BLKÖ:Tomasoni, Johannes de Concordia

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Tomasini
Nächster>>>
Tomassek, W. J.
Band: 46 (1882), ab Seite: 73. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1019745193, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tomasoni, Johannes de Concordia|46|73|}}

Tomasoni, Johannes de Concordia (Architekt, geb. zu Prag 1724, gest. in Wien 1765). Der Sproß einer alten venetianischen Familie, welche bereits im sechzehnten Jahrhunderte in Böhmen sich seßhaft machte. Frühzeitig entwickelte sich die ungewöhnliche geistige Begabung des Knaben, der, kaum vierzehn Jahre alt, Philosophie an der Prager Hochschule hörte. Doch die Vorträge in dieser Wissenschaft waren unter den Verballhornungen der Jesuiten nicht nach seinem Geschmacke, und als ihm ein glücklicher Zufall die philosophischen Werke Wolff’s in die Hände spielte, vertiefte er sich [74] nicht nur selbst in sie, sondern rieth sie auch seinen jugendlichen Collegen auf das ernstlichste an. Durch dieses Gebaren aber brachte er seine Lehrer gegen sich auf, welche ihn bei seinen Eltern als einen Verführer der Jugend und als einen Anhänger falscher Ansichten verleumdeten, worüber es im Vaterhause zu unangenehmen Scenen kam, die endlich in Tomasoni den Entschluß reiften, sich den Verfolgungen in Schule und Haus einfach dadurch zu entziehen, daß er den Studien entsagte und den Soldatenstand zum Lebensberuf erwählte. Im Waffendienste benützte er alle Muße zu seiner Weiterbildung; er erlernte fremde Sprachen, übte sich im Reiten und Fechten und betrieb mit ganz besonderem Eifer mathematische Studien, die er in seinem Stande vorzüglich verwerthen konnte. Mit achtzehn Jahren zum Fähnrich befördert, zog er ins Feld gegen Frankreich. Die Compagnie, bei welcher er diente, verlor in einem feindlichen Ueberfall alle Officiere; er übernahm das Commando und brachte die Compagnie, nebst einem feindlichen Stabsofficier, den er gefangen genommen hatte, glücklich nach Eger. Für sein tüchtiges Verhalten wurde er zum Oberlieutenant befördert. Nun aber wollte es das Unglück, daß er sich in ein Mädchen verliebte, für welches auch sein Vorgesetzter Commandant in Liebe entbrannte. Die Widerwärtigkeiten dieser Nebenbuhlerschaft ließen nicht lange auf sich warten und verleideten ihm endlich seine Stellung dermaßen, daß er, um sich weiteren Chicanen und Verfolgungen zu entziehen, seine Entlassung erbat. Damit war indeß seine Neigung für den Soldatenstand nicht erstorben, und nachdem er seinen Abschied aus dem kaiserlichen Heere erhalten hatte, bewarb er sich um den Eintritt in fremde Kriegsdienste, in denen ihm wiederholt Gelegenheit ward, sich durch seine Tapferkeit auszuzeichnen. Als im Jahre 1747 die österreichische Besatzung aus Genua vertrieben wurde, trat er in den Sold dieser Republik, welche ihm die Besorgung ihres Geschützes übertrug, wobei er sich als tüchtiger Fachmann bewährte. Nach Beendigung des Krieges wollte ihm das müßige Soldatenleben im Frieden nicht behagen, er begehrte seine Entlassung und für seine Dienste reichlich belohnt, kehrte er in seine Vaterstadt Prag zurück. Daselbst unterzog er sich den Prüfungen als Geometer und trat dann die Stelle eines königlichen Landmessers an, wodurch seine Pläne bei vorfallenden Grenzstreitigkeiten so zu sagen amtlichen Charakter erhielten, indem auf ihrer Grundlage die Entscheidung erfolgte. Im Jahre 1756 ging er nach Wien, und dort gelangte er durch seine tüchtigen Kenntnisse zur Professur der Mathematik an der Savoyischen Ritterakademie. Schnell verbreitete sich sein Ruf als Mathematiker, und Männer, die in Amt und Ansehen standen, wurden seine Schüler. Gleichzeitig versah er auch das Lehramt der bürgerlichen Baukunst, Optik und Perspective an der k. k. Maler- und Bildhauer-Akademie in Wien. Als ehemaliger Soldat trieb er die Studien über Festungsbau und Feldbefestigung mit großem Eifer fort, machte verschiedene Modelle aus Thon oder Holz und erfand eine sinnreiche Vorrichtung, mittels deren die Infanterie einer Armee sammt ihren Waffen leicht über einen Fluß setzen konnte. In Gegenwart mehrerer Generale und anderer Fachmänner wurde die Probe mit glücklichem Erfolg auf der Donau ausgeführt. Die Vorrichtung selbst wird noch heute im kaiserlichen [75] Zeughause zu Wien aufbewahrt. Eine andere wichtige Erfindung, mittels deren er jede Festung, ohne einen Schuß auf dieselbe abzufeuern, einnehmen zu können erklärte, soll er nur einigen hohen Militärs anvertraut haben. Erst 41 Jahre alt, ward er seinen Arbeiten und Studien durch den Tod entrissen. Im Druck erschien nur die über den Nutzen der Mathematik handelnde Rede, mit welcher er 1758 sein Lehramt an der Savoyischen Ritterakademie antrat. In seinem Nachlasse aber fanden sich eine Abhandlung über Festungswerke und Verschanzungen, eine Anleitung, wie ein für eine Schlacht nicht ausreichendes Armeecorps durch vortheilhafte Verschanzung vertheidigungsfähig werde; ein Vortragsbuch über die Kriegskunst zum Gebrauche der königlich ungarischen Leibgarde und verschiedene andere Arbeiten aus den Gebieten der Mathematik, Optik und Kriegsbaukunst.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 382. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XVIII, S. 549.
Porträt. Unterschrift: „Joannes Tomasoni de Concordia“ zu beiden Seiten des Wappens. Kollonitz pinx. Joann. Quirin Jahn del. Joann. Balzer sc. Pragae (8°.).