BLKÖ:Schoibl, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schohai, Franz
Band: 31 (1876), ab Seite: 201. (Quelle)
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Schoibl, Leopold (Botaniker, geb. zu Aupoint bei Treibach im Innkreise 14. November 1786, gest. zu Wals bei Salzburg 17. Februar 1856). Der Sohn eines Leinenwebers und seines Zeichens ein Schneider. Bis zu seinem 18. Lebensjahre arbeitete er als Schneider in seiner Heimat und in der nächsten Umgebung. Nun bewog ihn die Furcht vor dem Soldatenstande zur Flucht und er begab sich vorerst nach Altötting in Bayern, wo er, wie in der Folge zu Feldkirch, Hallein und Großgmain in der Nähe von Reichenhall, an jedem der genannten Orte mehrere Jahre verlebte. Von letztgenanntem Orte übersiedelte er zuletzt als Schneidermeister nach dem durch die Walserheide und ihren geschichtlichen Birnbaum bekannten Orte Wals unweit [202] Salzburg, wo er im Alter von 70 Jahren starb. Durch einen Einsiedler, der in der Nähe der Heimat Schoibl’s lebte und seine Lebensbedürfnisse vom Einsammeln der Kräuter bestritt, die er alsdann an Apotheker verkaufte, wurde S., damals noch ein Knabe, zuerst mit den Namen und Eigenschaften der Pflanzen näher bekannt und in ihm die Liebe zur Beschäftigung mit denselben und ihrem näheren Studium angeregt. Bald gelang es ihm, mit Hoppe [Bd. IX, S. 260], Braune [Bd. II, S. 124] und anderen Botanikern sich in nähere Verbindung zu setzen, wodurch er sein botanisches Wissen wesentlich bereicherte und vervollkommnete. Eine weitere Quelle seiner Kenntnisse wurde das anhaltende Studium des berühmten Kräuterbuches von Tabernaemontanus, das ihn nicht nur mit vielen ihm bis dahin fremden Gewächsen, sondern vornehmlich mit ihrer Nutzanwendung bekannt machte. Mit den Fortschritten, die er in der Wissenschaft machte, wuchs auch die Liebe zu ihr und das Verlangen, sich die wichtigsten ihrer Werke zu verschaffen, und von den äußerst kärglichen Mitteln, die ihm, dem vermögenlosen Schneider, der seinen eigenen Lebensunterhalt vom Verdienste seiner Nadel bestreiten mußte, zu Gebote standen, wußte er sich so viel zu ersparen, daß er allmälig Linné’s vollständiges Pflanzensystem, Schrank’s bayerische Flora, Sturm’s Flora von Deutschland mit Abbildungen und andere botanische Werke sich kaufen konnte. Als er in der Folge in Besitz von Haus nebst Garten und Feldgründen gelangte, cultivirte er viele ökonomische Pflanzen in seinem Garten, vornehmlich aber eine große Menge von Alpenpflanzen, die er auf seinen botanischen Ausflügen sammelte und häufig auch aus Samen zog. Nach seinem Tode hinterließ er ein ansehnliches Herbar. Die Salzburger Zeitung versprach, als sie seinen Tod meldete, ausführlichere Mittheilungen über seine botanischen Forschungen und Reisen, seine Pflanzensammlungen und Gartenanlagen zu bringen und soll bis heute ihr Versprechen lösen.

Wanderer (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1856, Nr. 177, Abendblatt: „Der Schneider und Botaniker Schoibl“. – Jahresbericht der k. k. vollständigen Unterrealschule in Salzburg 1856 (Salzburg, 4°.) S. 11, im Aufsatze: „Beiträge zu einer Geschichte der botanischen Forschungen in Salzburg“, von H. Reitzenbeck.