BLKÖ:Singer, Joseph (Feldmarschall-Lieutenant)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Singer, J. Go.
Band: 35 (1877), ab Seite: 9. (Quelle)
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3. Joseph Singer (geb. zu Lemberg im Jahre 1797, gest. zu Wien 9. Jänner 1871). Der Sohn einer sehr wohlhabenden israelitischen Familie, wurde er frühzeitig für den Militärstand herangebildet. Zu Anfang des Jahres 1813 erhielt er eine Lieutenantsstelle im 3. Uhlanen-Regiment und machte mit demselben die Kriege jener Epoche in Italien mit Bravour mit. In diesen Kriegen rückte er zum Oberlieutenant vor, und kam im Jahre 1832 als Hauptmann in den Generalstab, wo er meist in Italien unter Radetzky vielseitig und mit großem Erfolge verwendet wurde. Schon 1838 erfolgte seine Beförderung zum Major, 1847 jene zum Obersten im Corps, und 1849 die zum General-Major und Brigadier bei der Armee in Italien, in welcher Stellung er der Belagerung und Einnahme von Ankona beiwohnte. Der Feldmarschall Heß würdigte die großen Talente und das reiche Wissen [10] Singer’s ganz besonders, und wählte denselben zur Zeit der Mobilmachung des Heeres während des orientalischen Krieges zum Chef des Generalstabes, der vom Feldmarschall commandirten vierten Armee. Mittlerweile war S. zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückt, und übernahm nach eingetretenem Frieden das Commando einer Division, trat jedoch schon im August 1857 auf seine Bitte in den Ruhestand. Die Zeit des Ruhestandes benützte Singer ausschließlich zu Reisen im Auslande; kein Staat Europa’s blieb von ihm unberührt, selbst Theile Asiens, Afrika’s und Nordamerika’s zog er in den Bereich seiner Forschungen. Als er auf einer Reise durch Deutschland begriffen war, brach der Krieg 1859 aus, er eilte der Heimat zu und stellte sich zur Disposition. Se. Majestät der Kaiser betraute ihn mit dem Truppen-Commando in Krakau; doch trat er nach dem Friedensschluß in den Ruhestand wieder zurück, um bis zu seinem Ableben die Reisetouren fortzusetzen. Ein seltener Scharfblick charakterisirte den biederen und, wie sein Nekrolog schreibt, in seinen Ansichten etwas eigensinnigen Soldaten, der, nebenbei bemerkt, einer der hervorragendsten Linguisten war, indem er alle europäischen Sprachen gleich geläufig sprach und schrieb. Seinem Ableben folgte noch ein interessantes Nachspiel. Wiederholt schon hatte eine Frau in St. Petersburg sich an den Verein zur Unterstützung von armen hilfsbedürftigen Deutschen mit der Bitte um Hilfe gewendet. Als man von ihr verlangte, sie solle sich durch ihre Papiere legitimiren, gab sie an, keine zu besitzen, berichtete aber, sie stamme aus Oesterreich, ihr Vater wäre während der polnischen Revolution gehenkt, ihre Mutter in Folge dessen irrsinnig geworden, sie selbst aber als Gouvernante in Brasilien gewesen, und durch allerlei Schicksalswendungen bis nach Petersburg verschlagen worden. Der Mangel aller Papiere, durch welche sich die Unglückliche hätte legitimiren können, hatte zur Folge, daß die Behörde sie mittelst Zwangspasses nach Oesterreich abstellte, da die Anfragen, welche in dieser Sache nach Wien gerichtet worden waren, unbeantwortet blieben. Kaum aber war die Fremde auf obbesagte Weise in ihre Heimat befördert worden, als an die Petersburger Botschaft ein Telegramm einlief, welches die Angaben der Frau bestätigte, und beifügte, daß ihr Onkel, der k. k. Feldmarschall-Lieutenant Singer, gestorben sei, und ihr, wie die Zeitungen meldeten, ein Capital von 75.000 fl. ö. W. vermacht habe. [Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung (Wien, gr. schm. 4°.) 1871, Nr. 6 in der Rubrik „Sterbefälle“. – Fremdenblatt (Wien, 4°.) Von Gustav Heine 1871, Nr. 105.]. –