BLKÖ:Rohan-Rochefort-Montauban, Camille Joseph Philipp Idesbald Fürst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Rogoziński, Martin
Band: 26 (1874), ab Seite: 275. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 130136018, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rohan-Rochefort-Montauban, Camille Joseph Philipp Idesbald Fürst|26|275|}}

Rohan-Rochefort-Montauban, Camille Joseph Philipp Idesbald Fürst (Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. 19. December 1800). Entstammt einer alten französischen Familie, von der noch heute zwei Hauptlinien, die Rohan-Guémenée und die Rohan-Chabot, bestehen. Die erstere, auch in Oesterreich ansässige und reich in Böhmen begüterte, theilte sich vor Kurzem noch in zwei jetzt mit einander verschmolzene Zweige, in den der Rohan-Guémenée und den der Rohan-Rochefort und Montauban. Nach Oesterreich kamen die Prinzen Rohan zur Zeit der ersten französischen Revolution, in welcher der Fürst Heinrich Ludwig Rohan mit seinem Söhnen Karl Alois, Victor und Louis nach Oesterreich auswanderte. Fürst Camille ist ein Sohn Karl Ludwig Gaspard’s Fürsten Rohan-Rochefort-Montauban aus dessen Ehe mit Prinzessin Marie Luise Josephine, Tochter Heinrich Ludwig’s Prinzen Rohan-Guémenée. Fürst Camille wurde zugleich mit seinem Bruder Benjamin am 15. Mai 1833 von seinem kinderlosen Oheim, dem k. k. österreichischen General Julius Armand Louis Prinzen Rohan, adoptirt, wodurch alle Rechte und Vorzüge nebst Namen und Wappen seines Wahlvaters auf ihn und seinen Bruder Benjamin übergingen. Nach dem Tode seines zweiten Oheims, des Prinzen Ludwig Victor Meriadec, gingen auch dessen Titel, Namen und Wappen auf Prinz Camille über und wurde dieser dadurch Chef des Hauses und Herzog von Montbazon und Bouillon. Der Fürst ist Besitzer mehrere Allodial-Herrschaften in Böhmen, unter diesen der an der Süd-Norddeutschen Verbindungsbahn [276] gelegenen großen Herrschaft Sichrow. Seit 13. März 1861 ist er Großkreuz des Leopold-Ordens, im Jahre 1865 wurde er unter die Ritter des goldenen Vließes aufgenommen. Am 18. April 1861 erhielt der Fürst die erbliche Reichsrathswürde. Lucian Herbert in dem in den Quellen angeführten Feuilleton entwirft ein lebensvolles Bild des Fürsten, der, „aus Frankreich stammend, wenn er einen deutschen Brief schreibt, plötzlich aus dem Deutschen in’s Französische überspringt, so daß zwischen zwei deutschen Sätzen regelmäßig drei französische folgen“, aber die großartigen Verschönerungen seines herrlichen Schlosses Sichrow nur durch einheimische Arbeitskräfte ausführen läßt. Ja nicht ein Schlüssel im ganzen Schlosse – und ein jeder mit seiner reichen Arabesken-Verzierung ist in seiner Art ein Kunstwerk – ist jenseits der schwarz-gelben Grenzschranken ausgeführt, sondern das große Nachahmungstalent des böhmischen Arbeiters ist auf allen Gebieten des so mannigfaltigen Kunsthandwerks benützt und dadurch demselben, da er nach den trefflichsten Vorbildern arbeitet, Gelegenheit zur Ausbildung gegeben. „Sparsam im seinem Haushalte“, schildert ihn der obenerwähnte, gegen im Leben Hochgestellte sonst nicht eben schonungsvolle Gewährsmann, „ist der Fürst ein Verschwender den Künstlern wie den Armen gegenüber. Die letzteren sucht er selbst unverdrossen in ihren dumpfen und düsteren Höhlen auf und so lange er als der erste und thätigste Armenvater Prags mit dem Sammelbogen von Haus zu Haus ging, hatten es die Armen in Prag gut.“ Schloß Sichrow, in welchem der Fürst mit so viel Umsicht und Wohlwollen die heimischen Arbeitskräfte beschäftigt, war im Jahre 1866 am 1. Juli das Nachtquartier des Königs – jetziges Kaisers – Wilhelm von Preußen, und das erwähnte Feuilleton gibt anziehende Einzelnheiten über diesen Besuch in denkwürdiger Zeit, welchem zunächst es zu danken, daß das Schloß später von den Uebergriffen der Sieger verschont geblieben. Wohl hatte 14 Tage später Herwarth von Bittenfeld mit noch zwei Generalen im Schlosse das Hauptquartier aufgeschlagen, was jedoch weiter keine Folgen hatte. Fürst Camille ist (seit 28. Mai 1826) mit Adelheid Prinzessin von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg vermält. Aus dieser Ehe stammen fünf Söhne: Arthur, Victor, Alain, Ludwig, Benjamin. – Von diesen ist Prinz Alain im Jahre 1848 in die kaiserliche Armee eingetreten, wurde in wenigen Wochen Officier und hatte sich im Gefechte bei Komorn so hervorgethan, daß er mit dem Militär-Verdienstkreuze ausgezeichnet wurde. Zehn Jahre später, wenige Wochen nach seiner Beförderung zum Escadrons-Commandanten im Huszaren-Regimente Fürst Liechtenstein, am 28. September 1857, im Alter von erst 27 Jahren, raffte der Tod den hoffnungsvollen Prinzen dahin. Ueber den heutigen Stand des in Oesterreich hausenden Zweiges der Fürsten Rohan gibt die Stammtafel Aufschluß.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 783, im Feuilleton: „Das Nachtlager in Sichrow“, von L. Herbert. – Militär-Zeitung (Wien, 4°.) 1857, Nr. 84: „Eine Blume der Erinnerung auf ein Grab“. – Hahn (Sigmund), Reichsraths-Almanach für die Session 1867 (Prag 1867, H. Karl J. Satow, 8°.) S. 70.