BLKÖ:Serwaczyński, Stanislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Servi, Giovanni
Band: 34 (1877), ab Seite: 154. (Quelle)
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Serwaczyński, Stanislaus (Violin-Virtuos, geb. zu Lublin im damaligen österr. Westgalizien im Jahre 1781, nach der österr. National-Encyklopädie erst 1795, gest. zu Lemberg am 30. November 1859). Sein Vater Michael war Director des Kirchen-Chores an der Kathedrale zu Lublin. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt S. im Elternhause, dann aber, nach der österr. National-Encyklopädie, durch einen Grafen [155] Guadagni, Oberstlieutenant bei Kaiser-Huszaren, der ein ausgezeichneter Violinspieler war. Er machte nun Kunstreisen, auf welchen er zunächst mehrere Städte Polens, dann aber Brünn, Wien, Gratz, Laibach, Klagenfurt und zuletzt, 1832, Venedig besuchte, wo man ihn sogar mit Paganini verglich. In Wien war er einige Zeit als erster Violinist und Solospieler im Theater an der Wien angestellt. Im Jahre 1837 wurde er Orchesterdirector des Theaters in Pesth, und war überdieß auf das angelegentlichste bemüht, in genannter Stadt ein Musik-Institut zu begründen. Im Jahre 1840 folgte er aber einem Rufe nach Lemberg, wo er die Direction des Orchesters in dem von Grafen Skarbek neu gebauten Theater, zugleich mit dieser Stelle die des Chordirectors in der Dominikanerkirche übernahm. Dort blieb S. bis an sein im Jahre 1859 erfolgtes Lebensende thätig. Als Violinspieler war S. ein Virtuose ungewöhnlicher Art, sein Spiel war gefühlvoll, einschmeichelnd, ja ganz dem Charakter, des polnischen Volkes entsprechend, nahezu melancholisch, die polnischen Melodien gewannen durch die weiche Art seines Vorträges etwas wehmüthig Ergreifendes. Auch als Compositeur war S. eigenartig. Seine Polonaisen für das Pianoforte, seine Variationen für die Violine mit Orchesterbegleitung, seiner Zeit ebenso beliebt als gesucht, sind in Leipzig, Warschau und in Wien im Stich erschienen. Die Zahl derselben ist nichts weniger als groß, und unter ihnen besonders hervorzuheben: „Introduction et variations brillantes sur un thema de Rossini pour Violon avec accompagnement d’orchestre“, Opus 8, und „Introduction et variations sur theme hongrois pour violon solo avec accompagnement d’une quintette“, Opus 9. Unter den von ihm ausgebildeten Schülern sind zu nennen: Jachimowski, Kozlowski und Heinrich Winiawski.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 24 – Sowińskí (Albert), Les musiciens polonais et slaves anciens et modernes (Paris 1857, Adrien Le Clere & Co., gr. 8°.) p. 492.