BLKÖ:Stein, Maximilian Baron

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stein, Nannette
Band: 38 (1879), ab Seite: 40. (Quelle)
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Stein, Maximilian Baron (ungarischer Revolutions-General in den Jahren 1848 und 1849, geb. im Krakauer Gebiete im Jahre 1811, gest. in der Türkei im Jahre 1860). Später unter dem Namen Ferhad Pascha bekannt. Nachdem er seine Vorbereitungsstudien beendet, trat er in die kaiserliche Armee und war bereits im Jahre 1843 Capitän-Lieutenant im Ingenieur-Corps und im genannten Jahre in der Festung Olmütz in Verwendung. Bei Ausbruch der Revolution im Jahre 1848 befand er sich als Bau-Officier in der Festung Peterwardein. Die Maßnahmen des neuen ungarischen Ministeriums waren im Anbeginn ganz und gar nicht nach seinem Sinne; endlich aber führte ihn, wie hundert Andere, das kaiserliche Handbillet irre, das allen Officieren, die in Ungarn in dienstlicher Verwendung standen, es zur Pflicht machte, den Eid auf die ungarische Verfassung zu leisten. Stein mit den übrigen Officieren in dieser Festung legte den Eid ab, und nun stand er auch mit Leib und Seele zur ungarischen Sache. Er glaubte durch seinen ihm anbefohlenen Eid sich gebunden und wurde nun Wortführer der Sache, in welcher er bei seinen tüchtigen militärischen Kenntnissen, namentlich auf fortificatorischem Gebiete, wesentliche Dienste zu leisten begann [41] und bald die Aufmerksamkeit der Führer der Rebellion auf sich lenkte. Als Feldmarschall-Lieutenant Hrabowsky [Bd. IX, S. 350] zum königlichen Commissär gegen Jellačić ernannt worden war, wurde ihm Stein beigegeben, welcher die verwickelten diplomatischen Verhandlungen mit nicht geringem Geschick leitete. Später entwarf er den nicht ganz zur Ausführung gelangten Plan zur Einnahme von Karlowitz, nahm die Gegenden der Bacska von Peterwardein bis Verbasz zum Zwecke der strategischen Operationen genau auf und machte einen Plan zur Occupation von Szent-Tamás. Nun ernannte ihn die Revolutions-Regierung zum Chef des Generalstabes der ungarischen Bacska-Banater Armee, darauf zum General-Adjutanten des Kriegsministeriums und Chef der Militär-Central-Kanzlei. In dieser Stellung entwickelte S. eine die Bewegung mächtig fördernde Thätigkeit, und nur seinen Anordnungen, seiner Umsicht und Energie vor Allem ist zu danken, daß in das Chaos des ungarischen Heeres nach dem Rückzuge über die Theiß nach so kurzer Zeit wieder wohlgegliederte Ordnung kam. Stein wurde in kurzer Zeit Vertrauensmann Kossuth’s, der die Geistesgaben des tüchtigen und praktischen Genieofficiers wohl zu würdigen und zu benützen verstand. Sein scharfes, schneidiges Wesen gewann ihm zwar nicht die Liebe der Officiere, wohl aber stachelte es ihren Eifer an, da sie seinen Spott fürchteten und seinen bitteren Sarkasmen nicht verfallen wollten. Man erzählt von Stein, daß, als der revolutionäre Landtag genöthigt war, seine Berathungen in Debreczin fortzusetzen, eines Tages die Bedrängniß einen solchen Höhepunct erreichte, daß die Ablegaten sammt und sonders die Köpfe verloren, und nahe daran waren, sich ohne weiters, indem jeder das Weite suchte, aufzulösen. In diesem bedenklichen Momente der Rathlosigkeit und des Schreckens machte Stein’s kalter Hohn die Väter des Vaterlandes stutzen und die Scham kam über sie, sie blieben und beriethen weiter. Nicht minder erfolgreich war seine Thätigkeit im Feldzuge des Winters 1848/49. In Siebenbürgen übernahm Stein am 20. April das Commando über das Belagerungs-Corps der Festung Karlsburg, dessen Commandant Oberst Georg August [Bd. I, S. 89] die Uebergabe verweigerte, und die 144tägige Belagerung bis zu dem am 1. August erfolgten Entsatze aushielt. Nach der Waffenstreckung bei Villagos flüchtete sich Stein mit Bem und anderen Führern der Rebellion in die Türkei und trat daselbst, nachdem er den Islam und den Namen Ferhad Pascha angenommen hatte, in die Dienste der osmanischen Armee. Unter Omer Pascha machte er im Jahre 1856 den Feldzug in Asien mit. Sein beißender Spott den die Orientalen weniger vertragen mochten als einst seine europäischen Waffengefährten, brachte ihn in schlimme Verwicklungen. Insbesondere seine satirischen Schriften gegen Riza Pascha und andere höher gestellte türkische Officiere zwangen das Seroskierat, Stein verhaften zu lassen, und die unmenschliche Behandlung, welche Stein während seiner Verhaftung zu überstehen hatte, führte sein vorschnelles Ende herbei, denn er starb im vollen Mannesalter, erst 49 Jahre alt. Vor seinem Eintritte in die kaiserliche Armee soll Stein, wie andere Nachrichten melden, schon unter den Carlisten in Spanien [42] die Vorschule eines Revolutionskrieges durchgemacht haben.

Militär-Zeitung. Herausgeg. von Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) 1860, S. 532 und 539: „Zur Geschichte der Belagerung von Karlsburg im Jahre 1848“. – Ostdeutsche Post (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 319, im Feuilleton: „Abenteuer eines deutschen Officiers. Ein Mittagsmahl bei Ferhard (sic) Pascha (Oberst Stein)“. – Encyklopedyja powszechna, d. i. Polnisches Conversations-Lexikon (Warschau, Orgelbrand, Lex.-8°.), Bd. XXIV, S. 128.