BLKÖ:Taglioni, Philipp, der ältere

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 43 (1881), ab Seite: 24. (Quelle)
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2. Philipp, der ältere (geb. 1778, gest. 11. Februar 1871), war anfänglich erster Tänzer und Balletmeister am Theater in Stockholm zur Zeit Gustavs III. Daselbst vermälte er sich mit Marie, der Tochter des ersten schwedischen Tragöden Karstens. Nun wurde er Balletmeister in Kassel zur Zeit des Könige Hieronymus von Westphalen, und endlich kam er in gleicher Eigenschaft an das kaiserliche Theater in Warschau, wo das Ballet ihm seine künstlerische Regeneration verdankte. Er verfaßte eine große Menge Ballets, welche die Runde über alle großen Bühnen des Continents machten, wie „Lodoiska“, „Die neue Arsene“. „Yoko“, „Der Schatten“, „Die neue Amazone“, „Der Aufruhr im Serail“ und das weitaus berühmteste: „Sylphide“, in welchem seine älteste Tochter Marie so große Triumphe feierte. Später zog er sich nach Oberitalien auf seine Villa Arese zurück, beging daselbst mit seiner Gattin die goldene Hochzeit und als seine Enkelin Marie, jetzige Fürstin Windischgrätz, im April 1866 am königlichen Theater in Berlin Abschied von der Bühne nahm, war auch der Großvater Zeuge der Ehren und Auszeichnungen, mit denen [25] sie vom Hofe überhäuft wurde. Im Jahre 1871 erkrankte er zu Como und starb daselbst 93 Jahre alt. Philipp hatte drei Töchter und einen Sohn. Ueber seinen in Wien geborenen Sohn Paul sowie dessen Familie vergleiche die Lebensskizze Seite 21. – Von den Töchtern ist Marie die älteste und in der Geschichte des Ballets berühmteste. Obwohl sie einen Grafen des Voisins heiratete, behielt sie doch ihren Künstler- und Familiennamen bei. Ob aus ihrer Ehe mit dem Grafen Kinder am Leben sind, ist nicht bekannt. Doch mag ihre Ehe mit ihm nicht kinderlos geblieben sein. Man erzählt sich wenigstens, daß Marie nach ihrer Heirat unter dem Vorwande eines Fußübels mehrere Monate nicht getanzt habe. Nicht lange nach dieser Zeit wurde Componist Adam nach St. Petersburg berufen, wo er die Taglioni als erste Tänzerin am kaiserlichen Theater traf. Als er sie besucht, sah er ein reizendes Kind auf ihrem Schooße. Auf seine Frage: „Wem gehört doch dieses prächtige Kind?“, gab sie ihm lächelnd zur Antwort: „Das ist mein Fußübel“. Ihre Lebensschicksale sind in der besonderen Skizze Seite 17 erzählt. –