BLKÖ:Slop von Cadenberg, Joseph Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 35 (1877), ab Seite: 154. (Quelle)
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Slop von Cadenberg, Joseph Anton (Astronom, geb. zu Caden in Südtirol 31. Oct. 1740, gest. zu Pisa 4. Febr. 1808). Sein Vater, Franz Anton, Bürger von Trient, war ein geachteter Handelsmann mit Seidenwaaren, welcher von der Kaiserin Maria Theresia mit Diplom vom Jahre 1760 zugleich mit seinem Bruder Anton in den Adelsstand des h. römischen Reiches mit dem Prädicate „Cadenberg“ erhoben wurde. Die Mutter unseres Slop, Lucretia eine Frau von seltenen Vorzügen, gehörte zur Familie Panvinia, berühmt durch Onofrio Panvinia[WS 1]. Nachdem der junge Slop in seinem Vaterlande das Studium der lateinischen Sprache und der Philosophie vollendet hatte, sandte ihn sein Vater auf die Universität in Pisa, um unter der Leitung des Pater Berti, dessen Tischgenosse und Liebling er durch zwei Jahre war, die Theologie zu studiren; da er aber zum geistlichen Stande, wozu ihn sein Vater bestimmen wollte, keine Neigung hatte, so studirte er gleichzeitig die Rechte und erhielt im Jahre [155] 1762 daselbst die Doctorwürde. Mit vielem Fleiße widmete er sich dem mathematischen Studium, wozu er besondere Vorliebe hatte und es bereits in Trient ohne Anleitung, sodann in Pisa und auch in Rom, wohin ihn der Vater der Rechtspraxis wegen gesandt hatte, mit allem Eifer betrieb. Nach zweijährigem Aufenthalte in Rom wurde er bei seiner Zurückkunft nach Pisa von dem Astronomen Perelli im Jahre 1765 zu seinem Gehilfen vorgeschlagen und vom Großherzog Peter Leopold dazu auch wirklich ernannt. Im Jahre 1769 gab er auf ausdrücklichen Befehl des Großherzogs die ersten vierjährigen (1765–69) astronomischen Beobachtungen heraus, die er auf der Sternwarte von Pisa gemacht hatte, denen er eine Vorrede beifügte, die eine Beschreibung und Verbesserung der Instrumente, womit jene Anstalt versehen war, enthielt. Im Jahre 1770 erhielt Slop die Stelle eines Professors der Astronomie und 1771 ließ er die Theorie über den Lauf der zwei in den Jahren 1769 und 1770 erschienenen Kometen drucken, wovon die Theorie des ersten auf seine eigenen Beobachtungen sich gründete. Diese Arbeit wurde auch in den sechsten Band der Sammlungen des Institutes von Bologna aufgenommen und gedachte Gesellschaft erwählte ihn deßwegen auch unaufgefordert zu ihrem Mitgliede. In den Jahren 1773, 1778, 1789 und 1793 erschienen in jedem Jahre seine ferneren vierjährigen Beobachtungen. Den sechsten und letzten Band gab sein ältester Sohn, damals Gehilfe, unter Leitung des Vaters, im Jahre 1795 heraus. Im Jahre 1782, vierzehn Monate, nachdem Herschel den neuen Planeten Uranus aufgefunden hatte, war Slop der Erste, der hierüber eine Berechnung ankündigte, welche mit einem Unterschiede von wenigen Secunden durch seine eigenen vielfältigen Beobachtungen bestätigt wurde. Diese Arbeit kam zu einer Zeit heraus, wo noch Mancher diesen Planeten für einen Kometen ansah, und dessen parabolische Laufbahn der berühmte Boschovitsch[WS 2] entwarf, welche nach den Slop’schen Beobachtungen von dem wahren Laufe um mehrere Grade abweicht. Slop entwickelte die Bahnlinie aus eigenen Beobachtungen, die er im Zeitraum von neun Monaten und sechs Tagen angestellt hatte, während welcher Zeit der Planet nur einen Bogen von 31/2 Graden in seiner Laufbahn zurückgelegt hatte. Außer den angezeigten Werken befinden sich noch mehrere Arbeiten von Slop in den Ephemeriden von Berlin, andere wieder sind in den Acten der Società italiana delle Scienze enthalten, unter deren vierzig Mitgliedern S. seit ihrer Gründung schon erscheint: Die Titel der astronomischen Arbeiten Slop’s sind: „Observationes siderum habitae Pisis in specula academica etc.“ (Pisis 1769, 4°.); Fortsetzungen davon (ebd. 1774, 1778, 1789 und 1793); – „Theoria cometarum annorum 1769 et 1770“ (ib. 1771, Fol.), auch im VI. Bande der Commentarii Bononienses; – „Novi planetae observationes et theoria“ (ib. 1782, 4°.); – „Opposizione d’ Urano osservata negli anni 1790, 1791, 1792“ im VIII. Bande (1799) der Memorie della Società italiana; – „Ueber die von Ptolomäus angenommene Fortrückung der Fixsterne in der Länge“, in Bode’s „Jahrbüchern“ 1779; – „Von der Zeitgleichung“ (ebd. 1778); – „Ueber Bernouilli’s Formeln und Tafeln für das Mittagsfernrohr“ (ebd.); – „Von der geographischen Länge von Pisa und Rochon’s neuem Mikrometer“ (ebd. 1780); – „Astronomische Beobachtungen und [156] Nachrichten“ (ebd. 1781, 1783 und 1786). In der Folge wurde S. auch Mitglied der Göttingischen Gelehrten-Gesellschaft. Seine vielfältigen und schätzenswerthen Arbeiten verschafften ihm die Freundschaft vieler der ersten Astronomen und Mathematiker seiner Zeit und mit vielen von ihnen stand er in brieflichem Verkehr. So wurde sein Name auch außerhalb Italien rühmlich bekannt. Am Abend des 14. December 1807 wurde er vom Schlage gerührt, mit dessen Folgen er einige Monate hindurch kämpfte, bis er unterlag und am 4. Februar 1808 für immer die Augen schloß. Er war 68 Jahre alt geworden. Seine sterbliche Hülle ruht in Pisa in der Vorstadt bei den Kapuzinern, an der Seite seiner Gattin. Die Familie scheint später in die preußischen Rheinlande übersiedelt zu sein, denn es befindet sich in der Adelsmatrikel derselben laut Eingabe ddo. Cleve 1. Juli 1829 in der Classe der Edelleute unter Nr. 73 ein Anton Slop von Cadenberg eintragen.

Bote für Tirol und Vorarlberg vom 26. Februar 1821. [Nach diesem geboren gegen Ende des Jahres 1739.] – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, Lex.-8°.), Bd. II. Sp. 942. [Nach diesem geb. 31. October 1740.]
Wappen. Schild blau durch einen silbernen, mit drei rothen Rosen belegten Querbalken getheilt. Oben ein linksstehender goldener Adler mit ausgespannten Flügeln und Fängen; unten drei, 1 über 2, goldene Sterne.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Onofrio Panvinio (Wikipedia).
  2. Rugjer Josip Bošković (Wikipedia).