BLKÖ:Strigl, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 45. (Quelle)
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Strigl, Joseph (Schulmann und Domcapitular von Linz, geb. zu Obernberg nächst dem Chorherrenstifte Reichersberg in Oberösterreich im Jahre 1796, gest. 13. December 1858). Der Sohn mittelloser Eltern, verlor er schon in seinem achten Jahre den Vater. Die Witwe behielt den Knaben zunächst noch einige Jahre im Hause, und als er zwölf Jahre zählte, brachte sie ihn zu ihrem Nachbar, einem Kürschner, in die Lehre, aber da seine Arme zu schwach waren, mußte er schon nach einem halben Jahre dieses Geschäft aufgeben. Nun kam er zu einem Buchbinder, einem Verwandten, der ihn aber auch nach wenigen Monaten schon aus gleicher Ursache heimschickte. Zum Handwerke untauglich. [46] sollte er Schulgehilfe werden. Aber da er seines krummen linken Armes wegen die Geige nicht spielen konnte, kehrte er zu der Mutter zurück, die in ihrer Trostlosigkeit alle weiteren Versuche, für das Fortkommen ihres Sohnes zu sorgen, fahren ließ. Aber da half eine mitleidige Nachbarin, die sich bei dem Pfarrer des benachbarten Stiftes Reichersberg für den Knaben verwendete. Es war dies der nachmalige Reichersberger Propst Anton Straub [Bd. XXXIX, S. 312]. Gute Menschen sonst noch nahmen sich des fleißigen Knaben an, der regelmäßig das nachbarliche Kloster besuchte, sehr fleißig lernte und als er 1812 das Gymnasium in Passau bezog, durch Unterrichtertheilen und die Unterstützung wohlthätiger Menschen sich forthalf. Strigl selbst erzählt in ungemein schlichter, doch um so mehr anregender Weise diese Geschichte seiner Jugend in einem vielgedruckten Aufsatze: „Wie ich Student wurde“. 1819/20 hörte er, in Salzburg die philosophischen, in den beiden folgenden Jahren in Linz die theologischen Studien und erhielt 1823 die Priesterweihe. In die Seelsorge eintretend, blieb er vier Jahre als Cooperator zu Uttendorf thätig, worauf er 1828 das Vicariat in Neukirchen bei Frankenburg übernahm. Von dort kam er 1835 als Pfarrvicar nach Frankenburg, wo er 1838 zum Vicedechanten aufrückte. Im J. 1841 erhielt er die Pfarrei Frankenmarkt, wurde 1843 Schuldistricts-Aufseher und geistlicher Rath. 1844 Domicellar-Canonicus von Mattsee, 1845 Consistorialrath, 1847 Dechant und 1849 Domcapitular in Linz und in letzterer Eigenschaft noch im folgenden Jahre Diöcesanschulen-Oberaufseher, k. k. Ehren-Schulrath und Ehren-Canonicus von Mattsee mit den Insignien. Im Jahre 1853 übertrug ihm der Bischof Rudigier von Linz, der eben seine Diöcese angetreten hatte, die Leitung des Linzer Priester-Seminars, welche er durch fünf Jahre bis an sein im Alter von 62 Jahren erfolgtes Ableben versah. Strigl war neben seinem priesterlichen Berufe auch ein gediegener Schulmann. Er begründete im Jahre 1851 die Monatschrift „Die deutsche Volksschule“, deren Redaction er selbst einige Zeit besorgte. Dieses Blatt, im Namen des „Vereins zur Versorgung der Schullehrer-Witwen und Waisen im Lande Oesterreich ob der Enns“ ins Leben gerufen, wurde zur leichteren Verbreitung um den beispiellos niederen Preis von 45 Kreuzern für das ganze Jahr ausgegeben. Es betheiligten sich daran die tüchtigsten Schulmänner, und es war ein gediegenes Hilfsmittel zur Förderung des niederen Schulunterrichtes[WS 1]. Im November des Jahres 1852 erließ er an den gesammten Diöcesanclerus, an den Lehrstand, an die Eltern und an alle Schul- und Jugendfreunde den ersten Aufruf um milde Beiträge: „Zur Gründung eines Fondes zu Stipendien für Schulpräparanden und in der Folge, so Gott will, eines Schullehrer-Seminariums“. Sein Aufruf verhallte nicht in der Luft, in wenigen Jahren schon bestand das Seminar mit eigenem Hause und einem beträchtlichen Capital, das sich alljährlich vermehrte und einen namhaften Zuschuß nach dem Tode seines Gründers erhielt, welcher dieses Institut in seinem Testamente zum Universalerben seines Vermögens eingesetzt hatte. Strigl war als Schulmann und Priester auch schriftstellerisch thätig, er schrieb meist für Schulblätter, und seine Arbeiten fanden sich in seinem Nachlasse in vielen Bänden gesammelt. Von seinen im Buchhandel erschienenen Schriften sind mir bekannt: [47] „Guter Rath in den wichtigsten Fällen der sittlich guten Erziehung der Kinder“ (Linz 1832, Haslinger, mit Titelkupfer, 8°.); – „Der Seelenarzt am Krankenbette“ (ebd. 183.); – „Geschichte des bischöflichen Alumnates in Linz“ (ebd. 185.); – „Geschichte des bischöflichen Diöcesan-Knabenseminars am Freinberge“ (ebd. 185.). – und „Beschreibung der zweiten österreichischen Pilgerfahrt nach Palästina“ (ebd. 185.). Die letztere Schrift ist das Ergebniß einer von Strigl bereits im vorgerückten Alter, im Jahre 1856, zu dem Zwecke unternommenen Pilgerschaft nach Palästina, um im heiligen Lande den Grundstein zu brechen für den Mariä Empfängniß-Dom in Linz, den Bischof Rudigier auf seine Kosten zu bauen beschlossen hatte. Strigl führte dieses Vorhaben aus und ließ den Stein aus eigenen Mitteln über das Meer nach der Stätte bringen, aus welcher der neue Kirchenbau sich erheben sollte.

Linzer Zeitung, 1858, Nr. 289, im Feuilleton: „Nekrolog“. – Katholische Blätter. Herausgegeben vom katholischen Central-Vereine in Linz (4°.) X. Jahrg. (1858) Nr. 51; „Joseph Strigl“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schulunterichtes.