BLKÖ:Vorwort (Band 41)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: III. (Quelle)
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Vorwort.

In keinem der vorhergehenden 40 Bände dieses Werkes haben sich bei Bearbeitung des Materials die Schwierigkeiten in dem Maße gehäuft, wie in dem vorliegenden. Schon ein flüchtiger Blick in das Namensverzeichniß erklärt den Grund dieses Umstandes. Vor den deutschen Erblanden, welche diesmal nur zwei Repräsentanten aufweisen, sind die übrigen Länder der Monarchie auf das reichste vertreten. In buntem Wechsel folgen da Namen, welche spanischen, belgischen, ungarischen, polnischen, čechischen, ruthenischen, slovakischen, serbischen und slovenischen Familien angehören. Prägnant spiegelt sich das Bild des polyglotten Oesterreich im Rahmen dieses Bandes, den wir daher ebenso der Aufmerksamkeit wie dem Wohlwollen seiner Benützer empfehlen.

Eigenthümlich ist es, daß in diesem Bande vor den anderen Nationalitäten gerade die Ungarn nach Zahl sowohl als Bedeutung hervorstechen. Nicht ohne Berechtigung könnte man daher den vorliegenden Band dieses Lexikons den ungarischen nennen. Bisher war Ungarn in lexikalischen Werken, welche Biographien der denkwürdigen Menschen anderer Nationen enthalten, auf das spärlichste bedacht. Wenn auch die Magyaren mit ihrer in Europa fast isolirt dastehenden Sprache auf sich selbst beschränkt bleiben, so sind sie doch durch ihre politische Haltung, durch ihre mit jedem Tage steigende Cultur ebenso achtens- als beachtenswerth. Gebot mir nun schon die Pflicht als österreichischer Lexikograph, auch diesem Volksstamme gerecht zu werden, so trieb mich überdies der Gedanke, der deutschen Nation gegenüber hier vermittelnd aufzutreten und dieselbe mit einem historisch und culturhistorisch [IV] höchst interessanten Volke näher bekannt zu machen. Dabei habe ich nicht etwa nur deutsche Quellen benützt, sondern ohne diese zu übergehen, vornehmlich ungarische zu Rathe gezogen und letzteren sowohl, als den ungarischen Buchtiteln die deutsche Uebersetzung beigefügt, wodurch ich manchem deutschen Forscher, der zu Studien über Ungarn nach neuen Quellen zu suchen hat, solche in reichem Maße erschlossen zu haben glaube.

Bei den slavischen Namen mit den Anfangsbuchstaben Sv und Sw konnte ich die Schwierigkeiten in der alphabetischen Aufeinanderfolge nur dadurch beseitigen, daß ich von der äußeren Verschiedenheit der Buchstaben v und w, welche in ihrer Verbindung mit dem S in der Aussprache nicht zu unterscheiden sind, ganz absehend, mich einfach an die alphabetische Folge der Taufnamen hielt. Ich glaubte zu diesem Schritte mich um so mehr berechtigt, als ich ja im Gebrauch des v und w bei Eigennamen die größte Willkür wahrnehme. Um nur ein Beispiel anzuführen, verweise ich auf den Namen Swoboda, der folgerichtig deutsch mit w (Swoboda), čechisch mit v (Svoboda) geschrieben wird, aber oft, auch wenn es sich um ein und dieselbe Person handelt, sowohl in čechischen als in deutschen Werken in beiden Schreibweisen (Svoboda und Swoboda) erscheint.

Ein nicht minder schwieriges Moment bot dieser Band nach politischer Seite dar. Während sich die Parteien auf der politischen Arena mit einer Bitterkeit gegenüberstehen, die auch das gesellschaftliche Leben so wenig erquicklich macht, und die politischen Gegensätze jeden Augenblick mehr oder minder heftig aufeinander platzen, bedarf es für den Großösterreicher, dessen Herz sich nur zu oft dagegen aufbäumen möchte, einer nicht gewöhnlichen Selbstbeherrschung, unentwegt seinen Pfad in objectiver Haltung zu verfolgen. Mein Werk trägt seit dem Augenblicke seines Erscheinens den ausschließlich großösterreichischen Charakter. Nur die ängstliche Sorge, mit welcher ich bemüht war, ihm denselben unter Zurückweisung jeder [V] Tendenz zu wahren, vermochte mich zur Aufnahme von Persönlichkeiten, die, obgleich sie dem Kaiserstaate angehören, doch antiösterreichisch gesinnt waren oder sind. Ich befand mich dabei in der Lage des Kartographen, der, soll seine Karte treu und für den Benützer förderlich sein, in dieselbe nicht blos die prächtigen Seen und stattlichen Flüsse eintragen muß, sondern auch die Tümpel und Sümpfe, welche die Reize einer Gegend nicht eben erhöhen. In keinem Bande war ich so sehr darauf angewiesen, die Methode des genauen Kartographen zu befolgen, als gerade in diesem.

Ehe ich dieses Vorwort schließe, fühle ich mich gedrungen, dem Herrn Bibliothekar A. Gutenäcker an der königlichen Staats-Bibliothek in München für die liebenswürdige Zuvorkommenheit, mit der er mir bei meinem öfteren Arbeiten in derselben die nöthigen Materialien herbeischaffte, und für den Schatz seiner bibliographischen Kenntnisse, den er mir stets bereitwillig offen hielt, meinen warmen Dank zu sagen. Nicht minder bin ich zu Danke verpflichtet dem königlich bayrischen Major Herrn Friedrich Staubwasser, der mir gestattete, das von ihm angefertigte treffliche Register zu Stramberg’s „Rheinischem Antiquarius“ für mein Werk zu benützen. In diesem Register ist der Schatz des „Antiquarius“ in seiner stupenden Reichhaltigkeit erschlossen. Schade, daß die Mittheilungen, die er vor der Vergessenheit bewahrt, in Ermanglung eines gedruckten Registers nur den Wenigsten zugänglich sind. Endlich sage ich auch dem hochwürdigen Herrn Capitular des Benedictinerstiftes Amand Baumgarten, der mich seit Jahren mit verschiedenen bio- und bibliographischen Notizen und Nachrichten versieht, welche ich bei meinen Arbeiten bestens verwerthen kann, meinen herzlichsten Dank.

Berchtesgaden, 28. Juli 1880.
Dr. Constant von Wurzbach.