BLKÖ:Tyszkiewicz, Georg (gest. 1656)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 48 (1883), ab Seite: 197. (Quelle)
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7. Georg (gest. 17. Jänner 1656) ist einer der bedeutendsten kirchlichen Würdenträger des alten Polen. Ein Sohn des lithauischen Vicekanzlers und Wojwoden von Brzesk Eustach Johann Tyszkiewicz [198] aus dessen Ehe mit Sophie geborenen Fürstin Wiszniowiecki, wurde er zunächst im Elternhause, dann in Krakau unter der Leitung seines Oheims, des Jesuiten Georg [siehe den Vorigen] erzogen, welcher ihn zum Eintritt in den geistlichen Stand bewog. Kaum zum Priester geweiht, erhielt er auch durch Einfluß seines Oheims ein Canonicat in Krakau. Als derselbe zum Provinzial der lithauischen Ordensprovinz aufrückte, begab sich der junge Domherr, der übrigens gründliche Kenntnisse und eine seltene Rednergabe besaß, nach Wilna, wo er 1626 Canonicus, dann Custos und Erzdiakon wurde. Der Bischof daselbst, Eustach Wołłowicz, gewann den jungen geistvollen Priester bald lieb und erhob ihn in kurzer Zeit zum Weihbischof von Meton und zum Suffragan von Wilna. Durch den weiteren Einfluß seines Oheims sah Tyszkiewicz auch bald die Aufmerksamkeit König Sigmunds III. auf sich gerichtet. Vom Bischof Wołłowicz auf die im Juni 1628 zu Piotrkow abgehaltene Provinzialsynode entsendet, entfaltete er daselbst eine große und ersprießliche Thätigkeit und erstattete, zurückgekehrt, seinem bischöflichen Oberhirten Bericht über die Vorgänge auf dieser Versammlung. Bald danach wurde er von König Wladislaus auf den erledigten Bischofssitz von Żmujdz berufen und auf demselben von Papst Urban VIII. mit der Bulle vom 23. December 1633 bestätigt. Sein erstes Augenmerk richtete er darauf, die ziemlich im Argen liegende Kirchenzucht seiner Diöcese zu heben. Zu diesem Zwecke bereiste er öfter den ganzen Sprengel und nahm dabei in alle Schäden Einsicht, berief eine Diöcesan-Synode nach Worń, auf welcher er selbst den Vorsitz führte, beseitigte viele unnöthige Ceremonien und Bräuche, welche sich im Laufe der Zeit zum Schaden der Kirche eingeschlichen hatten, und ertheilte neue ersprießliche Vorschriften. Unter ihm erstarkte von Neuem der Katholicismus in seiner Diöcese, erstanden mehrere Klöster, namentlich des Dominicanerordens, dem er seine besondere Gunst zuwandte. und mit allem Eifer förderte er das kirchliche Leben. Aus seiner bischöflichen Residenz begab er sich oft auf den Warschauer Landtag oder zum Könige. Letzterer, der ihn besonders hochschätzte, schickte ihn 1638 als Legaten an Papst Urban VIII., und wiederholt sandten ihn die königlichen und lithauischen Stände nach Rom, insbesondere um die Canonisation des h. Stanislaus Kostka zu erwirken. Der Papst, der die geistige Bedeutenheit des Bischofs alsbald erkannte, zeichnete ihn in vielfacher Weise aus, ernannte ihn zu seinem Hausprälaten, zu seinem beständigen Thronassistenten, zum Leiter der liefländischen Missionen, zum bleibenden Administrator des Bisthums von Pilten in Kurland, mit dem Auftrage, die von den Evangelischen gewonnenen Kirchen wieder der katholischen Kirche zurückzuverschaffen. Nach seiner Rückkehr von Rom wurde er von König Wladislaw IV. mit noch anderen Abgesandten auf den nach Thorn einberufenen Congreß der Katholiken und Protestanten gesendet, wo das sogenannte Colloquium charitativum stattfand, bei welchem er unter den theologischen Doctoren beider Confessionen den Vorsitz führte. Als dann im Jahre 1634 der Erzbischof und Primas Matthias Lubieński [Bd. XVI, S. 105, Nr. 5] eine Provinzial-Synode nach Warschau einberief, ernannte derselbe unseren Tyszkiewicz zum zeitlichen Leiter des Capitels. Der Thorner Congreß blieb im Ganzen für die Kirche resultatlos, aber für seine Person erntete Tyszkiewicz den selbst von den Protestanten ihm zuerkannten Ruhm, während der ganzen Zeit der Verhandlungen mit ebenso viel Würde, als christlicher Demuth und Liebe dieselben geleitet und sich auch gegen die Andersdenkenden in humaner Weise betragen zu haben. Als nun Bischof Abraham Wojna starb, würdigte König Johann Kasimir die hohen Verdienste unseres Kirchenfürsten, daß er ihm am 26. März 1649 das Bisthum Wilna verlieh, worauf Tyszkiewicz von Papst Innocenz X. am 8. December desselben Jahres darin bestätigt wurde. In schwerer Zeit übernahm er das neue Bisthum, der schwarze Tod verbreitete in der Diöcese allgemeinen Schrecken, die unglücklichen Kosaken- und Tatarenkriege verwüsteten das Land, und mit ihnen stellten sich Hungersnoth und Elend ein. Mitten unter diesen Verhältnissen residirte Bischof Tyszkiewicz in Wilna, seine oberhirtlichen Pflichten übend, das verzagte Volk durch sein eigenes Beispiel ermunternd und aufrichtend. Als die Noth 1654 ihren Höhepunkt erreichte, berief er eine Diöcesansynode nach Wilna, um mit den auf ihr versammelten Dechanten und Pröpsten über die Bedürfnisse der Bevölkerung und über die Mittel zu berathen, durch welche der allgemeine Jammer möglichst gemildert und [199] gebannt werde. Erst als das Unglück immer mächtiger hereinbrach, als die Kosaken und Tataren bis vor Wilna sich herangewagt, übergab er die geistliche Leitung dem Canonicus Kleczkowski, um sich an den Hof des Prinzen Thronfolgers zu begeben, wo er aber gleich darauf erkrankte und schon nach wenigen Tagen starb. Tyszkiewicz war ein ebenso energischer als gottesfürchtiger Kirchenfürst, verehrt von seiner Geistlichkeit und von seinen Gemeinden. Für seine Kirche that er viel, er restaurirte die Kathedrale und erbaute mehrere Gotteshäuser, sie mit allem Erforderlichen ausstattend. Als Deputirter des Fiscal-Tribunals gedenken seiner die Constitutionen der Jahre 1633, 1634, 1635 und 1637. Im Druck gab er heraus: „Synodus Dioecesana Mednicensis seu Samogitiae A. D. 1636 d. 13. Mensis Januarii celebrata“ (o. O. 1636, 4°.). [Łętowski (Ludwik). Katalog biskupów, prałatów i kanoników krakowskich, d. i. Verzeichniß der Bischöfe, Prälaten und Domherren von Krakau (Krakau 1853, Universitätsdruckerei, 8°.) Band IV, S. 174 u. f.] –