BLKÖ:Schönthaler, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schönschütz, Joseph
Band: 31 (1876), ab Seite: 172. (Quelle)
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Schönthaler, Franz (Bildhauer und Decorateur, geb. zu Neusiedl nächst Gutenstein im Viertel unter dem Wiener Walde am 21. Jänner 1821). Der Sohn bäuerlicher mittelloser Eltern, welche außer Stande waren, ihm eine regelrechte Erziehung geben zu lassen. Einige Male kam er mit seinen Eltern nach Wien, wo die mannigfachen Herrlichkeiten der Residenz das Auge des Knaben fesselten und seinen Kunstsinn weckten. Manches Kunstwerk, von dem er sich besonders angezogen fühlte, wollte er selbst nachbilden, aber die beschränkten Mittel seiner Eltern stellten sich immer seinen Absichten entgegen. Der Genius doch ließ sich auf die Dauer nicht bannen, er wollte es unter allen Umständen versuchen und erwirkte sich nun die Erlaubniß, nach Wien zu gehen, wo er im Jahre 1840 bei einem Bildhauer eintrat. Er traf es nicht gut. Er kam nämlich zu einem untergeordneten Meister, der geringfügige Sachen ohne Kunstwerth [173] arbeitete, welche er an Sonntagen durch seinen Zögling hausiren tragen ließ. Aus diesem traurigen Verhältnisse riß ihn erst ein Gönner, der bald gewahr wurde, wie S.’s Talent unter solchen Umständen verkümmerte, und durch diesen kam S. zu dem Kunsttischler Leistler, wo sich ihm bald Gelegenheit zu entsprechenderen Arbeiten darbot. Im Jahre 1845 ging S. nach Prag zu dem Kunsttischler Rohl wo eben die ornamentalen Arbeiten für den Palast des Fürsten Rohan ausgeführt wurden. Nach anderthalbjährigem Aufenthalte daselbst kehrte er nach Wien zurück, wo man ihm aber rieth, zur weiteren Ausbildung nach Paris zu gehen, welchen Rath er auch befolgte. In Paris arbeitete er in verschiedenen trefflichen Werkstätten, unter anderen bei Fourtinois und Lafrance, welch Letzteren er bei seinen Arbeiten für das Napoleon-Denkmal unterstützte. In Paris machte sich S. auch mit den größten Werken der Ornamentik bekannt und betrieb auf’s Eifrigste das Studium derselben. Im Jahre 1849 kehrte er nach Wien zurück, wo er wieder bei Leistler und damals mit Arbeiten für die bevorstehende Londoner Ausstellung beschäftigt war. Ferner arbeitete er für die Graner Kathedrale unter anderen die Entwürfe für die Chorherrnstühle und die prächtige Kanzel. Große Aufmerksamkeit erregte im Jahre 1856 ein von S. ausgeführter Cigarrenbecher, dessen edle, im antiken Geiste stylisirte Gesammtform und sinnige Ausbildung in den einzelnen Bestandtheilen den Beifall der Kenner und Kunstfreunde fand. In der Mai-Ausstellung des österreichischen Kunstvereins 1860, in welcher die neuesten Erzeugnisse einheimischer Kunstgewerbe zu sehen waren, hatte S. einen Bücherschrank, einen Damenschreibtisch, einen Speisesessel und einen runden Tisch, sämmtlich nach Angabe des Architekten Friedrich Stache, ausgeführt – die Tischlerarbeit war von der Hand des Meisters Philipp Schmidt – ferner mehrere Bronzegegenstände, dann in Birnbaumholz geschnittene Ornamente, und in der Juni-Ausstellung des Jahres 1861 eine Bibliothek nebst Schreibtisch von Nußholz und einen Tisch aus Eichenholz nach eigenen Zeichnungen ausgestellt. Im Jahre 1865 fand ein von ihm für die protestantische Kirche in Kronstadt ausgeführter, 3 Klafter breiter und 8½ Klafter hoher Altar allgemeine Anerkennung. Der Altar war nach den Rissen des Architekten Bartesch in Eichenholz gearbeitet. Die decorativen Elemente waren nach Motiven des 14. Jahrhunderts, als der Blüthezeit des gothischen Styls, ausgeführt. Der bildliche Theil des Altars zeigte die vier Evangelisten und die Apostel Petrus und Paulus. Im österreichischen Museum für Kunst und Industrie sah man von seiner Hand öfter ornamentale Holzschnitzereien, und im fünften Saale desselben befindet sich nach seinem Entwurfe die Darstellung und Zusammenstellung eines vollständigen billigen Wohnzimmers. Mehreres Andere vollendete S. für das k. k. Arsenal in Wien, für das dem Grafen Breuner gehörige Schloß Grafenegg, für den Votivaltar in der St. Stephanskirche in Wien und die Ornamente für die Giebel daselbst. Ferner schmückte er viele Paläste in Wien, wie jene des Grafen Harrach, Fürsten Kinsky, Herzog von Coburg, die Börse u. a. mit seinen Arbeiten, in welch allen sich der vollendete Künstler seines Faches kundgibt.

Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 196, unter den Tagesneuigkeiten. [174] – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Angefangen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 482.