BLKÖ:Szela, Jacob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Székuly, Michael
Band: 42 (1880), ab Seite: 32. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1019297360, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Szela, Jacob|42|32|}}

Szela, Jacob (Bauer und Anführer der Bauern gegen die polnischen Rebellen 1846, geb. zu Smarzowa im Tarnower Kreise, im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, gest. in der Bukowina um das Jahr 1860). Eine ebenso merkwürdige als von der polnischen Agitationspartei gewissenlos und hartnäckig verleumdete Persönlichkeit, daher die ersten drei unten bezeichneten Quellen nichts weniger als solche anzusehen sind, welche Wahres und Authentisches über diesen berühmten und streng loyalen Bauernführer berichten, sondern nur als Schriften einer verbrecherischen Partei, welche die Erhebung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln beschönigen, wenn nicht gar rechtfertigen will. Szela war Bauer zu Smarzowa im Tarnower Kreise Galiziens. Bei der kaiserlichen Armee eignete er sich [33] in der Schulung des Compagniedienstes jene Kenntnisse und jene Lebenspraxis an, welche sich in allen seinen Handlungen kundgeben. Ein längst ausgedienter Soldat, lebte er in den Jahren von 1846 an als Grundwirth und Gemeindedeputirter in seinem Geburtsorte. Unter den Ruthenen in Galizien haben sich die Eindrücke der umwälzenden, alle Mißverhältnisse zwischen Bauer und Edelmann nach Möglichkeit ausgleichenden Reformen Josephs II. lebendig erhalten. Der galizische Bauer zunächst hatte den wohlthätigen Einfluß kennen gelernt, den sein Kaiser, dieser echte Schätzer der Menschen, aus die Besserung der Lage und der Verhältnisse der Bauern genommen. Wie die Mehrzahl der galizischen Bauern, besaß auch Szela eine für seinen Stand ungewöhnliche Intelligenz, welche im Laufe der militärischen Dienstzeit – zu jener Zeit noch volle vierzehn Jahre – nur bedeutend geschärft worden war. Durch eigene Beobachtung und Erfahrung, durch Ueberlieferung aus dem Munde seines Vaters und gleichgesinnter Nachbarn hatte er frühzeitig die Ueberzeugung gewonnen und festgehalten, daß der Bauer nur von den kaiserlichen Behörden eine gerechte und humane Auslegung der Gesetze zu erwarten habe. Trotz aller Ausnahmen, die ja auch hier wie überall vorkommen, war es immer so und wird es immer so bleiben. Mit unermüdetem Eifer und seltener Ausdauer suchte sich Szela Kenntnisse in der Unterhausgesetzgebung zu erwerben und erlangte auch mit der Zeit eine solche Fertigkeit in der Auslegung und Anwendung derselben, daß er es darin bald mit dem geschicktesten Rechtsanwalt aufnehmen konnte. Dabei war er ein musterhafter Oekonom, empfänglich für landwirthschaftliche Verbesserungen, wodurch er von dem größten Theile der übrigen Bauern vortheilhaft abstach, die sich aus Mißtrauen jeder Neuerung verschlossen. Die Nachrichten, daß er für ein begangenes Verbrechen eine längere Haft im Criminale ausgestanden. sind absichtliche Erfindungen, an denen nicht ein Härchen Wahrheit ist. Wenn Szela jene Gesetzeskenntniß zunächst im eigenen Interesse, um seine Rechte zu wahren, benützte, so war er doch auch voll Theilnahme für seinen Stand, dem er bei Gelegenheit mit Rath zur Seite ging. Die meisten Bauern der damaligen Zeit waren durch die gleichsam als Recht bestehenden Bedrückungen der Edelleute so eingeschüchtert, so ohne alles Bewußtsein ihres Rechtes, daß sie kaum eine Ahnung davon hatten, daß das benachbarte Kreisamt ihre unmittelbare, zunächst zu ihrem Schutz eingesetzte Obrigkeit sei, bei welcher sie, wenn Anlaß vorlag, Klage erheben, gegen Entscheidungen der grundherrlichen Beamten Einsprache thun, überhaupt Schutz und Hilfe finden konnten. Der ruthenische Bauer war in der That, wie Szaszkiewicz es den polnischen Edelleuten auf dem Landtage offen ins Gesicht sagte, durch die Bedrückung von Seite der Polen Helot. Wenn er, was gar nicht selten, ja in manchen Gegenden als Regel vorkam, mißhandelt ward, so sah er dies wohl als Druck an und wehklagte auch, daß aber an ihm eine Ungesetzlichkeit, ein Frevel begangen wurde, über den er sich höheren Orts beklagen konnte, wußte er nur ausnahmsweise. Er konnte sich freilich bei jedem Rechtsfreunde Aufklärung über den Sachverhalt verschaffen, hier aber stand ihm das unbesiegbare Mißtrauen gegen Alles, was er „Pani“, die Herren, nannte, entgegen, und er zog es in [34] seinem Trotze lieber vor, Unrecht über sich ergehen zu lassen. Erwägt man diese Umstände, so läßt sich leicht ermessen, welch’ Aufsehen es unter Bauern erregen mußte, einen Mann in ihrer Mitte zu finden, der treu ihrer Gesinnung und Denkweise handelte und mit ungewöhnlicher Intelligenz begabt, ihnen einen verläßlichen Rechtsfreund abzugeben im Stande war. Als sich die Rathschläge, welche Szela den Bauern seiner Gemeinde ertheilte, in der Regel erfolgreich erwiesen, eilten auch aus fremden Dörfern Landsleute mit ihren Anliegen herbei, die er nun prüfte und ihnen so überzeugend erklärte, daß sie, belehrt, zufriedener heimkehrten, als sie gekommen waren. Und da sein Ansehen unter solchen Umständen bei der Landbevölkerung mit jedem Tage stieg, so war er natürlich auch stolz auf seinen Einfluß und half mit seinem Rathe nur um so bereitwilliger. So wurde Szela, der beim Militär auch schreiben gelernt hatte, in kurzer Zeit der Winkelschreiber der ganzen Gegend, nur daß er als solcher für seinen Rath, für seine Hilfe kein Geld nahm und überhaupt nur Rath ertheilte, um zu helfen, was gewöhnlich die Folge war. So gewann er denn allmälig einen ins Unglaubliche reichenden Einfluß unter der Bauernbevölkerung der Umgegend weit und breit, und sein Name war bald in aller Munde. Im Laufe der Jahre gelangte er aus der Kenntniß der von ihm geprüften Fälle zu drei Ueberzeugungen, welche ihm als Richtschnur bei seinen Handlungen und Rathschlägen dienten: 1. die Lage der Bauern in Galizien sei immer noch eine ungünstige, und ohne daß ein Recht angetastet zu werden brauche, großer Verbesserung fähig; 2. dieser Verbesserung stehe nur der polnische Adel entgegen; 3. der Bauer in Galizien habe überhaupt von Niemand etwas Gutes zu erhoffen als vom Kaiser und der denselben vertretenden amtlichen Regierung. Diese Ansichten offen auszusprechen und praktisch zu entwickeln, fand er mehr als einmal Anlaß, in besonders eclatanter Weise aber in einem Streite seiner Gemeinde Smarzowa mit der Grundherrschaft Bogusz. Es handelte sich dabei um Robotüberbürdung. Szela hatte zu diesem Ende in allen Einzelnheiten die Verhältnisse seines Heimatsortes studirt, hatte Einsicht genommen in alle Inventarien und war zur Ueberzeugung gekommen, daß die Gemeinde wegen grober Verletzung des Robotpatentes und der Inventarien durch die Grundherrschaft derselben den Proceß machen und eine Entschädigung beanspruchen könne. Er nahm nun auch keinen Anstand, diese Entdeckung offen auszusprechen, worüber begreiflicherweise im ganzen Kreise ein ungeheurer Lärm entstand. Die Gemeinde Smarzowa blieb auch nicht unthätig, sie wählte Szela zum Gemeindedeputirten und betraute ihn mit der Führung des Rechtsstreites gegen die Familie Bogusz bei dem Kreisamte zu Tarnow. Während der Proceß geführt wurde, stellte es sich tatsächlich heraus, daß die Bauern von Smarzowa seit dem Jahre 1789 jede Woche um 80 Robottage übervortheilt worden waren. Als Ritter von Breinl Kreishauptmann des Tarnower Kreises wurde, bemühte sich derselbe, einen Vergleich zwischen der Grundherrschaft und den Bauern herbeizuführen, um die Aufregung nicht zu steigern. Szela blieb jedoch unbeugsam aus dem Rechtsboden stehen, wollte von einem Vergleiche nichts wissen und entkräftete auf Grund der Inventarien jede Einrede seiner Gegner, wodurch sich [35] natürlicherweise der Proceß in die Länge zog. Die Familie Bogusz that auch ihrerseits Alles, um der sie bedrohenden Gefahr des Schadenersatzes zu entgehen. Sie trug zunächst darauf an, Szela seines Amtes als Gemeindedeputirter zu entsetzen, worauf das Kreisamt in der Hoffnung, dadurch Frieden zu stiften, leider auch einging. Szela aber ließ sich durch diese ungerechtfertigte Verfügung nicht beirren, er hielt beharrlich am Rechte fest und ergriff zunächst den Recurs an das Gubernium, und als dieses die kreisamtliche Entscheidung bestätigte, wendete er sich an die Hofkanzlei in Wien. Dort machte aber seine Schrift einen solchen Eindruck, daß die Entscheidungen der unteren Behörden umgestoßen wurden und die Entschließung erfloß: „Da gegen den Grundwirth in Smarzowa Jacob Szela nichts vorliege, was dessen Unzulässigkeit zum Deputirten begründe, so habe ihn die Grundherrschaft und das Kreisamt als solchen anzuerkennen“. Nun wurde der Proceß der Gemeinde Smarzowa gegen die Familie Bogusz in Galizien erst zu einer cause célèbre. Szela sprach im Namen der Gemeinde eine Entschädigung von 80.000 fl. an, und der Proceß befand sich eben im günstigsten Stadium für die Gemeinde, als die nahende Revolution den Rechtsstreit unterbrach. Szela’s Ansehen aber war auf’s höchste gestiegen, und die Bauern priesen die Gerechtigkeit des Kaisers, da sie sogar gegen die Beamten Recht erhalten hatten. Der Liebling der Landbevölkerung konnte von der revolutionären Partei nicht unbeachtet bleiben. Sein Einfluß auf die Bauern war zu groß; als die Gährung auf dem Lande zunahm und der Ausbruch mit jedem Tage erwartet wurde, kamen dieselben von allen Seiten zu Szela, um sich bei ihm Rathes zu erholen; er aber warnte sie fest und entschieden, keinen Verlockungen und Versprechungen Folge zu leisten, sondern alles Heil nur vom Kaiser zu erwarten und treu zu ihm zu halten. So standen die Dinge, als am 18. Februar 1846 die unglückselige Bewegung ihren Anfang nahm. Szela befand sich eben nicht daheim, und als er zurückkehrte, war der Kampf zwischen den Insurgenten und den Bauern bereits entbrannt. Nun machte sich sein Einfluß auch sofort geltend, denn vom 19. Februar ab war er Commandant aller Bauern im südöstlichen Theile des Tarnower und. im Norden des Jasloer Kreises. Sein Verhalten in dieser Zeit wurde von der Agitationspartei in der Folge in wahrheitswidriger Weise entstellt, und er hat gerade das Gegentheil von dem gethan, was ihm diese unverbesserlichen Lügner aufbürden. Es wurden nach bewältigtem Aufstande von Seite der Regierung genaue Erhebungen nach dieser Richtung gepflogen, und es stellte sich heraus, daß er allen Gräuelthaten, welche leider verübt wurden, ferne geblieben, daß er ganz im Sinne der Regierung und der Menschlichkeit Raub, Mord und Todtschlag zu verhüten bemüht war. Zu Smarzowa hielt er eine bewaffnete Schaar und 17 berittene Bauern als Ordonnanzen und leitete mit Klugheit und Umsicht alle Anstalten zur Vernichtung der Insurgentenschaaren, wenn er solchen in offenem Felde begegnete. Was bei Gefangenen oder in den Edelhöfen in den Besitz seiner Bauern gelangte, übergab er als Commandant bis auf den geringfügigsten Gegenstand den Kreisämtern, im Ganzen Sachen im Werthe von mehreren hunderttausend Gulden. Er dachte nicht im entferntesten daran, [36] am Adel Rache zu nehmen, und wenn fremde Bauern in sein Territorium einfielen, was bei der damaligen Wirthschaft oft genug vorkam, so vertrieb er sie mit Waffengewalt. Alles dies ist amtlich festgestellt worden. Als die Ordnung wieder hergestellt war, legten Szela’s Bauern zuerst die Waffen nieder, und als vom Kreisamte die Aufforderung an ihn erging, die Bauern zur Leistung der von denselben überall verweigerten Robot – deren Aufhebung ja erst nach 1848 stattfand – zu bewegen, versprach er es, und seine Gemeinde war auch die erste, welche sich fügte. Dafür blieb er aber Gegenstand der wüthendsten Angriffe von Seite der Agitationspartei. Von der Presse, sei es in Journalen, sei es in Flugschriften, wurde er als ein im Solde der Regierung stehendes verrufenes Individuum, als Räuber und Mordbrenner dargestellt. Diese Partei hatte ein bisher unaufgeklärtes Interesse, aus ihm ein Ungethüm sonder Gleichen zu machen, ihn als einen Sträfling zu bezeichnen, der, von den österreichischen Criminalgerichten wiederholt abgestraft, von Rachbegier und Blutdurst brannte: Alles notorisch erwiesene Unwahrheiten, die nur insofern einen Erklärungsgrund bieten, als ihm diese Partei durch Lüge und Verleumdung zu entgelten bemüht war, daß er seit Jahren den Unbilden, die der polnische Adel den galizischen Bauern zufügte, und den verbrecherischen Umtrieben der nationalen Partei überall mit Entschiedenheit entgegentrat. Wie weit dieser ungerechtfertigte Haß sich verstieg, beweist folgende Thatsache. Ein Mitglied der Familie Bogusz, Felix Bogusz, wandte sich bittschriftlich an den Kaiser, indem er Szela der Theilnahme an dem Morde von sechs Familiengliedern anklagte und die Einleitung einer strengen Untersuchung gegen denselben verlangte. Nun ist es volle Wahrheit, daß in den Schreckenstagen des 18., 19, und 20. Februar 1846 an der Familie Bogusz eine so furchtbare Niedermetzlung verübt wurde, daß sie in ganz Europa Aufsehen erregte. Stanislaus Bogusz, Gutsherr von Rzedzanowicze, fuhr am 18. Februar Vormittags nach Siedlisko, zahlreichen Proviant in seinem Wagen mit sich führend. Unterwegs von den Bauern in Jaworce angehalten und revidirt, wurde er von denselben nach Pilsno gebracht, daselbst schrecklich mißhandelt und mit Dreschflegeln todt gehauen. Ein ähnliches Schicksal ereilte den Gutsherrn von Siedlisko, Victor Bogusz, der zu Kamienica einen furchtbaren Tod erlitt. Aber die durch jahrelange Bedrückung aufs tiefste erbitterten Bauern gaben sich damit noch nicht zufrieden, sondern stürmten noch Siedlisko selbst, drangen in den herrschaftlichen Hof ein und ermordeten den Vater der beiden vorgenannten Stanislaus und Victor Bogusz. Durch dieses Blutvergießen bereits im hohen Grade fanatisirt, erschlugen sie noch weitere drei der ihnen verhaßten Familienglieder. In der oben erwähnten Bittschrift behauptete nun Felix Bogusz, daß Szela und die Bauern von Smarzowa diese Gräuelthaten aus Privatrache angestiftet und zum Theil auch ausgeführt hätten. Nun wurde im Auftrage der Regierung bei dem Kreisamte in Tarnow die strengste Untersuchung über die eben geschilderten Vorgänge eingeleitet, und das Ergebniß war folgendes: Weder habe Szela allein oder gemeinschaftlich mit den Bauern an diesen Gräuelthaten theilgenommen, noch überhaupt irgend einen [37] Antheil daran gehabt; die Mordthaten an der Familie Bogusz seien von durchwegs fremden Bauern aus Kamienica, Strzegozice, Jaworce und Pilsno verübt worden. Dagegen habe Szela die Apollonia Bogusz, eine 70jährige Matrone, ihre Schwiegertöchter und vier kleine Kinder in seiner eigenen Wohnung viele Tage versteckt gehalten, sie ordentlich verpflegt und gegen alle Unbilden vertheidigt. Die erschlagenen Mitglieder der Familie Bogusz seien durchaus nicht Opfer einer Privatrache, sondern jene, der allgemeinen Revolution geworden, an der sie selbst lebhaften Antheil genommen. So hatten sich alle von Felix Bogusz erhobenen Anklagen als völlig grundlos herausgestellt. Auffallend aber mußte es erscheinen, daß ein Mitglied dieser Familie gerade gegen jenen Mann die Anschuldigung des Mordes erhob, dem so viele Mitglieder derselben eben in jener schrecklichen Zeit ihr Leben und ihre Rettung verdankten. Nach Beendigung des Processes trat ein Umstand ein, der den alten regierungstreuen Szela tief bewegte. Kreishauptmann von Breinl bat, von dem Posten, den er bisher bekleidete, abberufen zu werden, und die Regierung willfahrte dieser Bitte, indem sie denselben nach Brünn versetzte. Sein Nachfolger Czetsch gab nun der Regierung den Rath, Szela aus der Gemeinde zu entfernen, und dieser Antrag ward auch genehmigt. Szela erhielt an Stelle seines bisherigen Besitzes in Smarzowa eine schöne Wirthschaft in der Bukowina und mußte, ein siebzigjähriger Mann, seine Heimat verlassen. Der Greis fühlte sich über diesen Vorgang tief gekränkt, aber loyal bis zu seinem letzten Athemzuge, folgte er ohne Widerspruch dem ihm bereiteten Loose, ging in seine neue Heimat, wo er lebte, wie er in Smarzowa gelebt, treu und anhänglich seinem Kaiser, in dem er den alleinigen Schutzherrn seines Standes erkannte, und wo er auch nach einigen Jahren starb, ein Muster echter Loyalität. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß die „Laibacher Zeitung“ 1869, Nr. 113 und 114, im Feuilleton einen Artikel, betitelt: „Richter Sala. Eine Episode aus dem galizischen Bauernaufstande des Jahres 1846“, brachte, worin Mittheiler obiger Lebensskizze den Bauern und Gemeinde-Deputirten Jacob Szela aus Smarzowa zu erkennen glaubt.

Miczowski (Stanislaus). Szela der galizische Bauernchef oder die Blut- und Schreckensscenen in Galizien während des polnischen Aufstandes in Galizien im Jahre 1846 (Grimma 1846, 8°.). [Wir halten dafür, daß dieser Autorname ein erdichteter und die ganze Darstellung eine Grimma’sche Buchhandels-Speculation ist, wie deren aus diesem betriebsamen Städtchen schockweise hervorgegangen sind. Anders ist es wohl mit den zwei folgenden Schriften bestellt, die in Betreff Szela’s ganz falsch berichtet sind.] – Tessarczyk (A.), Rzecz galicyjska, d. i. Die galizische Sache (Krakau 1848). – Czaplicki (Wladiaław), Powieszcz o Horozanie, d. i. Die Erzählung von Horozan (Lemberg 1862). – Erinnerungen aus Galizien (Prag 1863, F. A. Credner). [Authentische auf reiner Wahrheit beruhende Darstellung.] – Encyklopedija powszechna, d. i. Allgemeine (polnische) Encyklopädie (Warschau 1866, Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXIV, S. 603. [Die fünfzehn Zeilen, aus welchen dieser Artikel besteht, sind ebenso viele Unwahrheiten.] – Im Jahre 1866 brachten die Zeitungen unter der Ueberschrift: „Der Adjutant des Bauernkönigs Szela“ eine Notiz, welche eben wieder denselben in einer Weise schildert, die das rechte Bild dieses merkwürdigen Mannes vollends trübt. Die unlautere Quelle, aus welcher diese Notiz kam. ist nicht schwer zu errathen. – Pikanter dagegen war eine Mystifikation eines slavischen [38] Blattes in Wien, welches derselben im Mai 1868 zum Opfer fiel. Ein Correspondent berichtete nämlich von einem ruthenischen Nationalfeste, das in Lemberg stattgefunden. In diesem Berichte hieß es nun: „Der berühmte Virtuos Szela habe die ebenfalls berühmte Composition Chominsky gedichtet, unter nie gehörtem Applaus vorgetragen“. Nun ist Szela eben jener berühmte Bauer, dessen Lebensskizze oben mitgetheilt wurde, Chominski aber der Name eines schon verstorbenen kaiserlichen Beamten, der zuletzt die Stelle eines Polizeidirectors bekleidete. Beider Namen stehen aus den Ereignissen des Jahres 1846 bei den Bewohnern des Tarnower Kreises (daher auch „Held von Tarnow“) in lebendiger Erinnerung, aber Beide, welche nach polnischen Ueberlieferungen nur als Helden in Mordscenen erscheinen, haben nie als Verfasser, Componisten und Künstler figurirt. Das Ganze war nur eine Mystification plumpster Art, welcher man noch die Krone dadurch aufsetzte, daß der – natürlich ungenannte – Berichterstatter von einer ruthenischen Dame zwei Lieder vortragen ließ, deren von ihm in ruthenischer Sprache mitgetheilte Titel ihrer Obscönität wegen schlechtweg unübersetzbar sind. Ruthenische Damen sind, wie der Mittheiler dieses Vorgangs nebenbei bemerkt, in Lemberg so häufig anzutreffen, wie Seeschlangen in der Donau.
Porträt. Dasselbe erschien 1846 im Pariser Journal „L’Illustration“ im Holzschnitt, mit der Unterschrift: „Szela, un des chefs des paysans insurgés de la Galicie“ [es stellt den berühmten Mann in ganzer Gestalt in seiner einfachen Landestracht, entblößten Hauptes, in der herabhängenden Linken den breitkrämpigen Hut haltend, dar].