BLKÖ:Wania (Váňa), Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 53 (1886), ab Seite: 63. (Quelle)
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Wania, oder nach čechischer Schreibung Váňa, Johann (Entdecker der Kladno’er Kohlenwerke und Bergmann, geb. zu Felbabka bei Hořovic in Böhmen 1811, gest. in Prag am 27. Juni 1864). Der Sohn eines gräflich Wrbna’schen Bergsteigers aus Felbabka, besuchte er die Pfarrschule seines Geburtsortes und wurde wie sein Vater Bergmann. Er ging nach Przibram, von da nach Mähren und Ungarn. Bereits verheiratet, kehrte er in sein Vaterland zurück und lebte von seiner Hände Arbeit. Schon lange ging von dem wahrscheinlichen Kohlenreichthum der Kladnoer Gegend im Volke eine dunkle Sage, da nahm er sich den Muth und schlug im März 1845 daselbst mit noch einem Gefährten auf eigene Faust auf Kohlen ein. Schon halten sie etwa zehn Klafter tief gegraben und noch immer nichts gefunden da verlor [64] sein Gefährte den Muth. Aber Wania harrte aus, und siehe da, kaum hatte er noch zwei Klafter tiefer gegraben, so stieß er auch auf ein mehrere Fuß mächtiges Kohlenlager. Nun, die Kohle war gefunden, aber es bedurfte des Geldes, um sie zu Tage zu fördern, und er besaß keines. In seiner Verlegenheit wendete er sich an den Besitzer der Sophieninsel in Prag, an Wenzel Novotný. Dieser, die Sachlage überblickend, zog Fachmänner zu Rathe und übernahm sofort die Kohlengrube, und Wania trat bei ihm als Bergsteiger in Dienste. Es wurden Förderungsmaschinen angeschafft, und so entstanden zuerst der St. Joseph-, dann der Katharinen-Schacht. Als die Sache eine immer weitere Ausdehnung gewann und größere Capitalien erforderlich waren, traten Adalbert Lanna [Bd. XIV, S. 130] und die Gebrüder Klein [Bd. XII. S. 44] mit Novotný in Compagnie, und der Grund der heutigen großartigen Kohlenwerke in Kladno ward gelegt. Wania aber, dessen praktischen Sinn und bergmännische Erfahrung die nunmehrigen Besitzer der Kohlengrube erkannt hatten, fühlte in sich den Trieb, die ihm mangelnde Bildung durch eifriges Selbststudium nachzuholen, machte auch bei dem bergmännischen Genie, das ihm die Mutter Natur geschenkt, glückliche Fortschritte, stieg von Stufe zu Stufe, bis er es vom einfachen Bergsteiger zum Oberdirector der Kladnoer Kohlenwerke brachte. Der Aufschwung der Stadt Kladno, welche bis dahin aus 150 Häuschen bestand, und zur Zeit, als Wania starb, mehr als 600 Nummern mit 10.000 Seelen, meist Berg- und Hüttenarbeitern, zählte, ist größtentheils ihm zu verdanken. Ein halbes Jahr vor seinem Hingange hatte er sich, bereits leidend, von seinem Berufe zurückgezogen und lebte in Kladno. Zehn Tage vor seinem Tode übersiedelte er nach Prag. Als Leiche nach Kladno wieder zurückgebracht, ward er daselbst unter dem Geleite von mehr denn achttausend Menschen, welche dem Sarge des Wohlthäters ihrer Gegend folgten, bestattet.

Wiener Zeitung, 1. Juli 1864, Nr. 161. – Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1864, Nr. 157, S. 15.