BLKÖ:Schweitzer, Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schweizer, Alois
Band: 32 (1876), ab Seite: 361. (Quelle)
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Schweitzer, Friedrich (Numismatiker, geb. zu Oberhelferswill im Schweizer Canton St. Gallen 7. Jänner 1814, gest. zu Salzburg im Herbste 1862). Sein Vater Karl war Fabrikant zu Lichtensteig in der Schweiz, seine Mutter Susanna Barbara eine geborne Wirth. Die erste Erziehung besorgte, da die Interessen des Geschäftes den Vater fast ausschließlich in Anspruch nahmen, die Mutter, an welcher der Sohn auch mit aller Liebe und Innigkeit zeitlebens hing. Für den Handel bestimmt, kam der junge S. nach Genf, wo er eine für diesen Zweck bestimmte Ausbildung erhielt, ohne daß jedoch auch andere Disciplinen, die eben nicht gerade in den Kreis des Kaufmanns gehören, vernachlässigt wurden. Der an den Verkehr mit der Welt gewöhnte Schweitzer faßte auch die Erziehung kosmopolitisch auf, dieselbe durchaus nicht in die engen Schranken seines jeweiligen Berufes bannend. Im Jahre 1830, damals 16 Jahre alt, kam der junge Schweitzer in ein Handlungshaus nach Triest. Als er nach [362] einigen Jahren sich selbstständig etablirte, lächelte ihm aber in seinen Geschäften so wenig das Glück, daß er den Handel aufgab und sich nach einer Bedienstung umsah, welche er auch bei der Riunione Adriatica di Sicurtà, in Triest fand. Die häufigen Reisen im Interesse dieser Gesellschaft gaben ihm Gelegenheit, seine literarischen Kenntnisse nach verschiedenen Richtungen zu erweitern und versetzten ihn in die Möglichkeit, sich ganz in jenen Wissenszweig zu vertiefen, in welchem er nachgerade so Tüchtiges leistete, nämlich in die Numismatik. Doch war es wieder der Zufall, der S. auf dieses Gebiet lenkte, für welches er vordem eben keine ausgesprochene Neigung an den Tag gelegt. Auf einer seiner vorerwähnten Reisen befand er sich nämlich eines Tages im Städtchen Krainburg, und auf einem Spaziergange, den er in der schönen Umgebung des reizend am Savestrome gelegenen Städtchens machte, kam er eben dazu, wie ein Landmann, während er auf dem Felde arbeitete, ein Thongefäß auffand, welches mit lauter Silbermünzen angefüllt war. Es geschah ohne viele Umstände, daß S. den kleinen Schatz käuflich erwarb. Weniger im Metallwerthe, als in der Gattung der Münzen, welche da beisammen waren, stellte der Fund als werthvoll sich dar, denn, als S. heimgekommen, den Fund näher untersuchte, entdeckte er aus dem Gepräge der Münzen Köpfe von Dogen, Fürsten, Patriarchen. Bischöfen und Erzbischöfen u. dgl. m. Aber die Inschriften und das Gepräge der Münzen waren stark angegriffen, von Rost zerfressen und deßhalb um so schwieriger zu entziffern. Jedoch gerade dieser Umstand reizte den Besitzer um so mehr, sich genaue Kenntniß der historischen Bedeutung des Fundes zu verschaffen. Als er dann nach Triest zurückgekehrt war, begann für S. ein neues Leben. Es galt nun, sich mit einer ihm bisher fremd gebliebenen Wissenschaft genau bekannt zu machen. Er suchte nun Männer auf, die ihm die erforderlichen Fingerzeige gaben, ihm die Werke, welche er zu seinem Studium brauchte, bezeichneten, und so eignete sich denn S. allmälig die Kenntniß der Heraldik, Diplomatik und Sphragistik und verwandten Wissenszweige an, legte nach und nach eine dahin einschlägige Büchersammlung, zugleich aber auch eine Sammlung von Münzen an, in welcher er sich aber vorab auf die Münzen der Patriarchen von Aquileja, der Grafen von Görz, der Herzoge von Krain, der Bischöfe von Triest, der Dogen von Venedig beschränkte, denn diese waren ja meist in dem oberwähnten angekauften Funde vertreten und ihre Erwerbung in seinem Wohnorte Triest mit geringeren Schwierigkeiten verbunden. Um die aufgefundenen Lücken in den geordneten Reihen zu ergänzen, knüpfte er nach allen Seiten Verbindungen an, tauschte ein, erwarb durch diese Dubletten neue Zuwächse, und wurde allmälig Münzantiquar, der mit jenen Münzen, die ihm in seiner Sammlung überflüssig waren, da er sie bereits besaß, handelte. Zu diesem Zwecke unternahm er nun auch Reisen durch Deutschland und Italien, trat mit Männern seines Faches in wissenschaftlichen Verkehr, der auch diesen um so willkommener war, als sie in S. bald den Mann erkannten, der in seinem Fache nicht gewöhnliche Kenntnisse besaß. Allmälig dehnte S. bei dem wachsenden Umsatze sein Geschäft immer mehr aus und die glückliche geographische Lage seines Wohnortes ermöglichte ihm Verbindungen nach allen Richtungen und Erwerbungen der schätzbarsten und werthvollsten Funde in Griechenland, [363] Dalmatien, Venedig, Friaul, namentlich aber Aquileja, und bei Münzsammlern aller Länder wuchs die Würdigung Schweitzer’s mit jedem Tage. Mit seinen Forschungen nach Ergänzung von Lücken, mit seinen Bemühungen, vollständige Serien in seiner Sammlung zu gewinnen, auch schriftstellerische Wirksamkeit zu verbinden, kam ihm lange nicht in den Sinn. Als er aber eine vollständige Suite venetianischer Münzen beisammen hatte, ging er daran, einen raisonnirenden Katalog seiner Sammlung zu verfassen. Da er überdieß ein geschickter Zeichner war, zeichnete er seine Stücke mit jener meisterhaften Genauigkeit, die eben nur ein Kenner des Faches zu beobachten vermag. So entstand das Werk: „Serie delle monete e medaglie d’Aquileja e di Venezia“ 2 vol. (Triest 1848–1852, Imp. 4°., Bd. I: 107 S., 40 K. K.; Bd. II: 147 S., 65 K. K., Preis 112/3 Thaler). Das Werk fand in Fachkreisen ungemein günstige Aufnahme, und das Bedauern, daß nicht mehr denn 200 Exemplare davon aufgelegt wurden, war allgemein. Nun war auch das schriftstellerische Gebiet betreten und S. verließ dasselbe nicht wieder, sondern durch die Aufforderung, die ihm von allen Seiten ward, ließ er eine Arbeit um die andere folgen. Doch muß hier der Vollständigkeit halber bemerkt werden, daß S. bereits ein paar Jahre früher mit einer kleinen Schrift: „Brevi cenni storici che conducono alla illustrazione di una medaglia di Ugone III. re di Cipro e di Gerusalemme“ (Triest 1846 [Favarger], gr. 8°., mit 1 Taf.), den Büchermarkt betreten hatte. Die Titel der übrigen, von S. veröffentlichten Arbeiten sind: „Abrége de l’histoire des comtes de Gorice et serie de leurs monnaies (Triest 1851 [Berlin, Mittler u. Sohn], 4°., 88 S. u. 1 lith. Taf.); dann begann er noch im nämlichen Jahre die Herausgabe einer periodischen Schrift in zwanglosen Heften und in verschiedenen Sprachen, bald in deutscher, bald in italienischer, bald in französischer Sprache, betitelt: „Notizie peregrine di Numismatica e di Archeologia“. Decade I– VI; auch mit deutschem Titel: „Mittheilungen aus dem Gebiete der Numismatik und Archäologie“, 6 Decaden (Triest 1851–1861, mit Taf.). Diese in nur 50 Exemplaren und zunächst für seine literarischen Freunde gedruckte Schrift wurde zuletzt so selten, daß S. selbst, als er ein Exemplar nöthig hatte, dasselbe um einen hohen Preis kaufen mußte. Der sechsten und letzten Decade; – er nimmt in der Vorrede derselben Abschied von der numismatischen Schriftstellerei – ist ein Anhang beigegeben, betitelt: „Psychologisch-biographisch-historische Versuche“, der auch den Separattitel führt: „Dianthus sylvestris“, mit biographischen Skizzen über Nicolo Paganini, George Houseal, Adele Curti, Luigi Ricci. Auch sonst enthalten diese Decaden außer numismatisch-archäologischen Abhandlungen, deren größter Theil aus Schweitzer’s eigener Feder stammt, eine Folge literarischer Curiosa, so z. B. Briefe von Winkelmann, Schiller, Cardinal Fesch u. A., deren Originale Schweitzer besaß; die letzte selbstständige Arbeit S.’s war sein „Indice delle zecche d’Italia“ (Triest 1857 [Mittler u. Sohn], 4°.). Mehreres hat S. im vierten Jahrgange der von dem Archäologen Peter Kandler [Bd. X, S. 427] begründeten und herausgegebenen Zeitschrift „l’Istria“ veröffentlicht, als: „Lettera in oggetti di numismatica“ (tom. IV, p. 44); – „Dei Bracteati“ (p. 118); – „Altra lettera di numismatica“ [364] (p. 178) – und „Del valore di alcune monete“ (p. 188). Bei seinen Forschungen und Sammlungen alter Münzen und Medaillen gelangte S. unwillkürlich in Besitz mancher Autographen, wovon er allmälig auch eine ansehnliche Sammlung werthvoller Stücke zusammengebracht hatte. Noch sei seiner interessanten Mittheilungen über Paganini, Mittheilungen, die nicht auf Hörensagen, sondern auf eigenen Wahrnehmungen beruhen, erwähnt. Durch die Bekanntschaft mit einer dem berühmten Geiger verwandten Familie war S. in persönliche Begegnung mit Paganini gekommen, und diese eigenen Beobachtungen und Erfahrungen sind es, welche uns Schweitzer über den großen Violinisten mittheilt. Schon seit mehreren Jahren, ja bald nach Herausgabe seines größeren Werkes über die Münzen und Medaillen von Aquileja und Venedig fühlte S. sich leidend. Aber sorgfältige Pflege und zeitweilige Luftänderung, namentlich in seiner Heimat, der Schweiz, hemmten den rascheren Fortschritt seines unheilbaren Uebels. Im Herbste 1862 kränkelnder denn je, wollte er wieder Linderung in den Bergen seiner Heimat suchen; aber sein Leiden nahm so sehr überhand, daß er seine Rückkehr nach Triest beschleunigte; doch, kaum hatte er Salzburg erreicht, konnte er nicht weiter reisen und wurde so schwach, daß er in den Armen seiner zweiten, ihm seit 1850 angetrauten Gattin Amalie, gebornen Bugati, erst 48 Jahre alt, seine Seele aushauchte. Seine erste Gemalin, mit ihm seit 1840 vermält, eine geborne Angela Panciera, starb im Jahre 1848, nachdem sie ihm zwei Töchter geschenkt, welche den Vater überlebten.

Archeographo Triestino. Nuova Serie (Trieste, gr. 8°.) 1869, Fasc. 3, p. 183; „Elogio di Federico Schweitzer del professore Ant. de Steinbüchel Rheinwall“. – L’Istria (Trieste, 4°.) Anno III, p. 56–58. –