BLKÖ:Tesař, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Tesánek
Nächster>>>
Tesař, Heinrich
Band: 44 (1882), ab Seite: 21. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1076375650, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tesař, Franz|44|21|}}

Tesař (sprich Tesarz), Franz (Schulmann, geb. zu Duba im Prachimer Kreise Böhmens am 20. April 1818). Bis zum zwölften Jahre im Elternhause erzogen, kam er von da, voller Lust und Liebe zum Lernen, auf eine Schule, an welcher er große Fortschritte in der deutschen Sprache und in der Musik machte. Nach dem Besuch der Schulen zu Strakonitz und Pisek ging er 1839 nach Prag, wo er durch zwei Jahre an der deutschen Musterhauptschule sich für das niedere Lehramt heranbildete und dann Unterlehrer an einer Schule wurde, die bis dahin ihren deutschen Charakter bewahrt hatte. In kürzester Zeit führte er die Čechisirung an dieser Anstalt durch, so daß dieselbe bald als die erste nationale Schule in Prag galt. Im Jahre 1848, in welchem er als Mitglied des National-Ausschusses bei der Slovanska lipa fungirte, wurde er auch in Wien im Unterrichtsministerium bei der Ausarbeitung der Reformen für die Gemeindeschulen verwendet. Nach Prag zurückgekehrt, erhielt er im October eine Lehrerstelle an der ersten čechischen Hauptschule daselbst und übernahm, nachdem Franta Šumavsky die Redaction der pädagogischen Zeitschrift: „Posel z Budce“, d. i. Der Bote aus Budeč, niedergelegt hatte, dieselbe in Gemeinschaft mit Jos. Řehak [Bd. XXV, S. 140, Qu. 2]. Als dann im Jahre 1849 die böhmische Statthalterei den Schulrath ins Leben rief, wurde er Mitglied desselben. Als solches betrieb er besonders die stylistische Reinigung des čechischen Idioms, das bisher in ziemlich regelloser und willkürlicher Weise behandelt worden war, und seine Methode verbreitete sich bald im ganzen Lande. Er war nach dieser Richtung auch schriftstellerisch thätig und gab heraus: „Německá mluvnice pro žáky 2. třídy městských a hlavních škol v císařství rakouském“, d. i. Deutsche Sprachlehre für Schüler der zweiten Classe an Stadt- und Hauptschulen im österreichischen Kaiserstaat (Prag 1855, 8°.); – „Druhá mluvnice německá o žáky městských škol“, d. i. Zweite deutsche Sprachlehre für Schüler von Stadtschulen u. s. w. (Prag 1856, neue Aufl. 1857, 8°.); – „Cvičení mluvnická a pravopisná obsahující 183 úlohy pro žáky II. a III. třídy obecných a hlavních škol“, d. i. Sprach- und Rechtschreibeübungen, enthaltend 183 Aufgaben für Schüler der zweiten und dritten Classe an Gemeinde- und Hauptschulen (Prag 1863, neue unveränderte Ausgabe ebd. 1864, 8°,); – „Abeceda v obrazích. První čítanka maličkých“, d. i. A-B-C in Bildern. Erstes Lesebuch für Kinder (Prag 1865, 16°.); – „Stručný návod jak se má s prospěchem užívati Abecedy v obrazích“, [22] d. i. Kurz gefaßte Anleitung, wie man das A-B-C in Bildern vortheilhaft benützen kann (Prag 1865, 16°.); – „Německá mluvnice kterouž s částečnym použitím první německé mluvnice složil“, d. i. Deutsche Sprachlehre, verfaßt nach der ersten deutschen Sprachlehre (Prag 1865, 8°.). Dann begann er im Jahre 1865 die Herausgabe der periodischen Schrift: „Komenský. Časopis obrázkový pro mládež“, d. i. Comenius. Bilderzeitschrift für die Jugend (Prag), welche jeden Monat zweimal, ein Bogen in Lex.-8°., erschien, aber es nicht über den ersten Jahrgang hinaus brachte, wie ein Gleiches auch mit der von ihm herausgegebenen Zeitschrift: „Zahrada Budečská obrázkovy časopis pro mládež“, d. i. Budečer Garten. Illustrirte Zeitung für die Jugend, der Fall war, von welcher 1869 auch ein Jahrgang (der einzige) in Prag herauskam. Die eigentliche schriftstellerische Thätigkeit Tesař’s concentrirt sich in der Journalistik, denn er ist Mitarbeiter der vorzüglichsten čechischen pädagogischen und politischen Zeitschriften: „Škola“, d. i. Die Schule, „Škola a život“, d. i. Schule und Leben, „Národní škola“, d. i. Die Volksschule, „Sborník učitelský“, d. i. Der pädagogische Sammler, „Posel z Prahy“, d. i. Der Bote aus Prag, „Hlas“, d. i. Die Stimme, u. s. w., und seine Aufsätze würden gesammelt quantitativ Folianten bilden. Im Jahre 1857 gab er die Anregung zur Bildung eines Unterstützungsvereines für Lehrer-Witwen und Waisen, der auch 1867 ins Leben trat, und vereinigte sich mit einigen Collegen zur Herausgabe des „Kalendář učitelsky“, d. i. Lehrer-Kalender, des ersten in čechischer Sprache. 1860 gab er den Anstoß zur Gründung der ersten städtischen höheren Mädchenschule in Prag und arbeitete zu diesem Zwecke auch den Plan aus. Mit seiner Gattin Anna, geborenen Svestka rief er dann eine Privatmädchenschule ins Leben. 1866 wurde er in den Gemeinderath der Stadt Prag gewählt, in welchem er sich viele Verdienste um das čechische Schulwesen Prags und der Umgebung erwarb. Die Aufsätze: „Ze starého denníka učitele Zkusila, d. i. Aus dem alten Tagebuche des Lehrers Zkusil, welche seinerzeit in den periodischen Blättern „Škola a život“, d. i. Schule und Leben, und im „Sborník učitelsky“, d. i. Der pädagogische Sammler, enthalten waren, sind eigentlich nur Schilderungen seines eigenen Lebens vom zwölften bis zum dreißigsten Jahre.

Šembera (Alois Vojtěch). Dějiny řeči a literatury československé. Vek novější, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. Neuere Zeit (Wien 1868, gr. 8°.) S. 298.