BLKÖ:Sengschmidt, Berthold (Journalist)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 34 (1877), ab Seite: 112. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Sengschmidt, Berthold (Journalist)|34|112|}}

Sengschmidt, Berthold (Journalist, geb. um das Jahr 1828, gefallen in der polnischen Insurrection im Treffen bei Opatow am 21. Februar 1864). Ueber das Vorleben S.’s, der eine ziemlich bewegte Vergangenheit hinter sich hatte, sind nur oberflächliche Nachrichten bekannt. Ob er ein Wiener, überhaupt ein Oesterreicher – ungeachtet er nach Tauf- und Geschlechtsnamen einen gleichbenannten Namensvetter (s. d. Folgenden) hat – liegt nichts Bestimmtes vor. Bereits als junger Mann hatte er in der französischen Fremdenlegion, einem aus den verschiedensten, mitunter wenig ehrenhaften Elementen zusammengesetzten Corps in Algier gedient und gegen die Kabylen gefochten. Dann hätte er, wie es heißt, in der Krimm gegen die Russen gekämpft, immer aber, wenn die Waffen ruhten, sei er zur Journalistik zurückgekehrt und so abwechsend als Journalist in Wien, Berichterstatter auf verschiedenen Kriegsschauplätzen und activer Freiwilliger in mehreren Heerlagern thätig gewesen. Als die Wallishausser’sche Druckerei mit dem Drucke des Theaterzettels der Hoftheater eine Zeitung verband, welche den Titel „Zwischenact“ führte und neben dem Abdrucke der verschiedenen Theaterzettel der Wiener Bühnen auch anderen auf das Theater und Kunstleben der Gegenwart bezüglichen Text brachte, war S. bei der Redaction dieses Blattes mehrere Jahre hindurch beschäftigt. Da traf ihn durch den Tod seiner jungen Frau, an der er mit inniger Liebe hing, ein neuer Schlag, und da eben um diese Zeit, 1865, die polnische Insurrection von neuem aufgelodert war, verließ er, die Hoffnung, einen häuslichen Herd zu gründen aufgebend, Wien, ohne seinen Freunden Nachricht von seinem Vorhaben gegeben zu haben. So galt S. in den Wiener journalistischen Kreisen für verschollen, als plötzlich die Nachricht seines Todes sein Verschwinden aufklärte. Er war in die polnische Insurrections-Armee eingetreten, wo er als Officier kämpfte und im Gefecht bei Opatow am 21. Februar im Fuß durch eine Kugel so schwer verwundet wurde, daß er sofort amputirt werden mußte, aber schon zwei Stunden nach der Amputation, noch am nämlichen Tage starb. Vom Kriegsschauplatze schrieb er für die Wiener „Morgenpost“ Berichte, welche in diesem Blatte unter dem Titel: „Briefe eines Wieners aus Polen“ abgedruckt waren.

Bolesławita (B.), Panniątka dla rodzin polskich. Zebrał i ulożył Zygmunt Kolumna (Krakau 1866, 8°.), Zweiter Theil, S. 246. – Bohemia (Prager polit. und [113] belletrist. Blatt, 4°.) 1864, Nr. 247, S. 1109. – Neue freie Presse 1864, Nr. 44. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 285. – Wiener Abendpost (Abendblatt der amtlichen Wiener Zeitung) 1864, Nr. 236.