BLKÖ:Schneider, Karl Samuel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schneider, F. A.
Band: 31 (1876), ab Seite: 34. (Quelle)
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Schneider, Karl Samuel (mährisch-schlesischer Superintendent, geb. zu Bielitz in Schlesien am 22. September 1801). Den ersten Unterricht erhielt er in seiner Vaterstadt, 1813–1817 besuchte er das evangelische Gymnasium in Teschen, 1817–1821 das evangelische Lyceum in Preßburg. Nach beendeten Studien von der Bielitzer Gemeinde zum Lehrer an der neu errichteten Mädchenschule berufen, widmete er sich nebstbei dem Studium der Theologie und wurde 1824 in Bielitz zum Vicar ernannt. Um das Studium der Theologie gründlicher betreiben zu können, bezog er im Jahre 1825 die evangelisch-theologische Facultät in Wien, an der er bis 1828 dem Studium oblag und dann nach Bielitz zurückkehrte. Daselbst erhielt er nun die Stelle eines Rectors an der evangelischen Schule, welche er bis 1832 versah. Am 1. October letztgenannten Jahres wurde er zum evangelischen Pfarrer bei der Gemeinde seiner Vaterstadt erwählt. Aus diesem rein evangelischen Wirken riefen ihn die Ereignisse des Jahres 1848, in welchem ihn das Vertrauen seiner Bielitzer Mitbürger als Abgeordneten in den österreichischen Reichstag sandte. Seither ward er öfter berufen, in den Vertretungskörpern des constitutionellen Oesterreich mitzurathen. Im April 1861 wurde er nämlich als Landtags-Abgeordneter in den schlesischen Landtag und von diesem in die erste Session des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes gewählt. Im Februar 1867 fand seine erneuerte Wahl in den Landtag und Reichsrath Statt. Im Jahre 1858 zum schlesischen Senior und Schuldistricts-Aufseher A. C. ernannt, wurde er im Jahre 1862 für diese beiden Aemter von den evangelischen Gemeinden Schlesiens neu gewählt. Im April 1864 erfolgte seine Wahl zum mährisch-schlesischen Superintendenten A. C., in welch geistlicher Würde er von Sr. Majestät am 14. Mai 1864 bestätigt wurde. Im österreichischen Reichstage des Jahres 1848 erhob S. mit noch anderen Volksvertretern seine Stimme für Aufhebung der Robot und des Unterthänigkeits-Verhältnisses und hatte wesentlichen Antheil an der Verwirklichung des provisorischen Protestanten-Gesetzes vom 29. Jänner 1849. Am 21. September 1871 beging S. seine siebzigste Geburtstagsfeier zugleich mit seinem fünfzigjährigen Amtsjubiläum als Lehrer und Prediger. Für den alten Kämpen auf dem Felde für Recht und Freiheit und den unerschütterlich treuen Parteigenossen in den sturmbewegten parlamentarischen Sessionen des Kaiserstaates, deren Mitglied er war, gestaltete sich dieses Fest um so glänzender, als er, nicht minder, wie auf politischem Gebiete, auf kirchlichem sich allseitigen Vertrauens, der Hochachtung und Verehrung [35] erfreut, welche dadurch, daß er bei den letzten Wahlen dem Hochdrucke der clerical-nationalen Agitation unterlag, nicht geschmälert wurde. Von Seite der evangelischen Geistlichkeit in Leipzig erhielt S. bei dieser Gelegenheit eine stylvoll gebundene Prachtbibel; von Seite der Bielitzer evangelischen Gemeinde eine silberne Kanne mit sechs solchen Pokalen auf massiver silberner Tasse; die Bielitzer Bürgerschaft votirte ihm das Ehrenbürgerrecht und die schlesischen Landtags-Abgeordneten vom Jahre 1870 ließen ihm durch ihren Vertreter, den Abgeordneten Seeliger, ein Prachtalbum überreichen, welches die Photographien seiner Collegen im schlesischen Landtage enthielt. Während des Festmahles, an dem über 200 Personen theilnahmen, liefen über 100 Telegramme aus Schlesien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnthen u. s. w. mit Glückwünschen und Toasten für und auf den gefeierten Jubilar ein. Von Sr. Majestät ist Superintendent Schneider mit dem Comthurkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1871, Nr. 2546: Correspondenz ddo. Bielitz 22. September; – dieselbe, Nr. 2547, in der Rubrik: Eingesendet. – Bohemia (Prager polit. u. belletrist. Blatt, 4°.) 1861, Nr. 163.