BLKÖ:Matejko, Johann B. Alois

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 99. (Quelle)
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Matejko, Johann B. Alois (Historienmaler, geb. zu Krakau 30. Juli 1838). Seine Eltern gehören einem alten, in Krakau seßhaften Bürgergeschlechte an. Der Vater war seinem Berufe nach Musiker. Johann erhielt den ersten Unterricht im Elternhause, dann besuchte er bis zum Jahre 1851 die öffentlichen Schulen. Vom letztgenannten Jahre an, trat er als Zögling in die Malerschule seiner Vaterstadt, welche damals unter der Leitung des Malers Adalbert Sztattler stand, bis dieselbe der Maler Wladislaw Łuszczkiewicz [Bd. XVI, S. 170] übernahm. Im Jahre 18358 erhielt M. auf zwei Jahre das Skotnicki’sche Malerstipendium mit einem Jahresbetrage von 200 fl. und begab sich zu Ende genannten Jahres nach München, wo er an der dortigen Akademie etwa durch zehn Monate, wie es heißt unter Piloty, seine Malerstudien fortsetzte, aber auch durch eine schwere Krankheit für längere Zeit seiner Kunst entzogen wurde. Mitte Mai 1860 kam M. nach Wien und besuchte daselbst die Akademie der bildenden Künste, aber nicht länger denn zwei Monate, da er, als er eben das Bild „König Johann Kasimir in Bielany“ malte, in Hinsicht der Composition desselben mit dem damaligen Director der Akademie sich nicht verständigen konnte. Er kehrte nun nach Krakau zurück, wo er nunmehr seinen bleibenden Aufenthalt nahm, womit alle Nachrichten, daß er in Paris lebe und dort sich gebildet habe, durch diese Thatsache sich von selbst widerlegen. In der Zwischenzeit, nämlich nach seiner Rückkehr aus München nach Krakau und dann später, als er in Krakau sein Künstler-Atelier aufschlug, beschäftigte sich M. mit der Ausarbeitung eines Trachtenwerkes, welches die Trachten des polnischen Volkes von den Jahren 1222 bis 1795 darstellt und ganz von ihm nach Quellenstudien ausgeführt, in eilf Tafeln unter dem Titel: „Ubiory w Polsce“ in der lithographischen Anstalt der Zeitung Czas in Krakau erschienen ist. Es war dieß eine ganz vortreffliche Schule und Studie für den heute und ungeachtet seiner Jugend schon so berühmten Geschichtsmaler. Nachdem er sich im Jahre 1864 mit Theodore Giebułtowska, der Tochter eines Beamten des früheren [100] Freistaates Krakau, verheirathet, begab er sich mit seiner Gemalin und dem eben fertig gewordenen Bilde „Skarga“ nach Paris, wo er das genannte Bild in die Ausstellung brachte. Die von M. bisher vollendeten bedeutenderen Bilder sind: „Simon Starowolski mit dem Schwedenkönige Karl Gustav bei dem Grabdenkmale des Königs Lokietek in der Krakauer Kathedrale“, das im Jahre 1857 gemalte Bild wurde von der Direction des Vereins der schönen Künste in Krakau um 200 fl. angekauft; – „König Sigmund I. ertheilt den Professoren der Krakauer Hochschule das Privilegium des Adels“, gemalt im Jahre 1858 und von dem Künstler der Jagiellonischen Bibliothek geschenkt, wo es den Lesesaal schmückt; – „Die Vergiftung der Königin Bona“, in München gemalt, in Krakau im Jahre 1860, in Warschau im Jahre 1861 ausgestellt und daselbst um 250 Rubel von dem Bankier Laski angekauft; – „Die Ermordung Wapowski’s“, in Krakau im Jahre 1861 gemalt, daselbst und in Warschau ausgestellt und in letzterer Stadt angekauft; später auf den Wunsch des Fürsten Sanguszko und auf dessen Kosten wieder nach Krakau gebracht und von ihm um 800 fl. zurückgekauft; – „Johann Kasimir in Bielany“, in Wien im Jahre 1860 begonnen und in Krakau 1861 beendet, in Krakau und Warschau im Jahre 1862 ausgestellt und in letzterer Stadt von der Gesellschaft der bildenden Künste um 1250 fl. für die Verlosung angekauft. Später gelangte dieses Gemälde in den Besitz des Baron Eduard Rastawiecki; – „Johann Kochanowski an der Leiche seiner Tochter Ursula“, gemalt im Jahre 1862, ausgestellt in Krakau und Warschau im J. 1863, und daselbst von dem kais. franz. Gesandten Grafen Fleury um 1500 fl. angekauft; – „Der Hofnarr Stanczyk“, gemalt im Jahre 1863, ausgestellt in Krakau im Jahre 1864, und von dem dortigen Vereine der bildenden Künste um 1000 fl. angekauft, nach der Verlosung kam es in den Besitz des Edelmannes Eugen Korytko auf Pradyk im Kolomaer Kreise; – „Skarga, in der Schlosskirche vor dem versammelten königl. Hofstaate predigend“, im Jahre 1862 begonnen, im Jahre 1864 in Krakau ausgestellt, von Moriz Grafen Potocki um 10.000 fl. angekauft; auf Kosten des Grafen kam das Bild mit dem Künstler zugleich – wie oben bereits bemerkt worden – zur Pariser Kunstausstellung des Jahres 1865, wo es mit der großen goldenen Preismedaille ausgezeichnet wurde; – „Veit Stoss, der Künstler aus Nürnberg“, begonnen im Jahre 1863, ausgestellt in Krakau und Warschau in den Jahren 1865 und 1866, und von Stanislaus Grafen Potocki um 3000 fl. angekauft; – „Reytan“, großes historisches Gemälde, an 14 Ellen lang und über 4 Ellen hoch, es stellt eine Scene des Warschauer Reichstages vom Jahre 1773, und zwar den Augenblick dar, in welchem die Mehrzahl der vom russischen Golde bestochenen Adeligen bereit ist, die Auflösung des Reichstages zu votiren, welchen Beschluß der Abgeordnete Reytan durch sein Veto verhindert. Das Bild ist im Jahre 1864 von dem Künstler beendet und im Jahre 1866 in Krakau ausgestellt worden. Es wird auch in der allgemeinen Weltausstellung dieses Jahres in Paris zu sehen sein. „Das Bild“, so berichtet die Wiener „Neue freie Presse“, „zeichnet sich derart durch geistvolle Composition und brillante Technik aus, daß das gesammte Kunstcomité von Wien, dem die Leistungen dieses Künstlers (ungeachtet derselbe im Jahre 1865 in Paris einen großen [101] Preis erhalten) vollständig unbekannt waren (!), von seinem freudigen Erstaunen beim Anblicke dieses Bildes sich kaum erholen konnte.“ Auch weist das oben genannte Blatt ganz ausdrücklich auf die „gewiß eigenthümliche Erscheinung“ hin, daß die Ausstellung eines der dem künstlerischen Werthe nach, so wie räumlich bedeutendsten Kunstwerke von einem Künstler übersendet worden, den selbst die aus Professoren der Akademie und den Spitzen der Kunstgenossenschaft gewählte Jury bisher kaum dem Namen nach kannte[1]. Außer den bisher angeführten meist großen historischen Oelgemälden führte M. auch etliche Bildnisse in Oel aus, darunter jenes des Doctor Dietl, gemalt im Jahre 1864 und von den Schülern und Verehrern des Rector magnificus im Saale der klinischen Vorträge in Krakau aufgestellt. Eine Sammlung alter Bildnisse nach authentischen Quellen, eine zweite berühmter architektonischer Ansichten, hat M. in Zeichnungen ausgeführt und im Warschauer illustrirten Wochenblatte „Tygodnik ilustrowany“ und in einer illustrirten, gleichfalls in Warschau erscheinenden Zeitschrift „Klosy“, d. i. Aehren, erscheinen lassen.

Czas, d. i. die Zeit (Krakauer polit. Zeitung) 1860, Nr. 98, im Feuilleton-Artikel über die Krakauer Kunstausstellung. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt, kl. Fol.) 1867, Nr. 844. – Fremden-Blatt von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 159, und 1865, Nr. 126, unter den „Kunst- und Theater-Nachrichten“ [daselbst wird das Bild Matejko’s: „Skarga“, irrig als Skoga aufgeführt].

  1. Ohne unbescheiden sein zu wollen, empfiehlt der Herausgeber dieses Lexikons den Herren Professoren und der Jury einen Einblick in sein Werk, in welchem kein österreichischer Künstler von nur einiger Bedeutung fehlen dürfte und viele, ja ganz vorzügliche Künstler vorkommen, über welche uns selbst die neuesten und sehr kostspieligen Künstlerlexika keine Auskunft geben.