BLKÖ:Stritar, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Strigl, Joseph
Nächster>>>
Strixner, August
Band: 40 (1880), ab Seite: 47. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Josip Stritar in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1048085562, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stritar, Joseph|40|47|}}

Stritar, Joseph (sloven. Schriftsteller, geb. zu Pod Smreko Pfarre Großlaschitsch in Unterkrain im Jahre 1836). In den Jahren 1844 bis 1846 besuchte er die Volksschule in Großlaschitsch, 1847 die dritte Classe an der Musterhauptschule in Laibach und 1848–1855 das Gymnasium daselbst. Diese Studien legte er durchwegs mit ausgezeichnetem Erfolge zurück. Von Laibach begab er sich nach Wien, wo er an der Hochschule unter Professor Bonitz [Band II, S. 53], dessen Liebling er wurde, Philologie hörte. Wohl hatte er die Absicht und gewiß auch die Fähigkeit, sich nach beendeten philologischen Studien den Staatsprüfungen zu unterziehen, unterließ es aber, weil er, als Hauslehrer und Erzieher sehr beliebt, in wohlhabenden Wiener Familien unter den günstigsten Bedingungen ein mehr als ausreichendes und überdies unabhängiges Fortkommen fand. Als im Jahre 1855 in Klagenfurt der „Slovenski Glasnik“ unter Anton Janezič’s Redaction erschien, trat er darin zunächst mit seinen ästhetisch-kritischen Abhandlungen auf. Auch erschien damals ein Bruchstück seiner slovenischen Uebersetzung von Lord Byron’s „Mazeppa“. 1869 veröffentlichte er unter dem anspruchlosen Titel „Pesmi“, d. i. Gedichte, bei F. K. Geitler in Wien seine eigenen lyrischen Dichtungen. Im folgenden Jahre gründete er in Wien bei den Mechitaristen das slovenische Unterhaltungsblatt „Zvon“, d. i. Die Glocke, das er aber schon nach Ablauf des ersten Jahrgangs wieder aufgab. Gleichfalls bei den Mechitaristen erschienen 1872 aus seiner Feder: „Presirnova pisma iz clizije“, d. i. Preschern’s Schriften, und „Dunajski soneti“, d. i. Sonette von der Donau, welch letzteres Buch wie ein Blitzstrahl in das allen politischen Anstand verhöhnende Treiben der slovenischen Pervaken einschlug, mit welchem Namen von ihm die Volks(ver)führer der Krainer Slovenen gekennzeichnet wurden. Stritar, der sich in seinen poetischen Leistungen als einen ebenso begabten als sprachfertigen slovenischen Dichter offenbarte, hat es, der Erste, gewagt, den politischen Kannegießern seines engeren Vaterlandes mit diesen begeisterten Gedichten entgegenzutreten, in welchen er ihren Kirchthurmpatriotismus mit der ätzenden Lauge des Witzes und des Spottes [48] begießt. In den literarischen Kreisen Wiens sich bewegend, hatte er lange genug mit Unmuth die Aufhetzungen jenes Pervakenthums betrachtet, bis er seiner Ueberzeugung von der Verwerflichkeit der Motive dieses depravirenden Elementes seiner engeren Heimat in dem Cyclus von 15 Sonetten in slovenischer Sprache Ausdruck gab. Als dieses Büchlein nun erschien, worin er die Matadore des Slovenenthums Bleiweis, Costa, Lesar, Professor Pojk in Marburg und Professor Marn in besonderen Sonetten geißelt, ferner gegen die Ausbeutung des Volkes durch Schaffung von Sinecuren und von Banken, sowie durch ausschließliche Betheilung der Cliqueanhänger mit Ehren und Erträgniß, des Dichters Zorneswort erhebt, da gab es natürlich großes Geschrei im Lande Slovenien, und das Laibacher Blatt „Novice“ griff in seinem Ingrimm zu einem Knüttel, um für die Sache der Pervaken dreinzuschlagen; aber diese Gegenwehr mißlang und die Wirkung der Sonette wurde eher verstärkt denn abgeschwächt. Die Sonette aber fanden in der deutschen Presse Oesterreichs eine Aufnahme, die kaum einem slovenischen Buche bisher zutheil geworden. Im Jahre 1876 nahm er den „Zvon“ wieder auf und er redigirt ihn noch zur Stunde. Inzwischen unterzog er sich an der Wiener Hochschule den zur Erlangung eines öffentlichen Lehramtes vorgeschriebenen Prüfungen und ist gegenwärtig Professor an einem der Wiener Gymnasien. Unter dem Pseudonym Boris Miran soll er auch auf dem Gebiete der Novellistik thätig gewesen sein.

Laibacher Tagblatt, 1872, Nr. 123, im Feuilleton: „Wiener Sonette“ und Nr. 124: „J. Stritar und die Pervaken“.