BLKÖ:Unger, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 49 (1884), ab Seite: 74. (Quelle)
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10. Karl Unger. Der Name Unger, sowie Ungár, ist zahlreichen magyarischen, meist jüdischen Familien eigen. Mehrere Träger desselben schlossen sich der ungarischen Revolution 1848–1849 an. So focht ein Ignaz Unger als Lieutenant in der Honvédarmee und floh nach Bewältigung des Aufstandes in die Türkei. – Ein Hermann Unger, welcher im Jahre 1848 ebenfalls in der Honvédarmee diente, flüchtete dann gleich vielen Anderen und fand in Hamburg ein Asyl, wo er sich 1862, als die Polizei nach ihm fahndete und seinen Aufenthalt entdeckte, im Hôtel erschoß. – Auch Karl Unger diente in der ungarischen Revolutionsarmee, und zwar bei der Artillerie. Diese schoß mit einer Art Raketen, denen besondere Vorzüge nachgerühmt wurden, und die unter dem Namen „Honvéd-Raketen“ bekannt waren. Wie nun das magyarische Blatt „Bihar“ 1868 meldet, kam in diesem Jahre der emigrirte Revolutionsoberst Fidel Kupa im Auftrage der schwedischen Regierung nach Ungarn, um sich für dieselbe in den Besitz des Geheimnisses der einstigen Honvéd-Raketen zu setzen. Kupa wandte sich zu diesem Zwecke unmittelbar an den in Nádudvar wohnenden Daniel Lukács, der während der Revolution Aufseher der Großwardeiner Gießerei gewesen war. Ein Debrecziner Bürger, der im Revolutionskriege gleichfalls eine hervorragende Rolle gespielt hatte und von jenem Umstande durch [75] Daniel Lukács in Kenntniß gesetzt wurde, schrieb sofort an einen Bekannten in Großwardein um Auskunft, ob noch einer von Jenen am Leben sei, welche jenes Geheimniß besaßen. Die Antwort lautete dahin, daß in der That noch Einer lebe, Namens Karl Unger, der während der Revolution bei der Artillerie gedient habe und jetzt unter bescheidenen Verhältnissen als Schriftführer des Großwardeiner Schützenvereines angestellt sei. Unger hatte dieses Geheimniß auch bereits früher einmal dem ungarischen Landesvertheidigungsministerium angeboten, indeß von demselben darauf den Bescheid erhalten, daß es von dem Anerbieten keinen Gebrauch machen könne, da es noch keine ungarische Armee gebe. Als nun die schwedische Regierung sich um den Besitz des Geheimnisses bewarb, beschloß Unger, dasselbe denn doch noch einmal der ungarischen Regierung zu offeriren, und erst, wenn sein Versuch abermals erfolglos bleibe, dasselbe dem Obersten Kupa für die schwedische Regierung zu überlassen. –