BLKÖ:Tannenberg, Ignaz Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tangl, Eduard
Band: 43 (1881), ab Seite: 55. (Quelle)
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Tannenberg, Ignaz Graf (Humanist, geb. zu Innsbruck 15. August 1743, gest. 27. December 1810). Der Sproß eines alten im Mannesstamme bereits erloschenen Tiroler Adelsgeschlechtes, über welches die Quellen S. 56 Näheres mittheilen. Graf Ignaz, der Sohn des oberösterreichischen Hofkammerrathes Joseph Anton Ignaz Grafen von Tannenberg, hatte das Unglück, schon von Kindheit an mit dem grauen Staar behaftet und so des Augenlichts fast beraubt zu sein. Diese Schwäche eines freilich sehr wichtigen Organs wurde aber einigermaßen ausgeglichen durch seinen hellen, Alles leicht erfassenden Verstand und durch sein ungewöhnlich starkes Gedächtniß. Mit Auszeichnung vollendete er seine Studien und erwarb dann die juridische Doctorwürde. Als er nach dem 1776 erfolgten Tode seines Vaters das hinterlassene Erbe antrat; richtete er zunächst sein Augenmerk auf die durch den Verfall ihres Bergwerkes gänzlich verarmten Bewohner von Schwaz, wo die Familie ihren Wohnsitz hatte. Was er in dieser Beziehung geleistet, wird unvergessen bleiben. Mit der Erbauung eines gut eingerichteten Krankenhauses verband er im Entwurfe die Herstellung einer Armenversorgungsanstalt und eines Arbeitshauses, wodurch den hinfälligen Arbeitslosen für ihre unverschuldete Noth ein Asyl, den noch Arbeitsfähigen aber Beschäftigung hätte geboten werden [56] sollen. Der schöne Plan ließ sich jedoch infolge finanzieller Schwierigkeiten nicht in dem Umfange, wie der Graf ihn entworfen, realisiren and mußte nun auf die Herstellung eines Krankenhauses beschränkt bleiben. Dieses aber galt vermöge seiner zweckmäßigen in seinem ganzen Detail wohldurchdachten Ausführung bald als Musteranstalt. Kaiser Joseph II. erließ dieserhalb an den Grafen ein eigenes Handbillet. Auf dem offenen Landtage von 1790 wurde derselbe einhellig zum ersten Verordneten des Herren- und Ritterstandes gewählt, und auf diesem Posten gab er glänzende Beweise seiner ungewöhnlichen Geistesgaben und seines patriotischen Sinnes. In den wichtigsten Angelegenheiten, welche das Land betrafen, stimmte er nicht etwa nur einfach mit, sondern gab schriftlich seine motivirten Gutachten darüber ab, und ein Biograph steht nicht an, einige dieser Arbeiten als geradezu classisch zu bezeichnen. Als dann die Conferenzen über die Entwürfe eines neuen bürgerlichen und peinlichen Gesetzbuches stattfanden, nahm der Graf an denselben Theil und bewährte sich da als gründlicher Kenner im Justizfache. In den Kriegsjahren aber, als der Appell an die Opferwilligkeit des Einzelnen erging, brachte er die bedeutendsten patriotischen Opfer. In Würdigung dessen wurde er taxfrei zum geheimen Rathe ernannt und ihm das Erbamt eines Oberstjägermeisters in Tirol verliehen. Da sollte der edle Graf von schwerem Mißgeschick heimgesucht werden. Bei dem furchtbaren Brande am 15. Mai 1809, welcher den Markt Schwaz einäscherte, ging auch Tannenberg’s schönes Palais sammt den kostbaren Sammlungen von Kunstwerken, Büchern und mineralogischen Seltenheiten zu Grunde. Anderthalb Jahre danach starb der Graf. In einem Nekrologe wird er als ein Mann bezeichnet, „welcher durch Uebergewicht des Geistes, durch Beständigkeit des Charakters, durch uneigennützige und unermüdliche Anstrengung um das Wohl des Vaterlandes und der leidenden Menschheit hohes unsterbliches Verdienst sich sammelte“. Der Graf Ignaz war zweimal vermält. Aus beiden Ehen hinterließ er Söhne und Töchter [vergleiche unten die Genealogie].