BLKÖ:Straßern, Anton Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Straßer (Henker)
Band: 39 (1879), ab Seite: 278. (Quelle)
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Straßern, Anton Ritter von (Humanist, geb. im Jahre 1813, gest. in Wien am 13. November 1869). Sein Vater oder Großvater, Joseph Straßern, Besitzer der Herrschaft Kottingbrunn in Niederösterreich, wurde 1787 in den erbländischen Ritterstand erhoben. Ueber den Bildungs- und Lebensgang Antons liegen keine Nachrichten vor. Er brachte seit Jahren den Sommer in Baden bei Wien zu, wo er ein Haus besaß und als Freund der Armen und Dürftigen denselben in aller Stille reichlich aushalf, nebstbei aber auch als Sonderling galt, wofür man gemeiniglich Jeden anzusehen pflegt, der, um seine Umgebung sich weiter nicht kümmernd, eben von seinen Menschenrechten Gebrauch macht und ganz nach seiner Façon lebt. In einem unscheinbaren, fast ärmlichen Gewande wurde er auf der Promenade der Stadt, am meisten aber in der Arena gesehen, die er regelmäßig, trotz Wind und Wetter besuchte, und in welcher er, wie es in einem ihm gewidmeten Nachrufe heißt, bei eintretendem Regen unter aufgespanntem Schirm bis auf den letzten Mann ausharrte. So lebte er, von den Armen und Dürftigen wohlgekannt, sonst aber wenig beachtet, seine Tage dahin. Erst mit seinem Ableben richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf den edlen Mann, der sich nach seinen letztwilligen Verfügungen als einen Wohlthäter Badens in ganz großartigem Maßstabe erwies. Wenn sich die anfangs auf Millionen bezifferte Erbschaft, die Baden zugefallen sein sollte, auf über 200.000 fl. reducirte, so war es noch immer eine ansehnliche Summe, welche der Verstorbene zu Gunsten seiner Lieblingsstadt hinterließ. So sollen ein Curhaus und ein Spital errichtet und an verschiedenen Puncten Verschönerungen durch Alleen und Parkanlagen ausgeführt werden. An einer passenden Stelle auf dem Kirchenplatze ist dem Erzherzog Anton, als erstem Verschönerer Badens, ein Denkmal zu errichten. Dem Theaterdirector fiel ein ansehnliches Legat zu, auch war die Herausgabe eines in Baden zu erscheinenden Blattes in Aussicht genommen. Andere Verfügungen bestimmen: die Aufbesserung der Gehalte und Pensionen der Communalbeamten, die Tilgung der Gemeindepassiven; daß die ansehnliche Summe, welche der Verstorbene in der Stadt hergeliehen – man gab sie auf über 40.000 fl. an – vor 20 Jahren nicht zu künden und die Interessen an die Commune zu zahlen sind. Um dem Wohlthäter Badens ihre Dankbarkeit zu bezeugen, beschloß die Gemeindevertretung eine neuzueröffnende Straße und einen Platz nach seinem Namen zu benennen.

Tagespresse (Wiener Localblatt) 1869, Nr. 39: „Die Erbschaft der Stadt Baden“. Von Asmodi. – Neues Wiener Tagblatt, 1869, Nr. 323, und 1870, Nr. 29.