BLKÖ:Traubenburg, Joseph Dietmann Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 46 (1882), ab Seite: 293. (Quelle)
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Traubenburg, Joseph Dietmann Ritter von (Humanist, geb. zu Brünn 14. Februar 1761, gest. ebenda 26. März 1843). Sein Vater Ignaz Franz Dietmann war Arzt, seine Mutter Maria Antonia geborene Hauer vermälte sich nach ihres Mannes Tode mit 'Emanuel Piati von Drnovic und Lissic und erlangte für ihre Söhne erster Ehe den Adelstand mit dem Prädicate von Traubenburg. Joseph besuchte die Vorbereitungsschulen in Brünn, woselbst er auch Philosophie [294] hörte, darauf studirte er an der Wiener Universität die Rechte. Nach Beendigung derselben trat er 1783 als Auscultant bei dem k. k. mährischen Landrechte ein, wurde in Folge seiner Tüchtigkeit schon 1786 k. k. Landrath und am 13. September 1792, im Alter von erst 31 Jahren, mährisch-schlesischer Appellationsrath. Neben seinem amtlichen Berufe hatte er ein offenes Auge für die Verhältnisse seiner Heimat, und wo es galt, Gutes und Gemeinnütziges zu fördern, war er gewiß dabei. So nahm er an der Einführung der Jenner’schen Kuhpockenimpfung in Gemeinschaft mit Hugo Altgrafen von Salm-Reifferscheidt, dem Arzte Dr. Lindner und dem Wundarzte Klaviger den thätigsten Antheil. Als der Schneider Martin Rietz zu Neutitschein im Jahre 1804 sich mit dem Gedanken trug, daselbst ein Krankenhaus zu gründen, und sich um Rath und Förderung seines Unternehmens an Traubenburg wandte, sammelte dieser bei der Brünner Bürgerschaft und mehreren umliegenden Gutsbesitzern namhafte Beiträge für diesen Zweck. Das Kriegsjahr 1805, in welchem Brünn von der französischen Invasion hart betroffen wurde, gab unserem Humanisten Gelegenheit, in den Spitälern, im Kloster der Minoriten und in den Räumen des Strafhauses eine aufopfernde Thätigkeit zu entwickeln, wie er eine solche auch im Jahre 1809 entfaltete, in welchem er als Commandant und Rechnungsführer bei dem Spital wirkte, welches man nach der Schlacht bei Aspern in Brünn für verwundete Krieger errichtet hatte. 1808 begründete er in Gemeinschaft mit Dr. Rincolini [Bd. XXVI, S. 161] in Brünn eine Privat-Kinderkrankenanstalt nach dem Vorbilde des in Wien von J. J. Mastalier und Dr. L. A. Goelis gestifteten wohlthätigen Institutes, in welchem kranke Kinder armer Leute unentgeltlich gepflegt und geheilt wurden. Obgleich persönlich 1811 und in den folgenden Jahren von widrigen Ereignissen schwer getroffen, ließ er sich dadurch in seinem humanen Wirken nicht im Geringsten beirren. So übernahm er das Curatorium der Brünner Taubstummenanstalt und mit demselben die Verwaltung eines Capitals von 10.000 fl. Letzteres brachte er durch seine Bemühungen bis zum Jahre 1833 auf die Höhe von 44.000 fl. Conventions-Münze und erwarb gleichzeitig dazu ein Haus im Werthe von 10.000 fl. Kurz vor Traubenburg’s Tode betrug das Capital über 55.000 fl. Conventions-Münze. Ferner fungirte er als Curator des Blindeninstitutes, von dessen Entstehen bis zum Jahre 1841, in welchem das Vermögen dieser Anstalt auf 46.000 fl. gestiegen war. Ueberdies wirkte Traubenburg auch als ein eifriges Mitglied der mährisch-schlesischen Landwirthschafts-Gesellschaft von deren Gründung an und widmete sich in den Mußestunden seines Berufes mit Vorliebe der Obstzucht.

d’Elvert (Christian), Geschichte der Heil- und Humanitätsanstalten in Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1858, Rudolph Rohrer’s Erben, gr. 8°.) S. 294 u. f. – Moravia, 1843, Nr. 51.
Ende des sechsundvierzigsten Bandes.