BLKÖ:Sterneck zu Ehrenstein, Maximilian Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 38 (1879), ab Seite: 301. (Quelle)
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Maximilian Daublebsky von Sterneck in der Wikipedia
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Sterneck zu Ehrenstein (Daublebsky), Maximilian Freiherr von (Contre-Admiral in Seiner Majestät Kriegsmarine und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Prag 14. Februar 1829). Der jüngste Sohn des innerösterreichischen Appellations-Präsidenten Joseph Freiherrn Sterneck zu Ehrenstein [s. d. S. 295] aus dessen zweiter Ehe mit Franziska Freiin von Kaiserstein. Freiherr Maximilian widmete sich dem See-Kriegsdienste, wurde in dem Marine-Collegium ausgebildet und trat im Jahre 1847 in den activen Dienst, wurde 1848 Fregattenfähnrich, 1853 Schiffslieutenant, 1859 Corvetten-Capitän, 1861 Fregatten-Capitän, welche Rangstufen er in üblicher Weise durchmachte. Als im Jahre 1866 der Krieg mit dem mit Frankreich verbundenen Italien ausbrach, commandirte er als Linienschiffs-Capitän die Panzer-Fregatte Erzherzog Ferdinand Max, das Flaggenschiff des Vice-Admirals Tegetthoff, der ihn für den Vertrauensposten des Flaggen-Capitäns gewählt hatte. In welch entscheidender Weile S. zu dem Siege bei Lissa am 20. Juli 1866 beitrug, ist nachstehend den Acten in der Kanzlei des Maria Theresien-Ordens entnommen, welche die Bestätigung des commandirenden Vice-Admirals selbst, so wie das freiwillig von den Officieren der Panzerfregatte ausgestellte Tapferkeitszeugniß enthalten. Vor der Schlacht ließ Vice-Admiral Tegetthoff das Signal hissen: „Den Feind anzulaufen und ihn zum Sinken zu bringen.“ Um demselben Folge zu leisten, unterließ S. es nicht, des Admirals besonderes Augenmerk auf die mangelhafte eigene Artillerie zu lenken, die dem feindlichen Panzer wohl Schaden machen könne, aber einen großen Erfolg nicht erwarten lasse, und trachtete sodann durch kühnes, wohlberechnetes Manöveriren des Schiffes selbst, einen solchen zu erringen. Den Platz auf dem Achtercastelle und in den Kreuzwanten, als zur Uebersicht am besten geeignet, für sich wählend, brach Sterneck mit seinem Schiffe, dem führenden der im Angriffswinkel auf die italienische Linie stürzenden österreichischen Escadre, mitten durch dieselbe, wobei er auch ein feindliches Panzerschiff [302] vorne rammte, so daß es bedeutende Haverien erlitt, die noch durch das wohlgezielte Feuer des Ferdinand Max erhöht wurden. – Auf das nun folgende Signal: „Erste Division die Holzdivision unterstützen“, warf sich jene mit heldenmüthiger Bravour auf den inneren Theil der feindlichen Panzerschiffe. Auch nun vermochte S. abermals ein feindliches Panzerschiff Steuerbord achter zu rammen, wobei dasselbe wesentlich beschädigt wurde und mehrere Panzerplatten verlor, es litt außerdem unter dem heftigen Artilleriefeuer. Hiebei wurde dessen Flagge, welche, an der Besahngaffel wehend mit dieser durch den Zusammenprall über den Ankerkrahn des Ferdinand Max gestürzt war, unter dem heftigsten Gewehrfeuer erobert. – Endlich um 11 Uhr 30 Min. gelang das in den Annalen der Marine bisher unbekannte, für unausführbar erklärte und die überlegenste Ruhe und Sicherheit erfordernde Manöver des Rammens vollständig, nachdem es bereits zweimal versucht und gewagt war. Mitten unter den feuernden Schiffen ersah Sterneck das mächtige Panzerschiff Ré d’Italia, dessen Curs kreuzend, und hielt sofort, mit voller Kraft fahrend, auf dasselbe zu und traf es mit furchtbarem Stoße senkrecht auf seine Bordwand, etwas achter des Fockmastes an Backbord; fest auf die andere Seite übergelegt, rollte dasselbe sodann zurück, die Fluthen drangen in das ungeheuere Leck, welches der Sporn des Ferdinand Max gebrochen hatte, und in weniger denn 21/2 Minuten versank der Stolz der feindlichen Flotte, das Vorschiff voraus, mit Allen, die an Bord waren. Unter dem heftigsten Feuer der so weit überlegenen Italiener vollführt, entschied diese unerhörte, Schrecken verbreitende Heldenthat den Erfolg des Tages, an dem allein durch Sterneck’s Bravour und Seemannschaft zwei feindliche Panzerschiffe beschädigt wurden und eines der neuesten, stärksten und schönsten, welches darum bis zum Schlachttage die Flagge des Admirals Persano geführt hatte, mit 500 Mann verloren ging. Der Anerkennung des Monarchen, des Vaterlandes und insbesondere der Flotte schloß sich das bevorzugende Vertrauen des Vice-Admirals Tegetthoff, dem S. stets nahe gestanden hatte, fernerhin und bis zu dessen Tode an. Bei der folgenden Organisation der Marine, namentlich bei den eingreifenden und wichtigen Maßregeln zur Ausbildung der Mannschaft und der Unterofficiere auf dem Artillerie- und den anderen Schulschiffen übertrug derselbe Sterneck die Durchführung. Im Jahre 1872, wo S. zum Contre-Admiral befördert wurde, unternahm er mit Grafen Wilczek eine kühne und interessante Fahrt auf der Jacht Eisbjörn, die den Zweck hatte, die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition Weyprecht und Payer’s zu unterstützen, traf diese in Nova Semlja und kehrte nach vollkommener Lösung der Aufgabe von der Petschora-Mündung aus mitten durch ganz Rußland zurück. In den Jahren 1873–1875 befehligte Sterneck die Escadre im Mittelmeere, überall und namentlich bei der Revolution in Spanien das Ansehen der österreichischen Flagge geltend machend. Seither ist derselbe Commandant des See-Arsenals zu Pola, in welchem die Instandhaltung der Gesammtflotte Oesterreichs seiner Fürsorge anvertraut ist.

Acten des Archivs des k. k. Maria Theresien-Ordens in Wien. – Wiener Neuigkeitsblatt, 1874, Nr. 60: „Von der Nordpol-Expedition“.