BLKÖ:Sala, Moriz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 86. (Quelle)
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Sala, Moriz Freiherr (Staatsmann, geb. zu Tarnow in Galizien 22. September 1804). Seine Jugend verlebte S. in seinem Geburtsorte und in Lemberg, wo er den philosophischen Studien oblag. Nach dem im Jahre 1822 erfolgten Ableben seiner Eltern ging S. nach Wien, wo er im Hause seiner väterlichen Verwandten, die Elternstelle an ihm vertraten, die juridisch-politischen Studien beendete und im Jahre 1825 als Concepts-Praktikant bei der damaligen niederösterreichischen Regierung in den Staatsdienst trat. Unmittelbar bei derselben und dann bei dem Kreisamte im V. U. W. W. machte sich S. durch seine tüchtigen Arbeiten bald so bemerkbar, daß er im Jahre 1829 in Rücksicht auf seine Kenntniß der polnischen Sprache zum überzähligen Kreiscommissär in Galizien befördert wurde. Er wurde dem Zloczower Kreisamte zugetheilt. Die Ereignisse der Jahre 1830 und 1831 – Cholera-Cordon, und die erste polnische Revolution – gaben die Veranlassung zu seiner Expositur in Brody, wo ihn seine amtliche Wirksamkeit in unmittelbaren Verkehr mit dem galizischen Landespräsidium [87] in Lemberg versetzte, was zu wiederholten Belobungen seiner amtlichen Thätigkeit von Seite des damaligen Gouverneurs August Longin Fürsten von Lobkowitz [Bd. XV, S. 337] Veranlassung gab. Im Jahre 1832 zum wirklichen 3. Kreiscommissär ernannt, wurde er nun dem Wadowicer Kreisamte zur Dienstleistung zugewiesen, wo es ihm bald gelang, die Aufmerksamkeit des Gubernial-Präsidenten Franz Freiherrn Krieg von Hochfelden [Bd. XIII, S. 215] auf sich zu lenken, was 1834 seine Beförderung zum Kreiscommissär 2. Classe für den Tarnopoler Kreis mit Uebergehung von 30 Collegen zur Folge hatte. Im Jahre 1837 wurde S. zum 1. Kreiscommissär in Lemberg ernannt, wo er durch seine Dienstleistung, vorzüglich durch die Reformen, die er in dem damals in beklagenswerthem Zustande befindlichen Provinzialstrafhause theils beantragte, theils selbstständig durchführte, mit dem Erzherzog General-Gouverneur Ferdinand von Oesterreich-Este [Bd. IV, S. 86] in unmittelbaren Verkehr trat und dessen persönliche Zuneigung gewann. In Folge dessen wurde S. im Jahre 1839 zum Gubernialsecretär und schon im Jahre 1840 zum Chef der Präsidialkanzlei des Erzherzogs und im Jahre 1841 zum Gubernialrathe ernannt. Die Zeit vom Jahre 1840 bis Ende 1846, in welchem der Erzherzog seine Stelle niederlegte, mochte wohl die inhalt- und im Hinblicke auf den wichtigen Posten, den S. bekleidete, einflußreichste gewesen sein. Verfasser dieses Werkes, selbst damals in Galizien, hatte Gelegenheit, die über alles Lob erhabene, umsichtige, energische und dabei doch ihm das Vertrauen Aller gewinnende Thätigkeit S.’s zu beobachten. Nach der Resignation des Erzherzogs nahm S. seine Stellung als Gubernialrath im Raths-Gremium ein. in welcher er bis Ende 1847 verblieb, bis ihn der damalige Landes-Gouverneur Franz Graf Stadion persönlich und dringend aufforderte, die Kreishauptmannstelle in Rzeszow zu übernehmen. S. trat im Jahre 1848 diesen Posten an und versah ihn ununterbrochen bis April 1851, während fast alle übrigen Kreishauptleute Galiziens, dem Sturme der Revolution weichend, abtreten und durch andere Männer ersetzt werden mußten. In dem ihm anvertrauten Kreise wurde die Ruhe nicht gestört, Excesse und Ausschreitungen, wie sie in allen übrigen statthatten, kamen nicht, vor, und gewiß ist es ein ehrenvolles Merkmal, daß S., der Beamte der Regierung, auf deren Sturz die damaligen Bewegungen abzielten, das Ehrenbürgerrecht zweier Städte, Rzeszow und Lezaysk, erhielt und ihm noch sonst Beweise anerkennender Theilnahme von Seite der Kreisbevölkerung gegeben wurden. Im Mai 1851 wurde S. zum Statthaltereirathe 1. Classe mit Hofrath-Charakter bei der niederösterreichischen Statthalterei in Wien, bei der darauf erfolgten Organisation im Jahre 1854 zum Statthalterei-Vicepräsidenten befördert, in welcher Eigenschaft er auch längere Zeit den erledigten Posten des niederösterreichischen Statthalters vertrat. Im Jahre 1860 als Sectionschef in das Ministerium des Innern berufen, versah er diese Stelle bis October 1865, worauf ihm über sein Ansuchen die Versetzung in den Ruhestand gewährt wurde. Seine amtliche Thätigkeit fand wiederholt ah. Würdigung: im Jahre 1854 durch Verleihung des Leopold-Ordens, im Jahre 1860 durch jene der 2. Classe des Ordens der eisernen Krone, im Jahre 1863 durch Verleihung der geheimen [88] Rathswürde. Die Muße seines Ruhestandes benützte nun der Freiherr zu einer historischen Arbeit, welche von Neuem die Blicke auf den aus amtlicher Thätigkeit geschiedenen Staatsmann richtete. Es ist hier das Werk gemeint, das ihn zum Verfasser hat und dessen Titel lautet: „Geschichte des polnischen Aufstandes vom Jahre 1846. Nach authentischen Quellen dargestellt“ (Wien 1867, Gerold’s Sohn, VIII u. 392 S. gr. 8°.). In seiner hohen amtlichen Stellung, namentlich zuletzt im Staatsministerium, wurde es ihm möglich, in den aufgehäuften, doch strenge geheim gehaltenen Acten mit Fleiß und Sorgfalt alles dazu Gehörige zu sichten, mit unparteiischem Blicke zu prüfen und für sein Werk zu benützen. So entrollt uns S. in dieser Schrift das ganze Bild des polnischen Aufstandes, zeigt den Zusammenhang dieser Bewegung mit dem Auslande, in welchem die Fäden dieser Revolution gesponnen wurden. Mit der Treue eines Chronisten schildert er die wichtigeren Begebenheiten, die einzelnen hervorragenden Personen, die Charaktere, die Scenirung der Gruppen, die Bilder der Helden wie des Volkes, die Intriguen der darin so gewandten Polen, den Fanatismus der Frauen, die Gegenminen der Regierung und den Muth beider Parteien. Baron Sala gibt nur Thatsachen, erlebte Begebenheiten, welche alle durch beiliegende Aktenstücke erhärtet worden. Er schreibt in der Einleitung zu seinem Werke: „Ich war bemüht, die Acten redlich und unparteiisch zu benützen und auch durch Schriften der polnischen Emigranten zu ergänzen. Meine Arbeit ist durchaus keine officielle; ich habe dazu keinen Auftrag, auch keinen Wink erhalten“. Bei der Schilderung der vorangegangenen polnischen Revolution vom Jahre 1830 macht eben Baron S. die sehr bezeichnende Bemerkung: „daß dieser Abriß nicht etwa einen Auszug aus einem der vielen Geschichtswerke über die Revolution vom Jahre 1830 und 1831 ist, sondern das Resultat von Studien über die Einwirkung dieses welthistorischen Ereignisses auf Galizien, als erste – wiewohl unabsichtliche – Vorbereitung zu einer dereinstigen revolutionären Bewegung in diesem Lande und seinen eigenen, daselbst gemachten Beobachtungen, die er als exponirter Kreiscommissär in Brody zu machen in dem Falle war“. Die politische, mit den liberalen Anschauungen der Gegenwart nichts gemein habende Farbe des Verfassers macht dem Werthe dieses Geschichtswerkes, das eine reiche Quelle zur richtigen Auffassung dieser Periode unter allen Umständen bleibt, keinen Eintrag. Freiherr von Sala ist seit dem Jahre 1832 mit der ältesten Tochter seines Vetters, des Regierungsrathes Felix Freiherrn von Sala, verheirathet. Nach seinem Uebertritte in den Ruhestand lebte er mit Frau und Tochter Felicie längere Zeit in Stadt Steyr in Oberösterreich, seit 1872 aber zu Gries bei Botzen in Tirol.

Zarncke (Friedrich), Literarisches Centralblatt für Deutschland (Leipzig, Avenarius, 4°) 1867, Nr. 47, Sp. 1296. – Schönfeld (Ignaz Ritter von), Adels-Schematismus des österreichischen Kaiserstaates (Wien 1825, Schaumburg u. Co., 8°.) II. Jahrg, S. 231. –