BLKÖ:Vértesi, Arnold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vértey, Ernst
Band: 50 (1884), ab Seite: 158. (Quelle)
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Vértesi, Arnold (ungarischer Schriftsteller, geb. zu Erlau in Ungarn am 16. August 1836, gest. in Pesth am 28. Jänner 1875[WS 1]). Kaum 13 Jahre alt, trat er gegen das Ende der ungarischen Revolution 1849 in die Honvédarmee. Nach Bewältigung des Aufstandes begann er zunächst das Studium der Rechte, als ihm dieses nicht länger zusagte, jenes der Medicin, welches er schließlich auch aufgab, um Schriftsteller zu werden, denn als solcher brauchte er ja nach dem Irrglauben jener Zeit nichts gelernt zu haben. Er debutirte nun auch mit einer Erzählung: „Der König der Mauren“, die bald in Vergessenheit gerieth, dann brachte er die „Történeti beszélyek“, 2 kötet, d. i. Historische Novellen, 2 Bände (Pesth 1864) zum Druck, welche sich nicht über das Niveau gewöhnlicher Leihbibliothekenkost erheben. Nun glaubte er sich reif zum Publicisten und trat als Hauptmitarbeiter [159] bei einer Wochenschrift ein. In dieser Stellung verblieb er mehrere Jahre, bis er 1867 die Redaction des politischen Blattes „Pesti Hirlap“, d. i. Die Pesther Zeitung, und zugleich jene zweier illustrirten ungarischer Journale übernahm, in allen die Opposition unterstützend, deren Führer damals bekanntlich Herr von Tisza war. Die Winter 1869 bis 1871 verbrachte er seiner stark angegriffenen Gesundheit wegen in Italien, wohin er sich auch 1874 begab. Heimgekehrt, redigirte er ein politisches Blatt in der Provinz, nämlich den „Debreczeni Ellenőr“, aber schon im folgenden Jahre ereilte den erst 39jährigen der Tod. Vértesi entwickelte als Schriftsteller eine erstaunliche Fruchtbarkeit, ich entsinne mich, in einem ihm gewidmeten Nachrufe gelesen zu haben, daß er Verfasser von mehr als 600 Novellen, mehrere größere Romane abgerechnet, gewesen! Daß die Qualität mit der Quantität nicht gleichen Schritt hielt, kann gewiß nicht Wunder nehmen, und wer es über sich bringt, Vértesi’s Erzählung: „Idegen földön“, d. i. Auf fremder Erde, zu lesen, welche derselbe 1878 in der Petőfi-Gesellschaft, der er angehörte, vortrug, der wird über die Armseligkeit der Erfindung und die Mattheit der mit patriotischen Floskeln ausgestatteten Darstellung staunen. Von den selbständig im Druck erschienenen Werken dieses Schriftstellers sind mir bekannt: „Tiz beszély“, 2 kötet, d. i. Zehn Novellen, 2 Bände (Pesth 1868, Moriz Ráth, 8°.); – „A nyomoruság iskolája“,d. i. Die Schule des Elends (Pesth 1879); – „Eltevesztett utak“, d. i. Verfehlte Lebenswege (ebd. 1879) und „Fényes házasság“, d. i. Eine glänzende Partie (ebd. 1879). In diesen drei Romanen berührt die bittere, verzweifelte Stimmung, von welcher sie durchdrungen sind, unangenehm den Leser. Vértesi streift, aber auch mehr im Dunkeln herumtappend, als sehenden Auges schildernd, die socialen Gebrechen der Zeit; und daß daher auch Alles, was er darüber vorbringt, unklar ist, kann kaum mehr befremden; er beherrscht weder seine Stoffe, noch die Form des Romans. Alles in Allem war er ein unausgegohrenes Talent, das in seinen schriftstellerischen Werken seine krankhaften Ideen publicirte und den besten Beweis geliefert hat, daß er nichts ordentlich gelernt, nichts gründlich in sich aufgenommen, was ihm aber eben, wie so vielen Anderen heutzutage, gerade genug schien, um Schriftsteller zu werden!

Dux (Adolph). Aus Ungarn. Literatur- und culturgeschichtliche Studien (Leipzig 1880, Hermann Foltz, 8°.) S. 124–131, im Capitel: „Ungarische Romane und Erzählungen“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. † 1. August 1911. Vértesi Arnold (ungarische Wikipedia).