BLKÖ:Stamm (Böse Zungen)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 113. (Quelle)
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Nicht zu verwechseln mit obigem Humanisten Fernand Stamm ist sein Namensvetter Stamm, der als Redacteur der nach ihm benannten „Stamm’s böse Zungen“ kein beneidenswerthes Andenken hinterlassen. Das genannte Blatt gehörte seinerzeit zu den Koryphäen der Revolverpresse. Der persönliche und Familienscandal war darin in Permanenz erklärt. Der Redacteur, ein geborener Wiener, beutete die letzte Zeit vor Ausbruch des Krachs, so gut es eben ging, aus; mit dem Krach waren auch die „bösen Zungen“ verstummt, und der Redacteur machte, wie bei den Redacteuren der Revolverpresse logisch ganz erklärbar, eine Schwenkung und ging in das Lager der Ultramontanen über. Er wurde etwa im Sommer 1875 Redacteur des „Volksfreund“. In einem „Eingesendet“ erklärte Stamm’s Mutter, Elise Stamm, bald nach dem zu Anfang des Jahres 1878 erfolgten Tode ihres Sohnes, „sein Uebergang vom liberalen [114] ins ultramontane Lager sei kein plötzlicher gewesen, und zwischen der Herausgabe der „Bösen Zungen“ und der Uebernahme der Redaction des „Volksfreund“ lag ein Zeitraum von vier ereignißvollen Jahren. Ihr Sohn habe seine Gesinnung aus Ueberzeugung geändert, er habe auch für seine Ueberzeugung schwer gelitten. Von Rivalen verfolgt, von Ueberanstrengung und Schmerz aufgerieben, mußte er in der Blüthe des Lebens zu Grunde gehen. Seine letzten Worte, als er schon mit dem Tode rang, waren: „Ich schwöre, ich habe nach Gewissen gewählt.“ Thatsache ist, daß nach dem Ableben des Cardinals Rauscher sein Nachfolger keine Opfer mehr für das Blatt bringen wollte, und Stamm mit einer anständigen Abfertigung entlassen wurde, mit welcher er bis zu seinem, in Folge eines organischen Leidens, in jungen Jahren erfolgten Tode sein Dasein fristete. [Presse 1878, Nr. 32: Ein Eingesendet der Mutter Stamm, als nach dem Tode ihres Sohnes die Wiener Blätter Notizen über den Verstorbenen brachten, welchen die Mutter widersprechen zu müssen glaubte.]