BLKÖ:Tyszkiewicz, Georg (1571–1625)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tyszkiewicz, Eustach
Band: 48 (1883), ab Seite: 197. (Quelle)
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6. Georg Tyszkiewicz (geb. 1571, gest. zu Krakau am 14. August 1625). Sein Vater, gleichfalls Georg mit Vornamen, war Wojwode von Brzesk und ein rühmlichst bekannter Ritter seiner Zeit, die Mutter eine geborene Wołłowicz. Den ersten Unterricht erhielt er bei den Jesuiten in Wilna, dann kam er nach Rom, wo er 1593 in ihren Orden trat. Nach seiner Heimkehr erlangte er die theologische Doctorwürde und wirkte zu Kalisz, Wilna, Posen und Lublin in verschiedenen Fächern des Lehramtes. In schweren Zeiten versah er die Stelle des Regens in den Collegien seines Ordens zu Thorn, Kalisz, Posen und Krakau, wurde Secretär der Provinz, Instructor der Zöglinge der dritten Probation und starb, 54 Jahre alt, als Regens der ganzen polnischen Ordensprovinz. Als Gelehrter und strenger Ordensmann allgemein bekannt, war er ein heftiger Widersacher aller Andersgläubigen und ein immer streitbarer Kämpfer gegen dieselben. Zur Zeit der Zwistigkeiten seines Ordens mit der Krakauer Hochschule glänzte er als einer der bedeutendsten Vertheidiger seiner Gesellschaft gegen die wider dieselbe erhobenen Angriffe und Beschuldigungen. Die Titel seiner Schriften sind: „Responsio ad famosum libellum contra Patres S. J., qui inscribitur: Concilium de recuperanda et stabilienda pace Reipublicae“ (Krakau 1640, 4°.), herausgegeben unter dem Pseudonym Nicolaus Ziemecki; – „Nowiny z Torunia, o gwałtownem zabronieniu przez heretyki nabożeństwa i processyj katolickich, roku p. 1614 od jednego katolika“, d. i. Nachrichten aus Thorn über die gewaltsame Störung der katholischen Feier und Procession durch die Häretiker im Jahre 1614. Von einem Katholiken (o. O., 4°.) anonym; – „Responsio Georgii Tyszkiewicz S. J. ad libellum famosum cujusdam anonymi Thorunensis Patrocinium Veritatis litterarum Thorunensium falso inscriptum“ (Krakau 1615, 4°.), dieses Werk, welches auch im zweiten Bande der von Sim. Fr. Hahn herausgegebenen „Monumenta vetera et recentia inedita“ (Braunschweig 1726) aufgenommen ist, schreibt Maciesowski in seinem „Polnischen Schriftthum“ (Pismenictwo polskie, Bd. III, S. 83) irrigerweise einem Autor Namens Łaszczow zu. Auf die in genanntem Werke von Tyszkiewicz erhobenen Beschuldigungen entgegneten die Evangelischen mit einer Vertheidigungsschrift, betitelt: „Obrona prawdy listów z miasta Torunia“, d. i. Abwehr der Wahrheit gegen die Nachrichten aus Thorn (o. O. u. J.), worauf der streitbare Jesuit mit folgender Schrift erwiderte: „Vindiciae doctrinae S. J. a calumniis patroni Thorunensium anonymi autore Georgio Tyszkiewicz (Krakau 1616, 4°.). Noch schrieb er „De perfectione“ (ebd. 1624, zweite Ausgabe Cöln 1626, 12°.), ein Buch voll scholastischer Spitzfindigkeiten; und „Theologia antilogica Lutheranorum et Anthologia Calvinistarum seu Contradictiones de rebus fidei, quas Lutherani et Calvinistae in suis propositionibus concordes discordes admittunt“ (ebd. 1624, zweite Aufl. Cöln 1627, 4°.). –