BLKÖ:Wagner, Karl (Cadet-Officiersstellvertreter)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 117. (Quelle)
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30. Wagner, Karl (Cadet-Officiersstellvertreter, im 14. Feldjäger-Bataillon, geb. um 1860). Er machte mit seinem Bataillon den Winter-Feldzug 1881/82 in der Hercegovina, in Süd-Bosnien und in der Krivoscie mit und zeichnete sich in einem Gefechte am 12. Juni 1882 Nachts bei Velenic besonders aus. Hier sei in Kürze seiner Waffenthat gedacht, zu Ehren seiner selbst, zur Nachahmung für Andere. Ein bei Velenic aufgestelltes Detachement wurde in der besagten Nacht von den Insurgenten angegriffen, und Wagner erhielt Befehl, mit seinem Zuge den südöstlichen Theil der Umfassungsmauer zu besetzen und aufs Aeußerste zu halten. Er erfüllte seine Aufgabe mit Umsicht und echtem Soldatenmuthe, ja man kann sagen, mit wahrer Bravour. Es gelang ihm immer, die Insurgenten von den bedrohtesten Punkten zurückzutreiben, oft sprang er in den gefährlichsten Momenten selbst auf die Mauer und trieb die Angreifer zurück, worauf seine Leute, von seinem Beispiel angefeuert, ein Gleiches thaten, und nur dieser außerordentlichen Tapferkeit gelang es, den ihm zur Vertheidigung übergebenen Punkt gegen die Angriffe der weit überlegenen Insurgenten zu halten und dadurch die glänzenden Resultate des ganzen nächtlichen Kampfes zu ermöglichen. Auch früher schon hatte Karl Wagner Proben seiner Tapferkeit gegeben. In der Nacht vom 6. Mai 1882 kam ein Landbewohner in das Lager bei Celebic mit der Nachricht, daß der etwa drei Stunden entfernte Ort Slinci von Insurgenten überfallen und des ganzen Viehstandes beraubt worden sei. Dabei theilte er mit, daß er den Weg wisse, den die Insurgenten eingeschlagen hätten, um die montenegrinische Grenze zu erreichen und ihren Raub in Sicherheit zu bringen, und machte sich erbötig, eine dahin zu entsendende Abtheilung zu führen. Ueber die Stärke der Insurgenten konnte er keine Auskunft geben. Nun wurde Wagner mit einer Abtheilung von dreißig Mann entsendet, um die Räuber zu überfallen und ihnen, wenn möglich, den Raub wieder abzunehmen. Um 11 Uhr Nachts gelangte er mit seiner Abtheilung nach Krštac, wo er eine gedeckte Stellung nahm und in der vollkommen finsteren Nacht die Räuber erwartete. Nach etwa einer Stunde näherten sich dieselben. Er ließ sie auf zehn bis zwanzig Schritte herankommen, dann gab er eine volle Salve auf sie ab und griff sie sofort mit blanker Waffe an. Der überraschte Gegner wandte sich zur Flucht, fünf Todte und einen Theil des geraubten Viehes zurücklassend; die Insurgenten, etwa 70 Mann stark, hatte der berüchtigte Bandenführer Tošic befehligt. „Immer und überall“, heißt es in unserer Quelle, „bewährte sich Wagner als sehr schneidiger Soldat und als verständnißvoller, umsichtiger und aufopfernd thätiger Zugscommandant“. Das Generalcommando zu Serajevo belobte im öffentlichen Befehle den wackeren Kriegsmann.

Episoden aus den Kämpfen der k. k. Truppen im Jahre 1882. Mit Bewilligung und Unterstützung des k. k. Reichskriegsministeriums als Lesebuch für die k. k. Soldaten. Zusammengestellt von Karl Kandelsdorfer, Oberlieutenant (Wien 1884. gr. 8°.) S. 97: „Cadet-Officiersstellvertreter Karl Wagner“.