BLKÖ:Tadolini, Eugenia

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 43 (1881), ab Seite: 12. (Quelle)
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Tadolini, Eugenia (kais. österreichische Kammersängerin, geb. 1813 zu Forli im Kirchenstaate). Sorgfältig erzogen, setzte sie nach guter musikalischer Vorbildung in ihrer Vaterstadt später in Bologna unter Leitung des Gesanglehrers Giovanni Tadolini, ihres nachmaligen Gatten, ihre Studien mit solchem Erfolge fort, daß Rossini sie aufforderte, ihre schone Sopranstimme und ihr Talent der Bühne zu widmen. Kaum sechzehn Jahre alt, betrat sie während der Carnevalssaison von 1829 und 1830 zu Parma das Theater mit außerordentlichem Beifalle und ging von da an die italienische Oper zu Paris, wo ihr Gatte als Maestro angestellt wurde. Daselbst behauptete sie sich durch drei Jahre an der Seite einer Malibran und Pasta, eines Rubini und Lablache ehrenvoll als Primadonna. Der Aufenthalt in der Weltstadt hatte großen [13] Einfluß auf die allseitige künstlerische Vervollkommnung der Sängerin; doch begründete dieselbe ihren höheren Ruf erst mit dem Auftreten in der Scala zu Mailand. Im Carneval 1833–1834 erhielt sie eine Einladung nach Venedig, und glänzte sie hier zugleich mit der Pasta in der Fenice, und darauf im Teatro Gallo (oder San Benedetto). Neue Ehren warteten ihrer im Frühjahre 1834 im Teatro Carcano zu Mailand, im Herbste desselben Jahres zu Padua, im Carneval 1834–1835 im Teatro grande zu Triest, im nächsten Frühjahre in der italienischen Opernsaison zu Wien, dann während der großen Stagione della Fiera zu Sinigaglia, im Herbste im königlichen Theater zu Turin und im Carneval 1835 und 1836 alla Pergola zu Florenz. Im Frühjahre 1836 kam sie abermals nach Wien, wo sie der entschiedene Liebling des Publicums ward. Im folgenden Jahre waren es wieder die Scala zu Mailand und 1837 und 1838 die Fenice zu Venedig, wo sie Lorbeern erntete, dann abermals während der Fiera zu Sinigaglia, und darauf in Lucca, wo sie wenige Tage nach dem Auftreten der Malibran die Somnambula sang und, ungeachtet ihrer großen Vorgängerin, Furore machte. In den darauffolgenden Jahren (1839–1842) sang sie, stets mit gleichem Erfolge und zu wiederholten Malen, in Florenz alla Pergola, in Mailand und Brescia, dann zur Eröffnung des neuerbauten Theaters Carlo-Felice in Genua, wohin sie das nächste Jahr wiederkehren mußte; ferner in Rom, Siena, Neapel, Reggio, Faenza, Bergamo, Triest, Wien, Turin etc. In den Jahren 1842 und 1843, wo Donizetti die beiden Opern „Linda di Chamounix“ und „Maria di Rohan“ für sie schrieb, folgte sie, nach Beendigung der italienischen Opernsaison in Wien, zweimal einer Einladung an das ungarische Nationaltheater in Pesth. In Triest arbeitete Mercadante den Part in seiner Oper „Il Reggente“ eigens für sie um. Im nächsten Carneval schmückte sie die italienische Oper zu Turin, in der nächsten Saison jene der Mailänder Scala und kam dann 1844 zum siebenten Male nach Wien, wo sie im Vereine mit Ronconi, Guasco, Salvi u. A. den früheren Beifall erntete. Im October folgte sie einem Engagement nach Neapel zur Eröffnung des renovirten San Carlo-Theaters. Hier schrieb Verdi für sie die Oper „Alzira“, Mercadante die „Francesca Donato“, Pacini „La stella di Napoli“, Torrigiani „La Sirene di Normandia“, Puzzone „Il Figlio dello Schiavo“, Battista „Emo“ u. s. w. Während der überaus reichen Wiener italienischen Opernstagione 1846 bildete Tadolini abermals den Glanzpunkt. Ihre wahrhaft schöne, wohltönende Stimme war geschmeidiger Sopran, dessen Umfang eine gleichförmige Scala von nahe an dritthalb Octaven, vom G bis zum dreigestrichenen D oder E, bildete. Ihre Aussprache war rein und deutlich, die Intonation fehlerfrei und in den größten Intervallen sicher, ihre Bravour ausgezeichnet, ihre Gesangsvirtuosität und Kehlenfertigkeit in den schwierigsten Passagen bewunderungswürdig, ihr Triller brillant, sowie ihre ganze Methode vortrefflich. Obgleich in jedem Genre vorzüglich, war sie doch besonders in der Opera buffa und semiseria an ihrem Platze. Es fehlte der Künstlerin nicht an großen Ehren, so wurde sie Mitglied der philharmonischen Gesellschaften von Turin, Florenz, Parma und [14] Pesth, der Accademia filarmonica di Bologna und der Santa Cecília zu Rom, und Se. Majestät der Kaiser ernannte sie zur kaiserlich österreichischen Kammersängerin.