BLKÖ:Scaramelli, Joseph Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 12. (Quelle)
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Scaramelli, Joseph Alexander (Compositeur, geb. zu Triest, Geburtsjahr unbekannt). Wie sein Großvater Joseph und sein Vater Alexander [s. d. Vorigen], deren Taufnamen er in sich vereinigt, ist auch Joseph Alexander mit einem ungewöhnlichen Musiktalente begabt, das sich unter seines Vaters Alexander tüchtiger Leitung allmälig und harmonisch entwickelte. Erst sieben Jahre alt, spielte S. bereits öffentlich in einem im Teatro grande gegebenen Concerte und erntete großen Beifall. Er entschied sich nun bald für die Laufbahn eines Concert-Virtuosen, und zunächst war es Italien, wo auch der Enkel die Lorbeeren, welche vor ihm Vater und Großvater eingeheimst, zu pflücken versuchte. Eine von glänzenden Erfolgen begleitete Kunstreise im Vaterlande machte ihm Muth, auch andere Länder zu besuchen, und S. ließ sich in [13] Wien, Prag, Pesth und den größeren Städten Deutschlands hören, überall Beifall findend. Nachdem S. mehrere Jahre auf Kunstreisen zugebrachl, übernahm er nun auf Andringen seines Vaters eine Stelle im Orchester des Teatro grande in Triest, und als im Jahre 1846 der Vater altershalber seine Directorstelle niederlegte, ging dieselbe auf seinen Sohn über, so daß Großvater, Vater und Sohn in stetiger Aufeinanderfolge das Orchester dieses Theaters dirigirten. Daß ein seit Jahrzehnden in den Traditionen älterer und bewährter Meister von einem in denselben auferzogenen Künstler geleitetes Orchester eine gewisse Berühmtheit erlangt, begreift sich leicht, und das eben war mit dem Orchester des Teatro grande der Fall, dessen Leistungsfähigkeit die ersten Künstler der deutschen, italienischen und französischen Oper, aus Mailand, Neapel, Paris, London und Wien zu erproben Gelegenheit hatten. Aber nicht allein das Theater-Orchester seiner Vaterstadt dirigirte S., er wurde bei festlichen Anlässen nach Udine, Fiume, Görz und in andere Städte berufen, um die dortigen Orchester- oder Musikaufführungen zu leiten. Ueberdieß war S. als Compositeur in verschiedener Richtung thätig, so componirte er die Musik zu den Balletten: „La Vivandiera“, „La Nimfa dell’acqua“, beide von Borri; „Dalia“, „Flora“, beide von Bretin; „Lindana“,von Colussi; „Le illusioni d’un pittore“, von Galzerani; „La figlia del Torrente“, von Lasina (für Rom); „Il potere d’ Amore“, von Laville; „I montanari Scozzesi“, von Magri (für Mailand); „La Silfide“, von Merante; „La fanciulla di Gand“, von Pallerini; „La Stella di Napoli“, von Penco; „Un patto infernale“, von Pratesi (für Venedig); „Il Diavolo inamorato“, „Caterina Howard“, „La serva stiriana“, „Il cavallo d’oro“, von Ronzani (für Wien); „Evellina di Lesormes“, „Il folletto della Valle“, von Schiano; „Diavoletta“ , von Viena; „Dona Sol“, von Villa. Der größte Theil der vorgenannten Ballette wurde für das Teatro grande in Triest componirt, aber viele derselben wurden auch auf den Bühnen von Florenz, Mailand, Neapel, Rom und auch außerhalb Italiens, in London, Paris und Wien und mit Beifall aufgeführt. Aber nicht blos in Bühnenmusik war S. thätig, auch die Concertmusik für die verschiedensten Instrumente erfreute sich seiner Pflege, und die Zahl seiner Compositionen belief sich schon zu Anfang der Sechziger-Jahre auf 114 Nummern und mag innerhalb der genannten Frist bis auf die Gegenwart um ein Ansehnliches gewachsen sein. Unter dieser großen Zahl Werke erfreuten sich einzelne ganz besonderen Erfolges, so ein für Therese Milanollo componirtes Concert, eine Elegie unter dem Titel: „Una lagrima a Paganini“; eine andere Elegie für das Piano und eine Violine nach eigenem Thema; eine Phantasie für ganzes Orchester, betitelt: „Il carnevale di Trieste“; eine Ballade und eine Romanze für Violoncell-Solo; mehrere Symphonien, darunter eine „l’Addio“ mit einem großen Violin-Solo; eine große Messe ohne Worte für die National-Musikbande, deren Direction er im Jahre 1848 übernommen hatte. Als im Jahre 1862 das Municipium der Stadt Fiume den Beschluß gefaßt hatte, ein musikalisches Lyceum zu errichten, in welchem gute Instrumental-Musiker herangebildet werden sollen, berief es Scaramelli, um dieses Institut in’s Leben zu rufen, und da die Bedingungen [14] welche man S. gestellt, sehr vortheilhaft waren, nahm S. diesen Antrag an. Mehrere Musik-Gesellschaften Italiens und darunter auch die Akademie der h. Cäcilia in Rom, haben S. unter ihre Mitglieder aufgenommen. Als S., um dem Rufe nach Fiume zu folgen, sich anschickte, Triest zu verlassen, wurden ihm von Seite der Bewohner die ehrenvollsten Beweise der Theilnahme gegeben und ihm unter anderem ein reich verzierter, silberciselirter Tactirstock aus Ebenholz von seinen Freunden und Verehrern zum Andenken überreicht.

Il Diavoletto (Triest, 4°.) 1862, Nr. 193 u. 194, im Appendice.