BLKÖ:Tomšić, Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Tomsa, Antonín
Band: 46 (1882), ab Seite: 123. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1113901578, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tomšić, Anton|46|123|}}

Tomšić, Anton (Schriftsteller, geb. zu Dedendol bei Weixelburg in Krain am 26. Mai 1842, gest. zu Marburg in Steiermark am 26. Mai 1871). Die Studien, welche er in Laibach begann, setzte er in Triest und Cilli fort und beendete sie am Obergymnasium zu Neustadtl in Krain. Schon als Student zeigte er sich als Nationaler von entschiedener Farbe, was zu jener Zeit, da es nicht gerade als ein Vorzug galt, in der ungeschlachten slovenischen Sprache zu reden, etwas zu bedeuten hatte. Der deutschen Partei, wenn sich eine Gelegenheit darbot, Prügel zwischen die Füße zu werfen und so den Nationalitätenhader mit bestem Wissen und Willen zu schüren, daran fand er von Jugend air seinen Hauptsport. Im Jahre 1863 organisirte er das nationale Fest zu Ehren der Apostel Cyrill und Method, es war das erste slovenische Volksfest in dem deutschen Städtchen Neustadtl. Nach dem Willen der Eltern, welche fromme Landleute waren, sollte er Theologie studiren und in das bischöfliche Seminar zu Laibach eintreten; er weigerte sich aber Geistlicher zu werden und ging 1863 nach Gratz, um an der Hochschule daselbst die Rechte zu studiren. Auch hier that er sich wieder durch sein extremes nationales Gebaren hervor, und die Aufmerksamkeit seiner slovenischen Mitbürger in Steiermark richtete sich umsomehr auf ihn, als Gratz eine durch und durch deutsche Stadt war. Da die slovenischen Studenten an der deutschen Hochschule keinen rechten Halt hatten, gründete er an derselben den slavisch-literarischen Verein „Slovenija“. dessen Seele er wurde, für dessen Fortbestand aber in dem deutschen Gratz so wenig ein Bedürfniß sprach, daß er mit Tomšić’s Abgange von der Universität sich auch [124] wieder auflöste. Nachdem unser Slovene die juridischen Studien in Gratz beendet hatte, trat er bei Dr. Dominkus in Marburg in die Advocatenpraxis. Damals machte sich bei dem immer stärkeren Hervortreten einer slavischen Partei in der deutschen Steiermark die Nothwendigkeit eines politischen Slavenorgans im Lande bereits fühlbar. Tomšić, der gegen die Deutschen immer entschiedener vorging, nahm wesentlichen Antheil an der Gründung des „Slovinsky Narod“, d. i. Das slovenische Volk, welche Zeitschrift zu Marburg am 1. April 1868 unter seiner Redaction zu erscheinen begann. Dieses durchaus demokratische Blatt trat mit einer Entschiedenheit ohne Gleichen auf, bekämpfte quand même alles Deutsche. Gegen die geringste Einwendung schlug es mit Keulen um sich, kurz sein Ton war ein unerquicklicher, vor lauter Kampf, Hader und Streit konnte man zu keiner ruhigen Betrachtung dessen, was es verfocht, gelangen. Der unbefangene Leser kam aus dem Unbehagen gar nicht mehr heraus. Die Slovenen aber besaßen an ihm einen Anwalt, der gewiß ihre Sache in ihrem Sinne förderte, unter allen Umständen aber ihr mehr Anhänger geworben hätte, wenn er den ansprechenden Ton der Gesittung und gebildeten Anstands angeschlagen hätte. Trotzdem besaß er einen großen Anhang unter seinen Landsleuten, und die Trauer, als er im blühenden Alter von erst 29 Jahren eines plötzlichen Todes starb, war groß im Lande. Ein Dr. Ploj hielt die Grabrede. Wir wiederholen anstandslos die Worte, die ihm alle slovenischen Nachrufe widmen: Die Slovenen werden ihrem furchtlosen Tomšić ein Denkmal von Stein setzen, aber er hat mit seinem rastlosen Ringen und bewußten Kämpfen im Andenken der Slovenen, für welche er rang und kämpfte, das schönste Denkmal sich selbst gesetzt.

Květy, d. i. Blüten (Prager illustr. Blatt, kl. Fol.), 1871, Nr. 26. – Světozor (Prager illustr. Blatt, Fol.) 1871, Nr. 35.
Porträte. 1) Unterschrift: „Ant. Tomšić“. Kreslil K. Maixner. Holzschnitt in den „Květy“, 1871, Nr. 26. – 2) Unterschrift: „Antonín Tomšić“. Dle fotografie kreslil B. Kriehuber. Holzschnitt im „Světozor“, 1871, Nr. 35.