BLKÖ:Roth, Paul (Johann Paul)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 96. (Quelle)
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Roth, Paul, auch Johann Paul (evangelischer Schulmann, geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen 26. Jänner 1724, gest. ebenda 2. November 1793). Sohn armer Eltern; besuchte, 16 Jahre alt, seit 1740 das Kronstädter Gymnasium, an welchem er 12 Jahre den Studien oblag, worauf er durch ein Stipendium in die Lage gesetzt wurde, im J. 1751 die Jenenser Hochschule zu beziehen. An derselben brachte er drei Jahre zu, das Andenken des siebenbürgischen Peter Schlemihl, Mann ohne Schatten [vergleiche den Schluß dieser Skizze], hinterlassend. Nun kehrte er in sein Vaterland zurück, ertheilte in seiner Vaterstadt sechs Jahre lang Privatunterricht, worauf er öffentlicher Lehrer am dortigen Gymnasium wurde, zugleich aber, um sich eine bessere Subsistenz zu verschaffen, als Privatlehrer und Erzieher fort wirksam blieb. Im Jahre 1771 wurde er zum Rector des Kronstädter Gymnasiums ernannt und wirkte auf diesem Posten nahezu zwei Decennien, bis zum Jahre 1780, zum Segen der Schule, aus welcher während seines Rectorates tüchtige Männer, unter Anderen Roth’s Schüler J. C. Fabricius, der sich vornehmlich um das Kronstädter Schulwesen verdient gemacht, hervorgingen. Im letztgenannten Jahre erhielt R. die Pfarrerstelle zu Honigberg, auf welcher er durch 13 Jahre sowohl im Kirchendienste, wie für die Bildung der Dorfjugend in ersprießlichster Weise thätig war, bis er zu Kronstadt im Alter von 69 Jahren starb. R., ein tüchtiger Schulmann, war in dieser Richtung und auch sonst schriftstellerisch thätig und gab folgende Schriften heraus: „Kurze Nachricht [97] von dem a. h. Besuche womit Ihre kais. Majestät unser Gymnasium am 7. Juni d. J. 1773 begnadigte“; – „Zubereitung auf des röm. Kaisers Majestät Joseph’s II. Ankunft nach Siebenbürgen ...“; – „Kurzgefasste historische Anmerkungen von Kronstadt ...“; – „Ein Lied auf den höchstseligen Hintritt Maria Theresia’s, Grossfürstin und Königin u. s. w.“ (Kronstadt 1781, 8°.); – „124 Sittenregeln für die Schulkinder, wie sie sich wohlanständig verhalten sollen im Hause, in der Schule, in der Kirche u. s. w. Mit einem Anhang, welcher das goldene A B C und das Einmaleins vorstellt“ (Kronstadt 1774; 2. Aufl., ebenda 1791, 8°.). Ueberdieß gab R. noch „Michaelis A. Ajtai Grammatica latina“ (Coronae 1759, 8°.) zum Gebrauche der Schulen und von einer Vorrede begleitet, heraus; ferner führt der Catalogus Bibliothecae Sam. com. Teleki, III, 26, von Roth an: „Adnotationes lectionum variarum Chronicei Fuchsio-Lupino Oltardiani, Codicum Albrichii et Haueri, und der siebenbürgische Historiker Joseph v. Benkö [Bd. I, S. 277], welcher zu den zwei gedruckten Bänden seines Werkes „Transylvania“ noch drei in Handschrift hinterließ, führt im V. Bande, S. 210 bis 281, unter dem Titel: „Pauli Roth Responsiones“ ausdrücklich dessen Beitrage zu seinen historischen Arbeiten an. Noch sei hier der bereits im Eingange dieser Skizze angedeuteten köstlichen Sage gedacht, welcher zufolge der Pfarrer von Honigberg als der siebenbürgische Mann ohne Schatten (Peter Schlemihl) im Volksmunde fortlebt. Der Sachverhalt ist folgender: Vor etwa Hundert Jahren (1751) soll ein Student, Namens Johann Paul Roth, das ist eben unser Honigberger Pfarrer, in Jena studirt haben, nahm aber, statt die Collegien zu besuchen, mit mehreren Collegen die Stunden beim Teufel, wofür dieser sich ausbedungen, daß Derjenige ihm verfallen sei, wer nach vollendetem Lehrjahre am letzten Tage der Letzte aus der Schule gehe. Als der letzte Tag gekommen war, gab ihnen der Teufel – was er sonst nie that – das Geleite bis zur Thüre, und als Roth, der zufällig der Letzte war, bei der Thüre sich befand, da rief der Satan: „Roth, Letzter, du bist mein!“ Der Mond schien eben herrlich ins Gemach. Roth aber sich ihm entwindend, rief dem Teufel zu: „Der nach mir kommt, ist Dein“, und so war dem Satan nur Roth’s Schatten in den Händen geblieben. Roth aber, der Pfarrer ohne Schatten, hatte eine so segensvolle Wirksamkeit entfaltet, daß sich der Schluß der Sage in folgende Pointe auflöste: „Wohl fehlte ihm der Schatten, denn er war ganz ein Strahl des Lichts!“ Diese allerliebste, ja durch ihre Pointe wirklich reizende Sage wurde auch in einem artigen Gedichte behandelt, welches Herausgeber dieses Lexikons in einer handschriftlichen Sammlung von Sagen und Märchen, welche er von einem mit culturhistorischen Arbeiten sich beschäftigenden Freunde entlehnte, mit der Chiffre J. d. J. unterzeichnet, vorfand und der Verbreitung in weiteren Kreisen werthhielt. Schließlich sei noch bemerkt, daß infolge R.’s letztwilliger Anordnung das Kronstädter Gymnasium in den Besitz seiner auserlesenen Bibliothek, die über 1200 Bände zählte, ferner mehrerer Handschriften zur vaterländischen Geschichte, vieler mathematischer Instrumente und einer werthvollen Sammlung von Porträten und Kupferstichen gelangte.

Siebenbürgische Quartalschrift, IV, S. 91–94. – Dück’s Geschichte des Kronstädter Gymnasiums, S. 88–93.