BLKÖ:Teschenberg, Ernst Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 22. (Quelle)
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Teschenberg, Ernst Freiherr von (Staatsmann, geb. zu Oedenburg in Ungarn am 21. Mai 1836). Der Sproß einer in Ungarn ansässigen Familie, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in den Adelstand erhoben wurde, kam Ernst von Teschenberg 1847 auf die Theresianische Ritterakademie in Wien, an welcher er bis zur Vollendung seiner juristischen Studien im Jahre 1859 verblieb. Hierauf bezog er die Universität Berlin, wo er sich ein Jahr lang mit großem Eifer rechtshistorischen Studien hingab. Heimgekehrt, wurde er im April 1861 als Ministerial-Conceptsadjunct im [23] Präsidialbureau des Handelsministeriums beschäftigt. Nach einigen Jahren in das damalige Staatsministerium und dann in das Ministerpräsidium versetzt, rückte er im Jänner 1867 zum Hof- und Ministerialsecretär im Ministerium des Auswärtigen auf. Nun stieg er rasch von Stufe zu Stufe, wurde 1868 Sectionsrath, 1876, im Alter von erst 34 Jahren, Hof- und Ministerialrath, früher bereits war er zum Chefredacteur der kaiserlichen „Wiener Zeitung“ ernannt worden, die er mit seltenem Tacte und großer Umsicht durch mehrere Jahre führte. Als Graf Andrássy die Leitung der äußeren Angelegenheiten der österreichischen Monarchie übernommen hatte, sahen wir den Namen des Hofrathes vielfach mit den hervorragendsten diplomatischen Phasen dieser so ereignißreichen Zeit verknüpft. Man schätzte in Teschenberg nicht allein das diplomatische Talent und die politische Geschicklichkeit, sondern auch seine eminente politische Feder, welche die heikelsten Sachen mit jenem Geschick zu behandeln weiß, von welchem so oft der Erfolg wichtiger diplomatischer Actionen abhängt. Im Jahre 1876 erfolgte seine Beförderung zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister. In dieser Eigenschaft erwarb er sich insbesondere auf der Berliner Konferenz (1879) große Verdienste, welche Se. Majestät durch Verleihung des Commandeurkreuzes des Leopoldordens anerkannte. Noch im nämlichen Jahre wurde er den Ordensstatuten gemäß in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Seit seiner Ernennung zum Gesandten steht er in außerordentlicher Verwendung im Ministerium des Auswärtigen, wo er gegenwärtig mehrere Departements in seiner Hand vereinigt. Wie Wenige in Oesterreich-Ungarn ist er in jungen Jahren zu den höchsten Würden und Auszeichnungen gelangt. Wie er aber als Diplomat und Politiker eine hervorragende Stelle einnimmt, so gehört er, obgleich er nicht einem einzigen Buche das Leben gegeben hat, auch der deutschen Schriftstellergilde in Oesterreich an. In dieser Hinsicht spricht sich der Autor einer uns vorliegenden brieflichen Mittheilung, für deren Richtigkeit uns derselbe bürgt, folgendermaßen über Teschenberg aus: „Wir besitzen nicht viele Federn, welche im politischen, wie literarischen Essay so viel Feinheit, Anmuth und kritischen Scharfsinn zu entwickeln im Stande sind. Die Artikel Teschenberg’s tragen durchwegs das Gepräge eines vornehmen, universell gebildeten Geistes und nicht minder das einer literarischen Individualität. Zugleich ist er einer der besten Kunstkenner und -Freunde, welche die Donaustadt aufzuweisen hat“. Außer der oberwähnten kaiserlichen Auszeichnung, welcher die Verleihung des Ordens der eisernen Krone dritter Classe voranging, wurden dem Freiherrn auch von fremden Potentaten, unter anderen vom deutschen Kaiser, Orden zutheil.

Magazin für Literatur des Auslandes von J. Lehmann (Leipzig, 4°.) 1864, Nr. 37, S. 579. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 12. Jänner 1880, Nr. 164. [Daselbst heißt es von Teschenberg: „Unser Compatriot Baron Ernst Teschenberg ist bekanntlich als bevollmächtigter Minister einer der hervorragendsten Beamten im gemeinsamen Ministerium des Aeußeren. Noch zur Zeit des Grafen Andrássy übernahm er neben seinem diplomatischen Ressort auch die Leitung des Preßbureaus für die auswärtigen Angelegenheiten. Das außerordentliche Vertrauen, welches Graf Andrássy dem Baron Teschenberg gegenüber an den Tag legte, indem er ihn an die Spitze dieses wichtigen Bureaus stellte, wurde durch Freiherrn von Haymerle in neuester Zeit noch dadurch gesteigert, daß er Teschenberg auch mit [24] der Reorganisirung der Staatspolizei betraute. So ruht jetzt die Verwaltung von drei wichtigen Fächern und die damit verbundene Verantwortlichkeit auf den Schultern unseres Landsmannes, was von seiner außerordentlichen Vielseitigkeit, aber auch – besonders bei der strengen Gewissenhaftigkeit Teschenberg’s – von seiner staunenswerthen Arbeitskraft Zeugniß ablegt. Teschenberg ist jedenfalls eine solche Capacität, welche auf dem Felde der Diplomatie noch zu einer sehr hervorragenden Rolle berufen ist. und deshalb wünschen wir mit patriotischer Theilnahme, daß er seine Thatkraft nicht zu früh erschöpfe“. Diese Zeilen entnimmt die „Allgemeine Zeitung“ dem Pesther Journal „Hon“, d. i. Das Vaterland.]