BLKÖ:Rittinger, Peter Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rittinger, Max von
Band: 26 (1874), ab Seite: 196. (Quelle)
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Rittinger, Peter Ritter von (Bergmann und Fachschriftsteller, geb. zu Neutitschein in Mähren 23. Jänner 1811, gest. zu Wien 7. December 1872). Der Sohn armer Eltern, die er überdieß früh verlor. Fremde Wohlthäter nahmen sich des verwaisten mittellosen Knaben an und sorgten für seine Erziehung. Nach beendeter Volksschule besuchte R. das Gymnasium in Leipnik, hörte die philosophischen und juridischen Studien an der damaligen Hochschule zu Olmütz und betrieb mit besonderer Vorliebe das Studium der Mathematik und Physik, ferner der Landwirthschaft, aus welch letzterer er auch den praktischen Wirthschaftsbeamten Unterricht ertheilte. Nach beendeten juridischen Studien wählte er, seiner Neigung folgend, die montanistische Laufbahn, bezog die Berg- und Forstakademie zu Schemnitz und beendete die Studien daselbst im Jahre 1839. Noch als Zögling der Akademie hielt er Vorträge über höhere Mathematik und Perspectivzeichnung, über welch letztere er auch damals schon sein erstes [197] literarisches Werk [die Titel seiner Schriften folgen auf nächster Spalte], das er dem damaligen Präsidenten der Hofkammer in Münz- und Bergsachen, August Fürsten Lobkowitz, zueignete, herausgab. Nach beendeten berg- und forstakademischen Studien trat er zu Anfang 1840 als Pochwerks-Inspector zu Schemnitz in den Staatsdienst und wirkte auf diesem Posten durch Einführung vieler Verbesserungen bei den Erzaufbereitungs-Werkstätten in sehr verdienstlicher Weise. In den Jahren 1843 und 1844 versah er die Ober-Bergverwalterstelle in Windschacht bei Schemnitz; im Jahre 1848 kam er nach Brandeisel in Böhmen als Leiter der Baulichkeiten bei den ärarischen Steinkohlen-Schürfungen in Böhmen und Mähren und wurde noch im nämlichen Jahre Kunstmeister bei diesen ärarischen Bergbau-Unternehmungen. Im Jahre 1849 versah er die Vorstandstelle bei dem Bergoberamte in Joachimsthal und wurde schon im folgenden Jahre zum Sectionsrathe für das Kunst-, Bau- und Aufbereitungsfach in dem damaligen Ministerium für Landescultur und Bergwesen ernannt. Im Jahre 1868 erfolgte seine Ernennung zum wirklichen Ministerialrathe im Finanzministerium, nachdem er bereits im Jahre 1864 Titel und Charakter eines solchen erhalten hatte. Als die Administration der Staatsbergwerke – mit Ausnahme der Salinen – an das Ackerbau-Ministerium übergeben wurde, trat auch R. in den Dienstverband desselben über, hatte aber als Fachmann im Kunst- und Bauwesen zugleich dem Finanzministerium bezüglich der Salinen zu dienen. Als Fachmann ersten Ranges war R. bemüht, sein reiches theoretisches und praktisches Wissen durch Fachschriften in den Kreisen seiner Fachgenossen möglichst nutzbar zu machen und er veröffentlichte: „Theoretisch-praktische Darstellung der Anfangsgründe der freien Perspectivzeichnung zum Selbstunterrichte u. s. w.“ (Wien 1839, mit 7 gr. Kupf.-Taf., gr. 8°.); – „Der Spitzkasten-Apparat statt Mehlrinnen und Sümpfen, oder Einführung der Stetigkeit in die Reihe der aufeinander folgenden Arbeiten bei der nassen Aufbereitung fein eingesprengter Geschicke u. s. w.“ (Freiberg 1849, mit 12 Holzschn, u. 2 lith. Taf. Abbildgn. in Fol., gr. 8°.); – „Theoretisch-praktische Anleitung zur Räder-Verzahnung. Für die Anwendung beim Maschinenbau nach eigenen Erfahrungen leichtfasslich dargestellt“ (Wien 1854, Manz, gr. 8°., mit 2 Fig.-Taf. in Fol.); – „Theoretisch-praktische Abhandlung über ein für alle Gattungen von Flüssigkeiten anwendbares neues Abdampfverfahren mittelst einer und derselben Wärmemenge u. s. w. Mit specieller Rücksicht auf den Salzsiede-Process ...“ (Wien 1855, Manz, gr. 8°., mit 1 lith. Fig.-Taf. in Fol.); – „Kurze Mittheilungen über die berg- und hüttenmännisch wichtigeren Maschinen und Baugegenstände bei der allgemeinen Industrie-Ausstellung in Paris im Jahre 1855, in 168 selbstständigen Artikeln mit 188 in Holzschnitt ausgeführten Handzeichnungen“ (Wien 1855, gr. 8°.); – „Erfahrungen im berg- und hüttenmännischen Maschinenbau und Aufbereitungswesen. Zusammengestellt aus den amtlichen Berichten u. s. w. Jahrg. 1851–1871. 21 Jahrgänge. Mit vielen Tafeln und Tabellen“ (ebd. 1851 u. f., gr. 4 °.); – „Centrifugal-Ventilatoren und Centrifugal-Pumpen. Theorie und Bau allen Arten derselben u. s. w.“ (Wien 1858, Gerold, mit 5 Kupferstichtafeln in Fol.); – „Theorie und Bau der Rohrturbinen im Allgemeinen und der sogenannter, Jouval-Turbinen insbesondere ...“ (Prag 1861, Credner, gr. 8°., mit 6 Fig.-Taf.; 2. ganz umgearb. Aufl. 1865); – „Der zur Steuerbemessung in Oesterreich im Jahre 1860 eingeführte Spiritus-Messapparat, beschrieben [198] und wissenschaftlich dargestellt“ (Wien 1861, Gerold, 8°., mit 2 Fig.-Taf.); – „Die allgemeine Industrie-Ausstellung in London im Jahre 1862. Kurze Mittheilungen über die Berg- und Hüttenwesens-Maschinen und Baugegenstände. In 138 selbstständigen, durch Holzschnitte illustr. Artikeln“ (Wien 1862, Staatsdruckerei, gr. 8°.); – „Kurze Mittheilungen über Berg- und Hüttenwesens-Maschinen u. s. w. auf der allgemeinen Industrie-Ausstellung in Paris 1867. In 114 selbstständigen illustr. Artikeln“ (Wien 1867, Staatsdruckerei, gr. 8°.). Auch verfaßte R. ein „Lehrbuch der Aufbereitungskunde“ (1867), wozu im Jahre 1870 ein Nachtrag erschien, und veröffentlichte in verschiedenen Fachblättern, wie im „Bergwerksfreund“, in der „Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins“, in Hingenau’s „Zeitschrift für das Berg- und Hüttenwesen“ u. s. w. verschiedene, in sein Gebiet einschlägige Artikel, deren wichtigere Poggendorffs „Biogr. liter. Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften“ aufzählt. In Folge seiner Tüchtigkeit als Theoretiker und Praktiker wurde R. zu zahlreichen wichtigen Commissionen in Dienstangelegenheiten beigezogen, außerdem aber im Jahre 1850 auf eine Instructionsreise nach Deutschland, Belgien und Frankreich, im Jahre 1851 zur Industrie-Ausstellung nach London, im Jahre 1855 als Jury-Mitglied nach Paris und im Jahre 1862 wieder nach London entsendet. Auch wurden während seiner 33jährigen Dienstleistung nach verschiedenen Richtungen hin durch ihn wesentliche Verbesserungen und Erfindungen eingeführt, und zwar im Aufbereitungsfache: der Spitzkasten-Apparat, die Waschdromel, die Säulenquetsche, der continuirliche Setzherd, der continuirliche Stoßherd, der Drehherd; im Bergmaschinenfache: die einachsigen Pumpen, die directwirkende Wasserhaltungs-Dampfmaschine ohne Hebelsteuerung; im Markscheidefache: die Paralysirung des Einflusses des Eisens auf den Compaß bei Aufnahmen, das Visirinstrument; im montanistischen Lehrfache: der Entwurf des 1860 eingeführten neuen Lehrplanes für die Bergakademien und des praktischen Ausbildungsganges für Berg-Praktikanten, und im administrativen Baufache: der Entwurf der im Jahre 1857 eingeführten provisorischen Bau-Instruction für die k. k. Berg-, Hütten- und Salinenämter. R. galt in seinem Specialfache als eine Autorität ersten Ranges und sein Wirken wurde ah. und sonst noch in mehrfacher Weise gewürdigt. Im Jahre 1863 wurde ihm in Anerkennung seines Wirkens der Orden der eisernen Krone 3. Classe verliehen, welcher Verleihung statutengemäß die Erhebung in den österreichischen Ritterstand folgte. Im Jahre 1864 ehrte ihn die Stadt Joachimsthal in Anerkennung seiner Verdienste um den dortigen Bergbau durch das Ehrenbürgerrecht. Der österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein, dessen, wie auch anderer volkswirtschaftlicher wichtiger Vereine Mitglied R. war, wählte ihn in den Jahren 1860, 1861 und 1862 zu seinem Vice-, in den Jahren 1863, 1864 und 1865 zu seinem Präsidenten, und im Jahre 1868 wurde R. zum Prüfungscommissär für die Maschinenbauschule am Wiener polytechnischen Institute ernannt. R. starb im Alter von 61 Jahren und Staat und Wissenschaft verloren an ihm einen der tüchtigsten Männer, der überdieß durch seine Pflichttreue, wie durch seinen leidenschaftlosen, bescheidenen und biederen Charakter allseitiges Vertrauen und die allgemeine Hochachtung genoß. Ihn [199] überleben ein Sohn, der sich den staatswissenschaftlichen Studien widmet, und zwei erwachsene Töchter. Noch bei seinen Lebzeiten (1865) überreichte ihm ein Anzahl von Gewerken und Bergwerksbeamten seine eigene, in Erz gegossene Büste, und über Antrag des Sectionsrathes Friese wurde nach seinem Tode in die für Bergwerksachen bestimmte additionelle Ausstellung der Wiener Weltausstellung 1873 sein Porträt unter die Gallerie berühmter Oesterreicher aufgenommen.

Ritterstands-Diplom ddo. Wien 24. März 1863. – Wiener Zeitung 1872, Nr. 292, S. 2380: „Peter Ritter von Rittinger“, von W. H. [nach dieser geb. 23. Jänner 1811]. – Poggendorf (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1862, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 655 [nach diesem geb. 23. Februar 1811]. – Presse 1865, Nr. 249, Loc.-Anz.; 1872, Nr. 340, Loc.-Anz. – Neue freie Presse 1865, Nr. 370, in der „Kleinen Chronik“. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges. Kriehuber 1856, Druck von J. Haller (Halb-Fol.). – Wappen. Ein von Gold und Schwarz quergetheilter Schild. Im oberen goldenen Felde ein schwarzer Ring; im unteren schwarzen Felde drei (2 über 1) auffliegende goldene Bienen. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinander gekehrte goldgekrönte Turnierhelme. Auf der Krone des rechten Helms steht ein geschlossener, vorn goldener, mit einem schwarzen Ringe belegter, hinten schwarzer Adlerflug; auf der Krone des linken Helms erheben sich zwei mit den Mundlöchern von einander gekehrte, von Gold über Schwarz quergetheilte Büffelhörner, denen der bergmännische Schlegel und Eisen, beide schwarz und an goldenen verschränkten Stielen, eingestellt sind. Die Helmdecken beider Helme sind schwarz, mit Gold unterlegt.