BLKÖ:Stadion, Johann Philipp Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 32. (Quelle)
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16. Johann Philipp Joseph Graf S. (geb. 6. October 1652, gest. 2. Jänner 1742), ein Sohn des Johann Christoph von S., fürstlich würzburgischen Rathes und Amtmannes von Trimberg, mit Maria Magdalena, n. A. Maria Agnes von Ostein. Johann Philipp Joseph war zuletzt k. k. Geheimrath, kurmainzischer Geheimrath und Großhofmeister, wurde am 15. October 1682 von Kaiser Leopold I. in den Reichsfreiherrn-, am 1. October 1705 von Kaiser Joseph I. in den Reichsgrafenstand erhoben. Auch hatte Kaiser Leopold dem durch seine Stellung am Mainzer Hofe so einflußreichen Minister die Herrschaft Warthausen verliehen und als nach dem Sturze Georg Ludwigs von Sinzendorf [Bd. XXXV, S. 17, Nr. 11], dessen Güter dem Fiscus verfielen, erkaufte der Graf Stadion die reichsunmittelbare Herrschaft Thannhausen, in Folge dessen der Graf beide Namen mit dem seinigen verband und sich nunmehr Graf Stadion, Herr auf Warthausen und Thannhausen nannte. Nach diesen beiden Herrschaften führten in der Zukunft und bis auf die Gegenwart die von Johann Philipp Josephs zwei Söhnen Friedrich und Hugo Joseph Philipp gestiftete friedericanische und philippinische Linie ihre Namen, indem Erstere sich Stadion-Warthausen, Letztere Stadion-Thannhausen nennt. In Folge des Besitzes der Herrschaft Thannhausen wurde Graf Johann Philipp Joseph am 8. Mai 1708 in das schwäbische Grafen-Collegium introducirt. Der Graf, welcher in seinem hohen Alter noch Botschafter bei der Wahl Karls VI. und rheinischer Kreisgesandter bei dem Utrechter und Badener Friedenscongresse gewesen, war seiner Zeit die Seele aller Reichsgeschäfte und nichts Wichtiges reifte der Ausführung entgegen, ohne daß sein Gutachten privat oder öffentlich eingeholt worden wäre. Johann Philipp gilt auch als Erbauer der im Bereiche der Herrschaft Kauth gelegenen Wallfahrtskirche Tannaberg, wo er 1740 die kleinste Pfarrei der Christenheit – 12 Pfarrgenossen – ein kleines Kapuzinerkloster für drei Patres und einen Frater, welche er mit jährlichen 600 fl. dotirte, begründete. Eine auf der Spitze des Berges befindliche uralte Capelle wird für einen der Göttin Diana von dem Römer Trephon erbauten Tempel gehalten. Die auf dem Gewölbe der Capelle in rauher Ausführung befindlichen Thier-Figuren deuten auf diesen Ursprung und ein sehr hohes Alterthum. Ehe noch die Kapuziner durch den Grafen Stadion dahin gekommen, war dieser Ort, Michelsberg genannt, ein stark besuchter Wallfahrtsort, an dem sich eine Legende knüpft, in welcher der Mainzer Bischof Bonifacius mit Hilfe des Erzengels Michael dem Teufel sein Recht an dem von ihm bis dahin behaupteten Orte streitig macht. Bei dem Kampfe, welcher zwischen Bonifaz und Erzengel Michael einerseits und dem Teufel andererseits damals Statt gehabt, verlor der Erzengel aus seinem Flügel eine Feder und zu dieser Feder gingen nun die Wallfahrten, bis zur Zeit der Reformation die Feder des Erzengels in Verlust gerathen und bisher nicht wieder gefunden worden. Der Römer Trephon erbaute aber in dieser Gegend auch noch eine Ortschaft Namens Trephonis Truilla, welches später zu dem urberühmten Tripstrill (Treffenstrill) corrumpirt worden, das sich in seiner Anwendung als „geflügeltes Wort“ nachmals vertausendfacht hat, da man gewohnt ist, lästige Menschen nach diesem berühmten Orte zu senden, wo „alte Weiber jung gemahlen werden“. Der Graf war dreimal verheirathet, zuerst (seit 6. October 1675) mit Anna Maria Eva Faust von Stromberg, zum zweiten Male (seit 27. August 1685) mit Maria Anna Gräfin Schönborn, zum dritten Male (seit 1705) mit Maria Anna Wambold von Umstatt. Aus erster Ehe hatte er fünf, aus zweiter acht, aus dritter zehn Kinder, dem 74jährigen Greise gebar die dritte 43jährige Gattin das jüngste 24. Kind Johann Karl, den nachmaligen Propst zu Mariengnaden in Mainz. Acht von seinen Kindern bekleideten kirchliche Würden, nämlich fünf Söhne, welche Bischofs- und Domherrenwürden innehatten, und drei Töchter, von denen die eine, Sophia Theresia, Fürst-Aebtissin zu Münsterbilsen war. Der ganze Familienstand ist aus der Stammtafel ersichtlich. –