BLKÖ:Starck, Johann David Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 214. (Quelle)
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Starck, Johann David Edler von (Industrieller, geb. zu Graslitz in Böhmen 4. Mai 1770, gest. zu Altsattl ebd. 10. November 1841). Von [215] seinem 14. Jahre an war er seinem Vater, der in Graslitz eine Branntweinbrennerei und einen Krämerhandel betrieb, zur Hand. Da er mit seinem Vater die Märkte in Sachsen besuchte, lernte er dort die Mousselinweberei kennen, welche er dann in der Gegend von Graslitz einführte. Im Jahre 1792 pachtete er das Messingwerk zu Silberbach, brachte dasselbe in guten Gang und errichtete daselbst die erste Alaunhütte. Im Jahre 1802 kaufte er das Mineralwerk Hromitz bei Pilsen; im Jahre 1804 das Braunkohlenwerk Davidsthal bei Falkenau und führte bei der Alaunerzeugung die Braunkohlenfeuerung ein. Im Jahre 1815 kaufte er das Mineralwerk Altsattl bei Ellbogen und das Mineralwerk Unterlittmitz ebenda, und errichtete im Jahre 1826 in Altsattl ein Alaunwerk, bei welchem im J. 1828 eine Dampfmaschine aufgestellt wurde, die erste in Böhmen, welche dem Bergbau diente. Im Jahre 1831 kaufte er das Mineralwerk Oberlittmitz. Schon im Jahre 1829 hat S. die Leitung des Werkbetriebes seinem jüngeren Sohne Anton überlassen und sich von den Geschäften zurückgezogen. Er lebte seit dieser Zeit meist in Prag, wo er im Alter von 71 Jahren starb, nachdem er in Würdigung seiner um die Industrie erworbenen Verdienste noch im Jahre 1836 in den erbländischen Adelsstand erhoben worden war. Aus der voranstehenden Schilderung der einzelnen Geschäftsbetriebe sind diese Verdienste nicht ersichtlich; im Folgenden soll eine gedrängte Darstellung derselben gegeben, dabei jedoch sollen die Leistungen von Vater und Sohn zusammengefaßt werden. Johann David S. hatte es verstanden, sich mit geringen materiellen Mitteln und ohne wissenschaftliche Vorstudien, durch seine Intelligenz, verbunden mit Umsicht und Energie, zu einem Montan-Industriellen ersten Ranges emporzuschwingen. Die unter seiner Leitung erstandenen Kohlen- und Mineralwerke hat S. in kurzer Zeit so emporgebracht, daß ihm schon die Beurtheilungs-Commission über die Prager Ausstellung vom Jahre 1831 in ihrem Berichte den Ehrenplatz unter jenen Männern einräumt, welche durch Begründung bisher unbeachtet gebliebener Industrien und Steigerung derselben zu großartigem Betriebe auf Handel und Wandel im Kaiserstaate großen und ersprießlichsten Einfluß geübt. Seinem Unternehmungsgeiste ist der erste Aufschwung des Kohlenbergbaues. namentlich auf Braunkohlen, im Ellbogener Kreise, zu danken. Johann David ist der Begründer der Flaschen-, Retorten- und Kolbenerzeugung in Böhmen, welche bald großartige Summen repräsentirte. Er war es, der die Erzeugung des Vitriolöls, des Rußes, der seiner Vortrefflichkeit wegen nach Deutschland ausgeführt wurde. des Vitriolsteins u. s. w. begründete. Sein Sohn Anton erweiterte und vergrößerte diese Industrien. So erzeugte im Jahre 1838 diese Firma 19.260 Centner Vitriolöl, 227.000 Centner Eisenvitriol, 6575 Centner Schwefel, 1200 Centner Schwefelblumen und 5000 Centner Caput mortuum. Dieses rohe Caput mortuum wurde nur zur Farbenfabrication verwerthet, welche in Bras eingeführt wurde. In drei Sorten geschieden, werden durch Abrösten und Glühen theils mit, theils ohne Zusatz von Kochsalz 57 Farbennuancen von blutroth bis havanahbraun, jährlich an 20.000 Centner dieser Producte im Werthe von 14–16.000 fl. bereitet. Wie die Erzeugung [216] dieser verschiedenen Producte mit den Jahren stetig zunahm, ersehen wir, da dieselbe in 16 Jahren (von 1838 bis 1854) betrug: 47.000 Centner Vitriol, 320.000 Centner Alaunerze, 586.000 Centner Alaunschiefer, 709.000 Centner Braunkohlen. 43.000 Centner Vitriolstein, 18.000 Centner Alaun und 75.600 Centner Tafelglas. Die Berg- und Mineralwerke, im Egerer und Pilsener Kreise vertheilt, umfaßten zusammen im J. 1855 an belehntem Feld 4,744.688 Quadratklafter, 3 Schwefelkies-, 4 Alaunerz-, 3 Alaunschiefer-, 6 Braun- und 3 Steinkohlen-Grubenbaue mit 118 Schachten, 14 Stollen und 6 Dampfmaschinen, ferner mit 160 Galeerenöfen mit 34.154 Retorten, 3 Schwefelsäurekammern, 4 Schmelz- und 4 Strecköfen für Tafelglas, 30 Salpeter-, 6 Salzsäure-Oefen und 20 Rußöfen. Im J. 1855 waren an sämmtlichen Werken beschäftigt 39 Beamte, beim Bergbau 1449 stabile, 200 zeitliche Arbeiter, 21 Steiger, in den Aufbereitungs- und Fabricationswerkstätten 1051 stabile, 1290 zeitliche Arbeiter, 16 Aufseher, im Ganzen über 4000 Personen. Noch ist die Einführung der Stein- und Braunkohlenfeuerung bei der Fabrication des Tafelglases besonders zu erwähnen, da diese einen besonders wichtigen wirthschaftlichen Factor im Hinblick auf die bis dahin bestandene ungleich kostspieligere Kohlenfeuerung bildet. Zur Ergänzung des Vorstehenden sei noch bemerkt, daß auch das humanistische Moment auf diesen großartigen und weitverzweigten Industrien nicht unberücksichtigt geblieben, und daß auf den Starck’schen Werken durch Unterstützungen bei Alter und Krankheit durch Pensionen, Knappschaftskassen, unentgeltliche ärztliche Hilfeleistung, Theuerungszuschüsse, durch Unterricht der Jugend u. s. w. Vorsorge für ein menschenwürdiges Gedeihen der Arbeiter und ihrer Familien getroffen ist. Alles dieß hat sich aus dem Unternehmungsgeiste eines fast mittellosen Krämersohnes entwickelt! – Was der Vater mit einfachen Mitteln so verdienstlich begonnen und so erfolgreich emporgebracht, hat des Sohnes Anton Umsicht und Energie fortgesetzt. Anton von Starck (geb. in Böhmen im Jahre 1808[WS 1]) hat in der Wiener Weltausstellung des Jahres 1873, in dem nach seiner Firma benannten eigenen „Pavillon Starck“ [Pavillon 35, Zone 1], gezeigt, daß er zu den Großmächten der österreichischen Industrie zählt. Eine besondere Broschüre: „Die Firma J. D. Starck, ihre Berg- und Mineralwerke und Fabriken“, ferner Uebersichtskarten von dem Besitze der Firma J. D. Starck im Pilsener und im Egerer Kreise, geben dem Fachmanne die ausführlichsten und interessantesten Aufschlüsse. An Auszeichnungen wurden der Firma im Jahre 1855 in Paris für Spiegel- und Tafelglas die goldene Ehrenmedaille, für Bergwerkproducte im Jahre 1867 in Paris die große silberne Medaille zu Theil. Aber nicht bloß auf industriellem Gebiete blieb Anton von S. thätig, auch am öffentlichen und politischen Leben nahm er werkthätigen Antheil. So wurde er schon im Jahre 1861 von der Pilsener Handelskammer in den böhmischen Landtag und von diesem in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichstages gewählt, in welchem er die ganze Legislatur-Periode hindurch verblieb. Am 30. November 1869 aber wurde er auf Lebensdauer in das Herrenhaus berufen. Am 31. October 1873 erfolgte aus Anlaß seiner hervorragenden Betheiligung an der Wiener Weltausstellung. [217] seine Erhebung in den Freiherrnstand.

Jahrbuch für den Berg- und Hüttenmann des österreichischen Kaiserstaates für das Jahr 1848 (Wien, gr. 8°.), I. Jahrg., S. 170: Biographische Skizze. – Tagesbote aus Böhmen (Prager Local-Blatt), 1855, Nr. 179. – Presse (Wiener politisches Blatt, kl. Fol.) 1855, Nummer vom 7. October: „Aus den österreichischen Abtheilungen des Pariser Industrie-Palastes XIV“. – Exner (Wilhelm Franz Professor Dr.), Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart (Wien 1873, 8°.) S. 104.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1818.