalstabes der sächsischen Armee im Feldzuge des Jahres 1812 gegen Rußland im 7. Corps der französischen Armee unter Reynier. Erst 31 Jahre alt, bekleidete L. schon den hohen Posten eines General-Majors und General-Adjutanten des Königs, war als solcher Letzterem nahe gestellt und wurde nach der Rückkehr des sächsischen Corps aus Rußland und Polen zu diplomatischen Sendungen verwendet. Um die Unterhandlungen zwischen Sachsen und Oesterreich zu führen, begab sich L. nach Wien, wo er bereits eine Uebereinkunft zwischen den genannten Staaten zu Stande gebracht, als eine Wendung in der sächsischen Politik alles wieder vernichtete und General Langenau aus diesem Anlasse um seine Entlassung bat, die ihm der König auch ertheilte. Die erst in neuerer Zeit (1858) erschienenen „Mittheilungen aus den Papieren eines sächsischen Staatsmannes“, nämlich des im Jahre 1817 verstorbenen Joseph Friedrich von Zezschwitz, bringen über diese Periode und über Langenau’s Verhandlungen, über dessen Stellung zu Deutschland interessante Aufschlüsse, wodurch die Verdächtigungen Langenau’s durch Arndt, Aster, Stein und Andere sich als grundlos erweisen und derselbe nicht gerechtfertigt – denn seine Handlungen bedurften keiner Rechtfertigung – sondern in seiner vollen Ehrenhaftigkeit dasteht. Nach seinem Austritt aus den sächsischen Diensten ging Langenau in österreichische über und wurde mit Patent vom 27. Juli 1813 als General-Major in der österreichischen Armee angestellt. Schon während des Feldzuges vom Jahre 1812 war der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg auf den jungen sächsischen General aufmerksam geworden, er wendete ihm nun das volle Vertrauen zu und Graf Radetzky, damals Chef des General-Quartiermeisterstabes, theilte ihn sofort dem Generalstabe zu. Bald fand L. Gelegenheit[WS 1] sich auszuzeichnen. In der Schlacht von Dresden, 26. August 1813, war der Feldartillerie-Director General-Major Johann Wenzel von Frierenberger [Bd. IV, S. 360] schon im Anbeginn des Kampfes schwer verwundet worden. Indessen hatte das Feuer, welches der Feind aus den vor Dresden aufgerichteten Verschanzungen auf die österreichischen Truppen richtete, ebenso wohl unseren zum Angriff bestimmten Colonnen das Vordringen erschwert, als auch die ihres Chefs beraubten Batterien an ihrer zweckmäßigen Aufstellung verhindert. General Langenau bot sich nun freiwillig an, die Leitung des Geschützes für die Dauer des ganzen Kampfes zu übernehmen. Nachdem sein Antrag angenommen worden, ging er an dessen Ausführung, und nicht etwa bloß die Puncte der Aufstellung bezeichnend, sondern selbst an die Spitze der Batterien sich stellend, führte er sie unter dem mörderischen Feuer des Feindes selbst in ihre Aufstellung, die eine so vortreffliche war, daß das feindliche Geschütz in zwei Redouten durch unsere Artillerie vollkommen demontirt und der Angriff der feindlichen [103] Schanzen durch unsere Sturmcolonnen sofort ermöglicht wurde. In der That eroberte auch unsere Infanterie dieselben in kurzer Zeit. In gleicher Weise that er sich bei Leipzig hervor, wo der Feldartillerie-Director Feldmarschall-Lieutenant Reisner allein nicht im Stande war, die Aufstellung des Geschützes auf einem so ausgedehnten Schlachtfelde zu überwachen und zu leiten. Langenau übernahm die Aufstellung für die Colonne des Centrums und des linken Flügels, und als er sah, daß die einzeln stehenden Batterien durch das feindliche Feuer zu sehr litten, verband er aus eigenem Ermessen deren drei und vier und erzielte mit denselben eine so große Wirkung, daß die feindlichen Geschütze alsbald zum Schweigen gebracht wurden. Am letzten Schlachttage (18. October) war es er, der bei einer aus eigenem Antriebe vor Tagesanbruch vorgenommenen Recognoscirung der feindlichen Stellung die Entdeckung machte, daß die französische Armee sich aus der Position vor Wachau vollkommen zurückgezogen habe, was von unseren Vorposten gar nicht bemerkt worden war. Indem er davon dem Feldzeugmeister Grafen Colloredo und dem Feldmarschall-Lieutenant Grafen Hardegg, welcher die Avantgarde befehligte, ungesäumt Meldung machte, wurde von Letzterem sofort die Verfolgung des Feindes veranlaßt und durch diese frühzeitige Anordnung einer wichtigen Ausführung ein entscheidender Vortheil für unsere Armee gewonnen. Im Gefechte von Hochheim, 9. November, übernahm L., nachdem der Commandirende die Verwendung von 13 Batterien gegen eine verschanzte Position des Feindes angeordnet, abermals freiwillig ihre Leitung und bewirkte eine so glückliche Aufstellung derselben, daß das feindliche Feuer in kurzer Zeit zum Schweigen gebracht war und unsere Infanterie, als sie den Sturm begann, nur mehr wenige Schüsse auszuhalten hatte. Auch verhinderte seine Geistesgegenwart einen Zusammenstoß des von zwei verschiedenen Puncten in die Stadt eindringenden dritten und vierten Armeecorps, der ohne richtige Führung im Gewühle des Kampfes fast unvermeidlich war, indem er vom Pferde stieg und zu Fuß mit den vordersten Plänklern des dritten Armeecorps durch die Pallisaden von Hochheim drängte und jede mögliche Unordnung durch seine Dazwischenkunft vereitelte. Wie er auf dem Schlachtfelde tapfer, aufopfernd, ja waghalsig war, ebenso tüchtig erwies er sich auf dem Gebiete geistiger Thätigkeit. Einen Theil der Entwürfe für die Feldzüge der Jahre 1814 und 1815, der Plan der Schlacht bei Leipzig, bezüglich dessen die Wolzogen’sche Kritik nur mit Mißtrauen und Vorsicht berücksichtigt werden darf, hatte L. ausgearbeitet; war im letzteren Jahre als General-Quartiermeister bei der Armee am Oberrhein mit vorzüglichem Erfolge thätig und wurde auch, nachdem Metternich und Genz seine Tüchtigkeit erprobt, wiederholt mit diplomatischen Sendungen betraut, welche er stets glücklich ausführte. Auf dem Schlachtfelde von Leipzig wurde er mit dem Commandeurkreuze des Leopold-Ordens geschmückt, und nachdem ihm Feldherren wie Radetzky, Bianchi , Schwarzenberg, Hardegg und Gyulay schriftliche Anerkennungen seiner heldenmüthigen Aufopferung gegeben, wurde er im Jahre 1815 nach einstimmigem Ausspruche des Ordens-Capitels mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Bald nach Abschluß des Friedens ging L. an die Bearbeitung einer Geschichte jener [104] Feldzüge, an denen er sich so ruhmvoller Weise betheiligt hatte. Es wird das Werk: „Der deutsche Krieg im Jahre 1813 nach Oesterreichs Beitritte“, 2 Bde. (Pesth 1814, Hartleben, gr. 8°.), ihm zugeschrieben. Im Jahre 1817 wurde L. als Brigadier nach Linz gesendet, kam aber schon im Jahre 1819 nach Frankfurt a. M. als österreichischer Bevollmächtigter und Vorsitzender bei der Militär-Commission der deutschen Bundesversammlung. Dort entwarf er die Grundzüge zur Feststellung der Bundes-Kriegsverfassung und zum Baue der Bundesfestungen. Im Jahre 1827 rückte er zum Feldmarschall-Lieutenant vor und erhielt noch im nämlichen Jahre als Maria Theresien-Ordensritter die freiherrliche Würde, nach seiner Rückkehr von Frankfurt a. M. kam er als Divisionär nach Ofen, wo ihn Erzherzog Ferdinand d’Este kennen lernte, dem er nun, als er im Jahre 1832 als General-Gouverneur nach Galizien ging, in der Eigenschaft eines ad latus beigegeben wurde. Im Jahre 1833 erfolgte L.’s Ernennung zum geheimen Rathe. Im Juni 1835 zum commandirenden General in Innerösterreich ernannt, bekleidete er diesen Posten zu Gratz bis zu seinem Tode, der ihn im Alter von 58 Jahren der Armee, zu deren Zierden er zählte, entriß. Auf dem Gratzer Friedhofe prangt das Grabesdenkmal, welches ihm die dortige Garnison hatte setzen lassen. Freiherr L. war mit Sarah von Sturtz (gest. zu Wien 1851) vermält. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder und zwar ein Sohn und zwei Töchter [vergleiche unten den heutigen Stand der Familie].

Militär-Zeitung. Herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) XI. Jahrg. (1858), Nr. 112 u. 113: „Aus dem Leben des FML. Freiherrn von Langenau“. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1851, Nr. 126: „Langenau, Wolzogen und die Schlacht bei Leipzig“. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg 1853, Hoffmann u. Campe, kl. 8°.) Bd. IX, S. 264; Bd. X, S. 79. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1180 und 1748. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bischöfl. Lyceal-Buchdruckerei, gr. 8°.) S. 399 [nach diesem geb. 7. October[WS 2] 1782]. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. VII, S. 903 [nach diesem gest. 4. Juni 1840]. – Springer (Anton), Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1863, S. Hirzel, gr. 8°.) Theil I, S. 226 u. 227. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, 1. Abthlg, S. 991 [nach diesem gest. 4. Juni 1840]. – Freiherrnstands-Diplom vom 6. December 1827. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Justus Perthes, 32°.) V. Jahrgang (1855), S. 317 [daselbst heißt es, daß Karl Ferdinand (gest. 6. Juli 1840) den erbländischen österreichischen Freiherrnstand erlangte. Das ist falsch. Erstens heißt der Erwerber des österreichischen Freiherrnstandes nicht Karl Ferdinand, sondern Friedrich Karl Gustav, und dann ist dieser nicht am 6. Juli, sondern am 4. Juli 1840 gestorben]; – dasselbe. XIII. Jahrgang (1863), S. 509. – Wappen. In Blau ein silberner, schrägrechts gestellter Querbalken, der mit drei blauen goldbesaamten, in eine Reihe gestellten Rosen belegt ist. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm erhebt. Aus der Krone des Helms wächst ein geschlossener rechtsgekehrter blauer Adlerflug, der mit dem silbernen Querbalken mit den drei blauen Rosen schrägrechts belegt ist. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau mit Silber belegt. Schildhalter sind zwei geharnischte Männer mit roth geblümten Pickelhauben, und mit einem Schwerte mit goldenem Griffe umgürtet, welche mit der dem Schilde zugekehrten Hand denselben anfassen, die andere aber in die Seiten stemmen. – Heutiger Stand der Freiherrnfamilie von Langenau. Chef des Hauses [105] ist Ferdinand Freiherr von L.[WS 3] (geb. zu Linz 8. Februar 1818), Sohn des Friedrich Karl Gustav Freiherrn von L. [s. d. Obigen] aus dessen Ehe mit Sarah von Sturtz. Freiherr Ferdinand ist zur Zeit k. k. Kämmerer, geheimer Rath, Feldmarschall-Lieutenant, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am kön. niederländischen Hofe. Er ist (seit 27. April 1856) mit Amalia von Haffner auf Egholm (geb. 28. December 1833) vermält und stammt aus dieser Ehe ein Sohn Ferdinand Karl (geb. 25. October 1857). Noch leben die zwei Schwestern des Freiherrn Ferdinand, nämlich Maria Alexandrine (geb. 30. October 1811), vermält (seit 1840) mit Karl Freiherrn von Mertens, k. k. Feldmarschall-Lieutenant und wirkl. geh. Rath, und Karolina (geb. 23. October 1813).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Gegenheit.
  2. Vorlage: Obtober.
  3. Ferdinand von Langenau (Wikipedia).