BLKÖ:Sind, J. Baron von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sined
Band: 35 (1877), ab Seite: 3. (Quelle)
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Sind, J. Baron von (Hippolog, geb. in Mähren um das Jahr 1709, gest. 1776). Ueber sein Leben sind höchst ungenügende Nachrichten vorhanden. Nachdem, was uns Schrader-Hering in dem in den Quellen bezeichneten Werke erzählen, scheint er als geborener österreichischer Unterthan seine militärische Laufbahn in der kaiserlichen Armee begonnen zu haben, denn er kannte Böhmen, Ungarn und auch Italien, wo er sich mehrere Jahre aufgehalten hatte, sehr genau. In den Jahren 1736 und 1737 scheint er in die Dienste des Curfürsten von Cöln, damals Clemens August von Bayern, der zugleich Bischof von Münster und Paderborn war, gekommen zu sein, in welchen er bis zum Obersten eines Reiter-Regimentes und obersten Stallmeister vorgerückt war. Seine Obersten-Charge möchte wohl nur ein Titel gewesen sein. Reitkunst und Roßarzneikunde waren seine Hauptbeschäftigung. Als Schriftsteller und dann durch ein Mittel gegen die Rotzkrankheit der Pferde machte er sich am meisten bekannt. Letzteres, ein Geheimmittel, wovon die Portion acht Gulden, für die damaligen Zeiten ein hoher Preis, kostete, war in den Niederlagen zu Frankfurt a. M., Straßburg und Leipzig zu haben, machte damals viel Aufsehen und mußte dem Erfinder ansehnliche Summen eingebracht haben, denn noch zehn Jahre nach seinem Tode setzte seine Witwe den Verkauf dieser Latwerge fort. Im Uebrigen sind die Nachrichten über ihn und sein Mittel widersprechend, während die Einen, unter diesen Joh. Chr. Polykarp Erxleben, der mit Sind viel und näher verkehrte und ihn „den größten deutschen Roßarzt“ der damaligen Zeit nannte, ihn erhoben, sind Andere, wie Kersting und Robertson, gegentheiliger Ansicht. Nach seinen im Druck erschienenen Schriften zeigt es sich jedoch, daß er ebenso gute praktische Kenntnisse als Pferdearzt besaß, wie daß er ein tüchtiger Pferdekenner und im Ganzen ein ganz ausgezeichneter Hippolog war, dessen Werke wiederholt, einzelne sogar mehrmals aufgelegt wurden. Sein Hauptwerk bleibt: „L’Art du manége pris dans ses vrais principes, suivi d’ane nouvelle méthode pour l’embouchure des chevaux et d’une connaissance abregée des principales maladies, auxquelles ils sont sujets, ainsi que du traitement qui leur est propre“, wovon die erste Auflage zu Bonn im Jahre 1762 erschien. Dieselbe war aber voller Druckfehler, die Tafeln dazu waren schlecht ausgeführt und so bearbeitete S. eine neue Auflage, welche zu Cöln in Quart und mit Tafeln und in Nachdrücken in Octav zu Wien (1772) und Berlin (1773) herauskam. Eine dritte, vom Autor durchgesehene und mit einem Register der technischen Ausdrücke in der Reitkunst [4] und in Pferdekrankheiten in französischer, lateinischer und deutscher Sprache versehene Ausgabe erschien zu Paris im Jahre 1774 bei Desprez und enthielt nebst sieben Tafeln das Bildniß des Verfassers. Eine deutsche Uebersetzung, betitelt: „Die Kunst, die Pferde zu zäumen und zu beschlagen“, erschien 1766 und in zweiter Auflage 1782. Aber auch seine übrigen Schriften sind Zeugnisse eines erfahrenen Fachmannes, und ihre Titel sind: „Le manuel du cavalier qui renferme les connaissances nécessaires pour conserver le cheval en santé et pour le guerir en cas de maladie“ (Cöln 17.., Romerskirchen, 12°.). Neue Auflage (Paris 1766, G. Desprez, 8°.); – „Der im Felde und auf Reisen geschwind heilende Pferdearzt“ (Frankfurt a. M. 1766, 8°.); diese Schrift erlebte bis in’s erste Viertel des laufenden Jahrhunderts neun Auflagen, deren siebente unter dem Titel: „Der sichere und geschwind heilende Pferdearzt“ B. W. Ammon (Frankfurt a. M. 1810) und die neunte, mit Anmerkungen und Zusätzen der berühmte Hippolog S. von Tennecker (ebd. 1819) herausgab; – „Neue und sichere Lehrart, die Pferde in kurzer Zeit zu dressiren“ (Frankfurt a. M. 1768); – „Abhandlung der Pferdezucht und Anlegung der Gestüte“ (ebd. 1769, 2. Aufl. 1777, 8°., mit KK.); – „Vollständiger Unterricht in den Wissenschaften eines Stallmeisters, mit einem Lehrbegriff der Pferdearzneikunst“ (Gotha 1770, 2. Aufl. Göttingen 1775, Dieterich, gr. 8°.); – „Abhandlung von der Rehkrankheit bei Pferden“ (Frankfurt a. M. 1769, 2. Aufl. 1777, 8°.); unter der Rehkrankheit wird ein Leiden in den Gelenken (Steifheit derselben) verstanden.

Schrader-Hering, Biographisch-literarisches Lexikon der Thierärzte aller Zeiten und Länder (Stuttgart 1863, Ebner und Seubert, Lex.-8°.) S. 399.