BLKÖ:Szaszkiewicz, Gregor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 194. (Quelle)
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Szaszkiewicz, Gregor (Deputirter des Achtundvierziger Reichstages und ruthenischer Dompropst zu Przemysl in Galizien, geb. zu Sosolowska am 5. Februar 1809). Die meisten Mitglieder der Familie Szaszkiewicz, welche dem wolhynischen Adelsstande angehört, wirkten im geistlichen Stande, dem auch unser Gregor sich widmete. Zwei Monate nach dem Tode seines Vaters, eines Privatökonomen, geboren, wurde er von seinem Oheim väterlicher Seits, Roman Szaszkiewicz, Pfarrer in Ucieczko, an Kindes Statt angenommen. Zu Buczacz, wo sämmtliche Lehranstalten unter der Obsorge und Leitung des Basilianer-Ordens stehen, besuchte er die vierclassige Hauptschule und das sechsclassige Gymnasium. Darauf hörte er an der Lemberger Universität den zweijährigen Curs der philosophischen und als Zögling des ruthenischen Clerical-Seminars den vierjährigen der theologischen Studien. Nach Beendigung der letzteren am 27. November 1831 zum Priester geweiht, trat er im Jänner 1832 als Verweser der Pfarre [195] Czernelica in Ostgalizien in die Seelsorge. Schon um diese Zeit, da er noch gar nicht den prononcirt ruthenischen Standpunkt einnahm, auf dem er sich später mit großer Entschiedenheit behauptete und sozusagen Führer seines von den Polen bedrückten Stammes wurde, begannen die Umtriebe gegen ihn. Bei Gelegenheit einer canonischen Visitation des Metropoliten Michael Lewicki [Bd. XV, S. 40] trat der Grundherr und Kirchenpatron von Czernelica, Napoleon Raciborski klagbar gegen Szaszkiewicz auf und verlangte die Entfernung desselben von der Pfarre. Die Ursache dieses sonst durch nichts begründeten Vorgehens lag darin, daß der junge Pfarrverweser den Machinationen Raciborski’s und dessen gleichgesinnter Genossen nicht Vorschub leisten wollte. Als nämlich mit dem Erlöschen der polnischen Erhebung vom Jahre 1831 das Corps des Generals Dwernicki beim Ueberschreiten der galizischen Grenze entwaffnet wurde, verbreitete sich im Lande eine Unzahl fremder unruhiger Elemente, die auf den verschiedenen im Umkreise von Czernelica gelegenen Gutshöfen der polnischen Edelleute Unterkunft und Verpflegung fanden und daselbst ihre weiteren nicht immer legalen Pläne schmiedeten. Unser Szaszkiewicz, den die polnische Propaganda zu ihren patriotischen Banketen heranziehen wollte, hielt sich von denselben zurück. Als aber die Polizei gegen die sich immer steigernden offenkundigen Umtriebe einzuschreiten genöthigt war, wurde er als vermeintlicher Urheber dieser Maßregeln von der Propaganda angefeindet, ja sogar mit dem Tode bedroht. Bei der erwähnten canonischen Visitation mußte nun, da der Kirchenpatron auf Entfernung seines Pfarrers drang, die Sache untersucht werden. Kaum aber hatte die Pfarrgemeinde von dem Schritte Raciborski’s Kenntniß erhalten, als sich aus eigenem Antriebe fünfzig der vornehmsten Mitglieder derselben zum Metropoliten begaben, vor diesem alle gegen ihren Seelsorger erhobenen Anklagen als Verleumdungen aufdeckten und um dessen Belassung einstimmig baten. Und so verblieb Szaszkiewicz denn auch in der That auf seinem Posten. Da sich aber die Polen in ihrer Feindseligkeit gegen ihn bis zur Bedrohung seines Lebens verstiegen, bat er selbst um Versetzung auf eine andere Stelle. In Folge dessen kam er Ende Februar 1835 als Pfarrverweser nach Uhrinow bei Stanisławów, wo er schon im folgenden Jahre wirklicher Pfarrer wurde. In seinem neuen Amte benützte er jede Gelegenheit, um seiner Anhänglichkeit an die gesetzliche Regierung Ausdruck zu geben. Zunächst that er dies bei dem feierlichen Trauergottesdienste, welcher aus Anlaß des Ablebens des Kaisers Franz im März 1835 stattfand. In Gegenwart der versammelten ruthenischen Geistlichkeit des Decanates Stanisławow und der landesfürstlichen Behörden hielt er in deutscher Sprache die Gedenkrede, welche dann sowohl im Originaltexte als in polnischer Uebersetzung auf Kosten des Kreisamtes gedruckt und unentgeltlich vertheilt wurde. Und damit war der polnischen Partei wenig Freude geschehen. Im Uebrigen lag Szaszkiewicz den Pflichten seines geistlichen Amtes ob und suchte durch zweckmäßige Einrichtungen der in sehr verwahrlostem Zustande übernommenen Pfarre aufzuhelfen, was ihm auch allmälig gelang. Dadurch steigerte sich sein Ansehen in der Umgebung und selbst in polnischen Kreisen [196] immer mehr. Aus dieser gedeihlichen Thätigkeit wurde er durch die Märzereignisse des Jahres 1848 aufgeschreckt. Als am 20. März die Kunde von den Ereignissen in Wien über Lemberg nach Stanisławow gelangte, rief sie eine unbeschreibliche Aufregung unter den polnischen Patrioten hervor. Bald war Stanisławow der Hauptschauplatz der politischen Umtriebe der sogenannten polnischen Partei, welche durch das Gebaren der damaligen Nationalgarde einen immer weniger harmlosen Charakter annahmen. Das ruthenische Landvolk sah diesem Treiben mit verbissenem Unmuthe zu, und als es demselben hie und da Luft machen wollte, und Ausbrüche der Leidenschaft wie im Jahre 1846 zu besorgen waren, beschwichtigte Szaszkiewicz die Aufgeregten und bewahrte die Gegend vor Gräueln, die um so weniger ausgeblieben wären, als nun auch die frei gewordene Presse alles that, die Gemüther aufzustacheln und den Parteihader zu fördern. Als das von Julian Alexander Kamiński [Bd. X, S. 421] herausgegebene Flugblatt „Co to się stało we Lwowie?“, d. i. Was ist denn in Lemberg geschehen?, die Ereignisse in polnisch-revolutionärem Sinne darlegte, da gab unser Pfarrer Antwort darauf in einer Gegenschrift vom 29. März 1848. Der Terrorismus der polnischen Partei vereitelte die Drucklegung, dagegen konnte die handschriftliche Verbreitung nicht hintertrieben werden, und durch diese ging den ruthenischen Geistlichen erst ein Licht über die Lage der Dinge auf. Der Gegensatz von ruthenisch (gesetzlich) und polnisch (revolutionär), bisher noch nicht klar ausgesprochen, begann sich allmälig deutlicher zu gestalten. Als am 9. Mai eine Versammlung nach Stanisławow einberufen wurde, um auf Geheiß der alsbald so verhängnißvoll wirkenden Lemberger Rada narodowa (Nationalrath) eine Rada obwodowa (d. i. Kreisrath) zu constituiren, die ganz nach den Weisungen der ersteren agitiren und wühlen sollte, erhielt auch Szaszkiewicz eine Einladung, welcher er aber nicht Folge leistete. Ungeachtet dessen ward er in der Versammlung, die bald darauf stattfand, zum Mitgliede des leitenden Comité’s des Kreisrathes gewählt und zur Annahme dieser Stelle durch eine eigens an ihn abgesendete Deputation, welche aus einem ruthenischen, einem lateinischen Geistlichen und zwei Edelleuten bestand, zu bewegen gesucht. Sich Bedenkzeit erbittend, blieb er mit seiner Entscheidung in der Schwebe, doch schon am nächsten Tage, nachdem er die Situation überblickt und scharf geprüft hatte, schickte er an das Comité seinen Absagebrief. Dieses aber hatte bereits des in der dortigen Gegend einflußreichen Namens des Gewählten sich aus eigener Machtvollkommenheit bedient, um für die polnischen Parteizwecke zu wirken. Als er davon Kenntniß erhielt, ließ er eine diesen Vorgang entschieden ablehnende und seinen loyalen Standpunkt wahrende Erklärung vom 12. Mai 1848 drucken, öffentlich in der Stadt Stanisławow anschlagen und dann nach allen Seiten versenden. Mit dieser damals einzig in ihrer Art in Galizien dastehenden Antwort erklärte er der polnischen Rebellion, die sich latent entwickelte, den Krieg, trat der Ruthene offen in entschiedene Opposition gegen die Polen. Indessen faßte die Rada obwodowa immer festeren Fuß, die Behörden hatten, wie es schien, den Kopf verloren, denn am 9. Mai erließ jene ganz offen ein Manifest, worin sie sich als legitime [197] Repräsentanz der ganzen Bevölkerung des Kreises erklärte. Dagegen erhoben sich nun von vielen Seiten Stimmen und Einwendungen, welche die Bildung eines österreichisch-constitutionellen Vereins, der sich noch am 14. Mai zu Stanisławow constituirte, zur Folge hatten. Szaszkiewicz wurde zum Obmanne des leitenden Comité’s desselben gewählt. Als solcher entwarf er gegen jenes Manifest der Polen einen Protest, von welchem zunächst eine Abschrift auf dem Hauptplatze, eine zweite an dem Versammlungshause des polnischen Clubs angeschlagen, eine dritte zum Abdruck in die Druckerei geschickt wurde, von wo aus die Versendung desselben nach allen Seiten erfolgte. Seitdem wagte es der polnische Club in Stanisławow nicht mehr, irgendwelche Proclamationen zu erlassen. Von diesem Zeitpunkt hatte die nachmals in Wien von der radicalen Presse so vielfach glossirte und bespöttelte „Erfindung der Ruthenen“, welche man dem Minister Stadion in die Schuhe schob, und die doch das einfache naturgemäße Werk des ruthenischen Pfarrers Szaszkiewicz war, der damals den Minister Stadion noch gar nicht kannte, sondern vielmehr erst Monate später kennen lernte. Aber auch sonst trat unser Ruthene immer entschiedener seine österreichische Gesinnung betonend auf. So erließ, er am 30. Mai, als dem Namensfeste des Kaisers, eine Einladung an alle griechisch-katholischen Pfarreien, sich an dem aus, diesem Anlasse stattfindenden feierlichen Dankamte in Stanisławow durch ihre Pfarrer und Gemeindeabgeordneten zu betheiligen. An achtzig Priester, die näher domicilirenden in ganzen Processionen, mit Kreuzen, Fahnen und Bruderschaft-Insignien, die entfernter wohnenden begleitet von Deputationen ihrer Gemeinden und Bruderschaften, alle aber mit den kaiserlich österreichischen und nationalen ruthenischen Farben geschmückt, erschienen zu dieser Feier. Die Zahl der Versammelten war so groß, daß sie in der obgleich ziemlich geräumigen Kirche nicht Platz fand. Es wurde daher beschlossen, das Dankamt, zu dessen Vereitlung die polnische Partei alle nur möglichen Versuche vergeblich gemacht hatte, unter freiem Himmel abzuhalten. Während des Hochamtes, das drei Dechanten unter Assistenz der gesammten anwesenden Geistlichkeit celebrirten und zu welchem die ganze Stanisławower Garnison in Parade ausgerückt war, hielt Sz. nach dem Evangelium eine ruthenische zum treuen Festhalten an Kaiser und Gesetz ermahnende Anrede. Nach beendetem Gottesdienste ertönte die österreichische Volkshymne, und nun führte er die ganze nach Tausenden zählende Versammlung in Procession mit den Kreuzen, Fahnen und Bruderschaftsabzeichen nach einem Hause, wo sich ein der revolutionären polnischen Partei oppositioneller österreichisch-ruthenischer Verein an Stelle des ursprünglich österreichisch-constitutionellen Vereins, der mittlerweile sich aufgelöst hatte, bilden sollte. Der Vorgang aber wurde durch die Umtriebe jener Partei gewaltsam gestört. Es drohte der Tumult, in welchem man bereits handgemein wurde, gefährlich zu werden, da beschwichtigte Szaszkiewicz, der noch rechtzeitig ein offenes Fenster erreicht hatte, die aufgeregten Massen, und als dann überdies eine von einem Officier geführte Militärassistenz herbeieilte, löste sich die Versammlung in minder geräuschvoller Weise auf. Gegen ihren geliebten Seelsorger ausgestoßene Drohungen, veranlaßten aber die Vornehmsten seiner Pfarrkinder, [198] von nun ab zur Sicherheit desselben das Pfarrhaus Tag und Nacht zu bewachen. Von der Festlichkeit am 30. Mai 1848, welche Szaszkiewicz angeregt, datirt das erste öffentliche massenhafte Auftreten der Ruthenen als Opposition gegen die revolutionäre, Oesterreich feindliche Partei der Polen in Galizien, welche nun erkannte, daß sie mit einem bisher übersehenen Factor, mit den Ruthenen, als deren Haupt jetzt der ruthenische Pfarrer galt, zu rechnen hatte. Den Vorgängen in Stanisławow folgten später ähnliche in anderen Orten, so in Kolomea, Zolkiew, Brzezany, überall, wo eine zahlreichere ruthenische Bevölkerung wohnte. In Lemberg selbst hatte sich zwar seit April die ruthenische Hauptversammlung constituirt und in Opposition gegen die dortigen Umtriebe der polnischen Rebellion eine Loyalitätsadresse an Seine Majestät den Kaiser abgesendet, aber sie stand mit den Ruthenen an anderen Orten noch nicht im Verkehre. Nun fanden im Monat Juni die Wahlen der Abgeordneten zu dem constituirenden Reichstage in Wien statt. Im Wahlbezirke Mariampol, zu dem Szaszkiewicz gehörte und in welchem er für die Gemeinde Uhrinow als Obmann der Wahlcommission fungirte, ging er fast einstimmig als Abgeordneter aus der Urne hervor. Da er aber bereits tags zuvor, am 14. Juni, im Wahlbezirke Monastyrska, zu welchem er nicht gehörte und in welchem er sich um ein Mandat gar nicht beworben, ein solches erhalten und auch angenommen hatte, so suchte er nun in Mariampol den Professor der Humanitätsclassen zu Stanisławow, Eustach Prokopczyk, nachmaligen Gymnasialdirector und Schulrath durchzubringen, was ihm auch gelang. Im Reichstage, an dessen Verhandlungen er als stetiges Mitglied und Referent des Petitionsausschusses thätigen Antheil nahm, hielt er sich mit seinen ruthenischen Collegen, welche gegenüber der polnischen Fraction freilich in beträchtlicher Minorität sich befanden, entschieden zur österreichischen conservativen Partei, die kaiserliche Regierung in allen Fragen unbedingt unterstützend. Was ihm aber daselbst ein besonderes Ansehen und einen schwerwiegenden Einfluß gewann, war das Vertrauen, welches ihm die galizischen Landleute, gleichviel ob sie der polnischen oder ruthenischen Nationalität angehörten, zuwendeten. Sie hörten auf seinen Rath, welcher bei ihren Abstimmungen maßgebend war. So wurde Szaszkiewicz auch in Folge dieses Vertrauens auf ihren Antrag zum Dolmetsch der Fragestellungen vor den Abstimmungen in ruthenischer und polnischer Sprache vom Reichstage bestellt. Es gewährte – Schreiber dieses berichtet aus eigener Anschauung – einen ganz eigenthümlichen Anblick: dieser stattliche, durch seine imposante Haltung und den Ausdruck leidenschaftsloser Ruhe im milden Angesicht auffallende Priester und seine Garde, diese athletischen und durch ihre eigenthümliche ländliche Tracht grell abstechenden Bauerngestalten, welche durch ihre Stimme bei wichtigeren Abstimmungen nicht selten das entscheidende Gewicht in die Wagschale fallen ließen. Oft sah man den ganzen Trupp durch die Straßen Wiens wandernd, sich an den zuvor nie gesehenen Merkwürdigkeiten und dem regen Leben der Residenz mit nicht geringem Erstaunen weidlich ergötzen. Die damalige Zeitungspresse fand an dem Auftreten des ruthenischen Priester-Deputirten und seiner Garde wenig Gefallen, und wie allen loyal Gesinnten widerfuhr auch ihm die Ehre, von den [199] radicalen Blättern als Feind des Volkes und der Freiheit denunciirt zu werden. Und er war weder das eine noch das andere, sondern stand fest auf dem Boden des Gesetzes. Im Reichstage fand die erste Annäherung zwischen Szaszkiewicz und Franz Grafen Stadion statt. Es war in jener Sitzung, in welcher der polnische Abgeordnete Karl Ritter von Hubicki [Bd. IX, S. 377] den Minister beschuldigte, sich unparlamentarischer Mittel bei den Abstimmungen des Abgeordnetenhauses zu bedienen. Als eine in dieser Angelegenheit aufgestellte Special-Commission den ganzen Vorgang untersuchen sollte, wurde Szaszkiewicz von dem Grafen zu seinem Arbeiter in dieselbe gewählt. Von diesem Augenblicke – es war am 6. September – nachdem er bereits drei Monate früher die von den Radicalen und Polen so gehaßten Ruthenen „erfunden“ hatte, datirt der nähere Verkehr zwischen ihm und Stadion, nachmaligem Minister des Innern. Als sich dann im Reichstage aus den Mitgliedern der streng monarchisch-conservativen Fraction ein eigener Verein bildete, dem unter Anderen Lasser, Helfert, Ritter von Neuwall, Cajetan von Mayer beitraten, war Szaszkiewicz von allen ruthenischen Abgeordneten der Einzige, der demselben beigezogen wurde. Nach den Vorfällen vom 6. October hielt er sein Verbleiben in Wien für seine persönliche Sicherheit bedenklich, er begab sich daher am 10. d. M. nach Brünn, um daselbst den Gang der Ereignisse abzuwarten; als er aber sah, wie der Reichstag fortwährend tagte und Beschluß um Beschluß faßte, kehrte er am 13. nach der Hauptstadt zurück, um die übrigen ruthenischen Abgeordneten zur Abreise zu bewegen, und fuhr am 18. auch mit mehreren derselben über Brünn nach Olmütz, wo sich bereits das kaiserliche Hoflager befand. Dort traf er auch mit dem Grafen Stadion wieder zusammen. Als nun unter den in Olmütz versammelten Staatsmännern und Reichstagsdeputirten Besprechungen über die politischen Verhältnisse des Kaiserstaates stattfanden, erhielt er wohl auf Veranlassung seines Gönners, des Grafen Stadion, eines Tages von dem nachmaligen Minister-Präsidenten Fürsten Felix Schwarzenberg die schriftliche Einladung zu einer solchen Besprechung, und am Schlusse derselben stellte der Fürst, welchen er damals zum ersten Male sah, ihm den Antrag, in den Staatsdienst zu treten. Szaszkiewicz erklärte sich dazu bereit. Indessen wurde der Reichstag nach Kremsier verlegt, auch er nahm seinen Platz in demselben wieder ein und war in der früheren Weise thätig. Am 17. December 1848 erfolgte seine Ernennung zum wirklichen Ministerialrathe im Unterrichtsministerium, in welchem nach Auflösung des Reichstages im März 1849 er seinen Posten mit dem Vorbehalte antrat, daß, wenn er dem für ihn ganz neuen Wirkungskreise sich doch nicht völlig gewachsen zeigen sollte, ihm auf die Dauer von vier Jahren die Rückkehr in seine kleine ruthenische Pfarre zu Uhrinow gesichert bleibe. Im Ministerium fiel ihm die Leitung des Departements der Volksschulen und Gymnasien in Galizien zu; neben den Arbeiten seines unmittelbaren amtlichen Berufes aber wirkte er bei der Controle der ruthenischen Uebersetzung des Reichsgesetzblattes, dessen Gründer und längere Zeit einziger Träger er war; bei der Commission, welche der Justizminister im Jahre 1849 zur Feststellung einer juridisch-politischen Terminologie in [200] allen österreichisch-slavischen Sprachen eingesetzt hatte; 1850 im Ministerium des Innern bei der Berathung der galizischen Grundentlastungs-Verordnung; 1851 bei der ruthenischen Uebersetzung der Gemeindeordnung für Lemberg; 1852 bei der Herstellung und Herausgabe der ruthenischen juridisch-politischen Terminologie, sowie bei der Bearbeitung der sämmtlichen ruthenischen in wiederholten Auflagen erschienenen Schulbücher, deren einige er zum größten Theile selbst verfaßt hat. Zu öfteren Malen wurden ihm für diese vielseitige und ersprießliche Verwendung auszeichnende Decrete der Regierung zutheil. Auch versah er seit Februar 1858 die Functionen eines Obervorstehers des griechisch-katholischen Central-Seminars in Wien und mußte bei der lückenhaften Bestellung des Leitungspersonals nicht selten die Stelle des Rectors selbst vertreten. Nach der im Jahre 1865 eingetretenen Auflösung des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht erhielt er die ruthenische Dompropstei in Przemysl, und seine feierliche Installation fand am 18. August d. J. statt. Durch diese Erhebung wurde er zu gleicher Zeit Mitglied des bischöflichen Consistoriums. 1866 übernahm er die Direction des Diöcesan-Priesterhauses und fungirte auch als Präses des bischöflichen Ehrengerichtes. Als 1869 die Institution der Prosynodal-Examinatoren ins Leben trat, erfolgte seine Ernennung zum stetigen Mitgliede derselben und dann zum Obmanne der jeweiligen Prüfungs-Commission. Nach Errichtung der Bezirksräthe wurde er wiederholt in jenen des Przemysler Bezirkes gewählt. 1867 berief ihn der Landbezirk Cieszanów, dann 1871 jener von Przemysl in den Landtag. Durch die ganze sechsjährige Session desselben nahm er als Obmann des Clubs der ruthenischen Abgeordneten in hervorragender Weise an den Verhandlungen Theil und verfocht mit Anderen die Rechte und Interessen seiner Nationalität. In der Sitzung vom 2. October 1871 warf er bei Beginn der Berathung über den von Klaczko verfaßten Adreßentwurf, in welchem derselbe die polnischen Abgeordneten Gott bitten läßt, daß er geruhe (!!!) ...., den Polen in seinem und seiner Partei Namen offen den Fehdehandschuh vor die Füße. „Ich sehe“, rief er aus, „vor allem die Nothwendigkeit nicht ein, daß wir eine Adresse beschließen. Ein kaiserliches Rescript gelangte nicht an den galizischen Landtag herab, folglich wünscht Seine Majestät von uns keine Adresse. Unsere inneren Verhältnisse aber sind entweder solcher Natur, daß ihnen der Landtag selbst Genüge zu leisten vermag, weshalb es überflüssig wäre, derselben in einer Adresse zu erwähnen, oder sie betreffen die ruthenische Nation, der Ihr hartnäckig die Gewährung nationaler Rechte verweigert, die Ihr als Heloten betrachtet und mit steter Bedrückung peinigt und demüthigt. Dieser letzteren inneren Verhältnisse in einer Adresse zu erwähnen, das wäre allerdings am Platze... Wir geben uns übrigens keiner Täuschung hin und glauben kaum, daß ein Ausgleich je zu Stande kommen werde; Ihr werdet Euch mit uns schwerlich „ausgleichen“ wollen. Wir hegen Treue gegen den Thron und sind für empfangene Wohlthaten dankbar, jedoch sehen wir uns gegenwärtig nicht veranlaßt, diesen Gefühlen in einer Adresse Ausdruck zu geben, denn wir sind nicht erst jetzt treu. Die Regierung versprach die Wiederherstellung des inneren Friedens. Nicht mit [201] Worten, sondern durch Thaten möchten wir gerne beweisen, daß wir ebenfalls Frieden wünschen, und zwar in unserem eigenen Interesse, damit wir ruhig die bürgerlichen und politischen Rechte genießen. Ist aber die Hegemonie des polnischen Elements das Vorrecht der Uebermacht, das sich eine privilegirte Minorität anmaßt, ist das etwas, was bei uns in Galizien den inneren Frieden herbeiführen wird? Ob Sie, meine Herren, von meinen Erörterungen überzeugt worden sind oder nicht, ist mir ganz gleichgiltig, allein ich glaube schwerlich, Sie eines Anderen überwiesen zu haben. Ich wollte blos meine und meiner Parteigenossen Ansichten darlegen und theile Ihnen schließlich mit, daß wir nicht gewillt sind, durch Amendements, die in politischen Fragen zu nichts führen, eine Modification der Adresse anzustreben, und daß wir weder an der weiteren Verhandlung noch an der Abstimmung über die Adresse theilnehmen werden“. Sprach’s, und unter lautloser Stille verließ die gesammte ruthenische Partei, Szaszkiewicz an der Spitze, den Landtagssaal. Da er, in dieser Zeit von dem neu ernannten Bischofe Johann Ritter von Stupnicki zum General-Vicar in Spiritualibus und Official des Consistoriums berufen, überdies bereits seit 1871 als Präses der Verwaltungscommission an die Spitze des Diöcesanpriester-Witwen- und Waisen-Institutes getreten, mit Geschäften so überhäuft war, daß er anderen Functionen nicht weiter zu entsprechen vermochte, so candidirte er in der Folge weder für den Bezirksrath, noch für den Landtag, noch auch, als die directen Wahlen in den Reichsrath stattfanden, für denselben. Als im Jahre 1874 die Allgemeine Agricultur-Creditanstalt für Galizien und die Bukowina ins Leben gerufen wurde, trat er als Gründer in den Verwaltungsrath, wurde zu dessen Präsidenten und nach der Umgestaltung der Anstalt in Folge des Gesetzes vom Jahre 1873 zum Obmann des Verwaltungsrathes gewählt, in welcher Ehrenstelle er zur Zeit noch thätig ist.

Helfert (Jos. Alex. Freiherr von). Die Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph I. (oder „Die Geschichte Oesterreichs vom Ausgange des Wiener October-Aufstandes 1848“, Bd. III) (Prag 1872, F. Tempsky, 8°.) S. 461, Anhang, S. 130. – Neue Freie Presse, 5. October 1871, außerordentliche Beilage zu Nr. 2555: „Die Landtage“.