BLKÖ:Thailer, Samuel von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Thaisz, Andreas
Band: 44 (1882), ab Seite: 114. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Thailer, Samuel von|44|114|}}

Thailer, Samuel von (Ingenieur, geb. zu Schemnitz in Ungarn 13. August 1750, gest. zu Schirak in der Honther Gespanschaft 30. Jänner 1810). Matthäus Thailer, insgemein Thaler genannt, lebte zu Schemnitz als ehrsamer Knopfmacher. Seinen Sohn ließ er daselbst die evangelische Schule durchlaufen, und, nachdem er ihm noch in der ersten Grammaticalclasse einige Brosamen vom Tische der lateinischen Sprache vergönnt hatte, entzog er ihn, kraft seiner väterlichen Autorität, der kümmerlich nährenden Wissenschaft und bestimmte ihn, den goldenen Boden des Handwerks lobend, für sein Knopfmachergewerbe. Samuel fügte sich dem Willen seines Erzeugers und wurde mit den Jahren ein geschickter Geselle. Aber endlich doch der mechanischen Arbeit müde, hing er das Handwerk an den Nagel und widmete sich, seinem inneren Drange folgend, dem Studium des Bergbaues und der damit verbundenen Wissenszweige. Bald erlangte er, von vermögenden und einflußreichen Gönnern unterstützt, vortreffliche Kenntnisse in der Geometrie und Trigonometrie, in der Mineralogie, Dokimastik (Prüfkunst der Metalle), Schmelzhüttenkunde u. s. w. Mit theoretischen Kenntnissen vollkommen ausgerüstet, brachte er, um diese praktisch zu verwerthen, mehrere Bergwerke zu Schemnitz, Bélabánya, Uj-Bánya und Breznóbánya an sich, welche er nun mit Erfolg bebaute, dabei auch anderen Bergwerksbesitzern mit Rath und That an die Hand gehend. Der Ruf seiner Geschicklichkeit verbreitete sich bald in weiteren Kreisen, und so geschah es, daß ihn der Baron Georg Hellenbach von Paczolay, der selbst Besitzer vieler Bergwerke war, mit der Territorialausmessung zu Magyarad, Százd, Ober-Szemered betraute und ihm 1778 die Stelle eines Comitatsingenieurs in der Honther Gespanschaft erwirkte. Und nun war Thailer auf seinem rechten Platze. Während der 31 Jahre, innerhalb deren er seines Amtes waltete, wurde das Honther Comitat sozusagen vermenschlicht, denn er baute mehrere gute Straßen, treffliche Brücken, berichtigte Grenzen, zog Gräben und Canäle, vermaß den Eigenthümern der Herrschaften ihre Besitzungen, Wälder und Gründe, entwarf sinnreiche Pläne zur Anlegung französischer und englischer Gärten, zeichnete genaue Karten u. s. w. Bei Ausführung aller dieser Arbeiten gewann er eine Detailkenntniß des Honther Comitates, wie kein Anderer, in Folge dessen er in allen Territorialfragen zu Rathe gezogen wurde und bei der allgemeinen Ausmessung Ungarns, welche unter Kaiser Joseph II. stattfand, sich in erfolgreichster Weise betheiligen konnte. In Würdigung seiner Verdienste und seiner oft bewährten praktischen Tüchtigkeit in allen öffentlichen Bau-Angelegenheiten ward er auf Antrag des königlichen Commissärs des Neusohler Bezirkes, Baron Prónay, zum obersten Ingenieur und Wasserbaudirector daselbst ernannt. Da im Interesse und zur Förderung des Handels die Flüsse Gran, Vay und Poprad vereinigt werden sollten, so mußte er das Bett derselben von ihrem Ursprunge bis an die Stelle ihrer geplanten Zusammenmündung untersuchen, sich zu demselben Zwecke über die Beschaffenheit der ihnen nächstgelegenen Gegenden durch den Augenschein unterrichten, und um sich genauere Kenntniß der bei der Flußregulirung erforderlichen Wasserbaumaschinen zu verschaffen, eine Reise in die Weichselgegenden bis nach [115] Danzig unternehmen, weil die Ufer-, Damm- und Schleusenbauten daselbst bei der Ausführung der beabsichtigten Wasserbauwerke in seiner Heimat eine Verwerthung des Gesehenen, Studirten und Geprüften in Aussicht stellten. Von seinen sonstigen Arbeiten sind noch die Bestimmungen der geographischen Längen mehrerer Städte Ungarns besonders hervorzuheben. In Würdigung seiner vielfachen Verdienste, und da er überdies seine Abstammung von dem adeligen Geschlechte Thailler erwiesen hatte, wählte ihn auch die Honther, Neograder, Pesth-Pilis-Solther, Preßburger, Árvaer, Neutraer und Thuróczer Gespanschaft zum Gerichtstafelbeisitzer. Von der königlich ungarischen Statthalterei und vom Reichspalatin wurde er in Fragen, die in sein Fach einschlugen, zu Rathe gezogen oder zur Abgabe seines Gutachtens aufgefordert. Wie sehr er bei den Vornehmen des Landes in Achtung stand, erfahren wir aus einem lateinischen Briefe Baron Pronay’s, der darin, anspielend auf den Namen Thaler, unter welchem das Volk den Vater des in Rede Stehenden kannte, Letzterem das Lob spendet: man müsse diesen höchst nützlichen und thätigen Mann nicht Thalerum, sondern Aureum nennen.

Annalen der Literatur und Kunst des In-und Auslandes (Wien, Doll, 8°.) Bd. IV, S. 524. – Ungarischer Plutarch oder Nachrichten von dem Leben merkwürdiger Personen des Königreiches Ungarn und der dazu gehörigen Provinzen. Aus authentischen Quellen geschöpft... Von Karl Vincenz Kölesy und Jakob Melzer (Pesth 1816, 8°.) Bd. IV, S. 242.